Bücher einer Stadt

Katrin Schielke am 29.09.2014
Berlin stories - Ausschnitt © gebrueder beetz
Berlin stories - Ausschnitt © gebrueder beetz

Simone Dobmeier und Torsten Striegnitz sehen in ihrem beeindruckenden Film »Berlin Stories« die Stadt aus dem Blickwinkel der Literatur. Vom Alexanderplatz des Franz Biberkopf über Herrn Lehmanns Kreuzberg bis hin zu den heutigen gentrifizierten Stadtteilen.

Blicke auf Berlin

Vieles haben Schriftsteller über die Stadt Berlin und ihre Bewohner gesagt – "Berlin ist mehr ein Weltteil als eine Stadt", schrieb beispielsweise Jean-Paul Richter im 18. Jahrhundert. Goethe sagte, hier hätten die Leute Haare auf den Zähnen, und Karl Kraus zwei Jahrhunderte später, der Berliner habe „einen geschwollenen Hals. Das kommt vom vielen Silbenschlucken“. Aber der Kopf gehe bei solcher Tätigkeit leer aus… Berlin hat Schriftsteller zu bedeutenden Büchern inspiriert, allen voran Alfred Döblin zu seinem Roman „Berlin Alexanderplatz“ vom Anfang des 20. Jahrhunderts: Gewimmel, welch Gewimmel. Wie sich das bewegte.

Charakterstudie einer Stadt

Simone Dobmeier und Torsten Striegnitz sind den Büchern über Berlin auf beeindruckende Weise nachgegangen. Ihr Film ist keine chronologische Abfolge Berlin relevanter Bücher geworden, sondern eine Charakterstudie der Hauptstadt anhand der Geschichten, die in ihr geschrieben wurden und geschrieben werden. 

Selbstverständlich begegenen wir in Filmausschnitten Franz Biberkopf, Protagonist des Berliner Jahrhundertromans „Berlin Alexanderplatz“, Herrn Lehmann aus Sven Regeners gleichnamiger West-Berlin-Geschichte und Paul und Paula, dem ungleichen Ost-Berliner Pärchen aus Ulrich Plenzdorfs „Legende vom Glück ohne Ende“. Das Party-Berlin der Easy-Jet-Generation erzählen die Regisseure anhand des kürzlich erschienenen Romans „Bonjour Berlin" von Oscar Coop-Phane aus Frankreich: Ich mag Berlin; ich mag auch das Leben, das ich führe. Es liegt etwas Galaktisches in der Luft. (Bonjour Berlin)

Migration und Wandel

Weitere Einblicke in das Jetzt geben uns das Buch „Teil der Lösung“ von Ulrich Peltzer, das sich mit Gentrifizierung und Überwachung beschäftigt und „Berlin liegt im Osten" von Nellja Veremej. Aus dem Heute schlägt die deutsch-russische Schriftstellerin einen spannenden Bogen in die Zwanzigerjahre Alfred Döblins und beschreibt insbesondere das Thema Migration und Stadt.

Die Themen der Stadt

Die Bücher und ihre Hauptfiguren stehen im Mittelpunkt der Erzählung. Sie sind der rote Leitfaden, durch sie dringen wir zum literarischen Kern der Stadt vor. Die literarische Handlung wird dabei mit den realen Themen der Stadt verknüpft. In Interviews geben Berliner Autoren wie Ulrich Peltzer, Nellja Veremej und Annett Gröschner und der Feuilleton-Chef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Claudius Seidl, ihren Blick auf Buch und Stadt wieder. Der französische Publizist Alban Lefranc, die Literaturwissenschaftlerin Susanne Ledanff und die Historikerin Alexandra Richie gleichen diese Wahrnehmungen mit dem Blick aus dem nahen und fernen Ausland ab.
Die Auseinandersetzung mit Buch und Stadtraum arbeitet mit einer besonderen Ästhetik, die die Bücher, ihre Texte und Hauptfiguren ins Heute versetzt. Die Kamera hält das Geschehen oft an oder verlangsamt es, und verbindet so den Stadtraum mit den Szenarien, die darin stattfinden.

Premiere in Berlin

Der Film »Berlin Stories« wurde als ARTE-Filmpremiere während des internationalen literaturfestivals berlin am 18.09.2014 gezeigt. Anschließend fand eine kurze Diskussion mit Simone Dobmeier und Torsten Striegnitz statt. Die beiden wurden unter anderem nach den verblüffenden, teilweise gespenstisch wirkenden Zeitlupenbildern befragt, die der Film bietet. Diese wurden durch eine spezielle High-Speed-Kamera produziert, berichtete Torsten Striegnitz. Eine weitere Frage betraf die Auswahl der Bücher. Sie hätten nicht gleich gewusst, welche Bücher in Frage kämen, hätten mit vielen unterschiedlichen Menschen darüber gesprochen. Es gebe letztendlich nicht den Berlin-Roman, sie hätten nach Büchern gesucht, die mit ihrem Blick auf Berlin korrespondierten.

 

Weitere Informationen

Ausstrahlung auf ARTE am Mittwoch, den 26. November 2014 um 21.45 Uhr
D, ARTE/rbb, 2014, 52 Min., Regie: Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier

 


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