Gruppe: Theater der Zeit

Gruppenbeschreibung

Theater der Zeit stellt die neuesten Entwicklungen des deutschsprachigen und internationalen Theaters vor: aktuelle Kritik, neue deutsche und internationale Stücke in Erstveröffentlichung, Debatten, Interviews, Essays, Reportagen, Kulturpolitik und Dokumentation, Schauspiel, innovatives Tanz- und Musiktheater, Performance, Puppen-, Kinder- und Jugendtheater.

Kunstrichtung

Bühne

Jahr der Gründung

1946

Stadt/Ort

Berlin

Alle Beiträge der Gruppe(nmitglieder)

globe-M am 28.08.2009

Heft 09/2009

Auf vielfache Weise sind der Tod und das Theater ineinander verschlungen. Der Tod bildet den Kern jener Formationen des Unaufhellbaren, die das Denken nicht auflösen kann und wo, wie Nietzsche schreibt, der Mensch „zu seinem Schrecken sieht, wie die Logik sich an diesen Grenzen um sich selbst ringelt und endlich sich in den Schwanz beißt“. Hier vollzieht sich im Jenseits der Religion die Geburt des Theaters: „Da bricht die neue Form der Erkenntnis durch, die tragische Erkenntnis, die, um nur ertragen zu werden, als Schutz und Heilmittel die Kunst braucht.“ Der Sommer ’09 brachte gleich mehrere Abschiede von überragenden Künstlern einer Generation, die den Horizont des Theaters wie wenige erschlossen hatten. Die Regiewundertiere Pina Bausch, Merce Cunningham, Jürgen Gosch und Peter Zadek verschwanden von der Bühne wie auch die Schauspielerin Hanne Hiob, Brechts kämpferische Tochter, und der Schauspieler Traugott Buhre. Ein anderer Tod stimmt uns zudem traurig: Der Autor Jochen Berg verstarb im Juni nur 61-jährig. Zu DDR-Zeiten war er zwar über viele Jahre als Hausautor am Deutschen Theater in Berlin beschäftigt, durfte im Osten jedoch nicht gespielt werden, was ihn für das Westtheater in Gestalt von Hansgünther Heyme oder Holk Freytag interessant machte. Er sollte die Wende nicht wirklich überstehen. Auch an ihn will unsere Septemberausgabe erinnern.

Mit einer ganzen Armada begab sich die Volksbühne auf der Freilichtbühne Agora am Rosa-Luxemburg-Platz auf die Spur des Tragischen. Ein Triumvirat erfahrener Regiehaudegen führte die Unternehmung an – Frank Castorf, Dimiter Gotscheff und Werner Schroeter. Doch bis auf den Letzten blieben sie lieber gleich im Hafen liegen, als sich dem Ungewissen auszusetzen, und bekamen die Tragödie erst gar nicht in Sicht, wie Gunnar Decker feststellen musste. War das Desaster unvermeidlich?, fragt sich Frank Raddatz und begibt sich anhand der Kartografierungen von Michel Foucault, Heiner Müller und Nietzsches „Geburt der Tragödie“ auf die Suche nach dem Kunstwerk der Zukunft. Zwar bietet die Tragödie keinen Trost, kann aber dem Einzelnen helfen, sein Leben zu skandalisieren. Wem das nicht reicht oder Angst macht, der kann sich an Jon Fosse, den Prediger skandinavischer Einfachheit und Einsamkeit, halten, der im Gespräch mit Dorte Lena Eilers von seinem Genius spricht. Etwas ragt ins Offene: „Es ist in jedem von uns, aber gleichzeitig auch sehr weit weg.“ Zur Gewissheit wird es vielleicht nur in unseren Träumen.

Einer, der sich wirklich was traut, ist Martin Wuttke, der ausgerechnet am Berliner Ensemble einen grandiosen Abend über Ernst Jünger „Das abenteuerliche Herz / Droge und Rausch“ inszeniert wie auch spielt. Mit dem „Psychonauten von Wilflingen“ nimmt er uns mit auf eine echte Odyssee und setzt einen Regenbogen an den Berliner Theaterhimmel, bevor er im ewigen Kampf gegen die Steuerschraube nach Wien entweicht. Einem ganz anderen Träumer widmet sich der Schauspieler und Autor Jörg-Michael Koerbl. Befragt von Sebastian Kirsch, spricht er über das seltsame Profil jenes Mannes, der in eigener Regie das Schicksal der Welt in einem Maße veränderte, wie es ansonsten wohl nur einer Handvoll hochdekorierter Feldherren gelang – Michail Gorbatschow. Ein Gespräch, das Mut macht, weil es Koerbl ernst ist.

Wir blicken gespannt auf eine Spielzeit, von der sich noch nicht prognostizieren lässt, ob sie mehr aufwirbelt als den Staub der Repräsentationsklamotte. So erwarten wir voller Ungeduld diejenigen, die den ersten Schritt über die Linie des Bekannten wagen, sich mit lebendigem Leib in die Maschinerie der Simulation stürzen und den Wahnsinn explodieren lassen.

Die Redaktion

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Theater der Zeit am 27.08.2009

Prekäre Verhältnisse

 

Wenn Theater der Zeit seine ästhetische Kompetenz auf die Vergabe von Noten und Rankings stellen würde, ginge der diesjährige Preis an Matthias Lilienthal. Der König der Offszene bezeugte unbestechliches Gespür, als er als Gegenprogramm zum Theatertreffen Elfriede Jelineks „Rechnitz (Der Würgeengel)", inszeniert von Jossi Wieler, ans Berliner HAU holte. Ein Stück, das der unendlichen Selbstbezüglichkeit vieler geadelter Inszenierungen - eine Ausnahme bildet Volker Löschs von den Berlinern gefeierte Vergegenwärtigung maratscher Revolutionsetüden - geradezu in die Fresse haut.

Heft 06/2009, lesen Sie weiter

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