Dem Teufel auf der Spur

Katrin Schielke am 22.09.2014
Liza Cody (Ausschnitt) © Sarah Paretzky
Liza Cody (Ausschnitt) © Sarah Paretzky

"Lady Bag", Liza Codys Krimi um eine Obdachlose in London, die sich an die Fersen des „Teufels“ heftet, besticht durch seinen rasant-witzigen und nicht vollständig unsentimentalen Stil.

Authentisch

Der Roman wird in der Ich-Perspektive der Obdachlosen erzählt, deren Geschichte wir im Laufe des Romans immer besser verstehen werden. Dieser rotweingetränkte Blick auf die Story und die Stadt, in der sie geschieht, bringt manchmal völlig abdriftende, irre und manchmal sehr witzige Passagen hervor – etwa wenn  Rotweinpegel der Erzählerin allzu hoch ist und sie vom Teufel deliriert. Bei all dem merkt man als Leser: Dieser Frau ist die Intelligenz noch nicht vollständig abhanden gekommen: 

Zum einen war in diesem durchnässten Sommer bei allen die Kohle knapp, und niemand bleibt gern im Regen stehen, besonders, wenn sie sich selber pleite vorkommen. Zum anderen sehen die meisten Leute nicht ein, warum sie einer Erwachsenen, die immerhin noch aufrecht gehen kann, überhaupt was geben sollen – weshalb sich die meisten von uns auf den Boden setzen, so dass wir klein und verletzlich wirken. Man sollte nie größer sein als die Leute, die man um Geld bittet.

Eine sprechende Hündin und ein verkorkstes Leben

Sentimental wird die Erzählerin nur, wenn es um ihre Hündin, die Greyhound-Dame Elektra geht, treue Begleiterin und sogar Beraterin, denn Lady Bag hört die Stimme ihrer Hündin bei fortgeschrittenem Alkoholkonsum. Und diese Hündin hat eindeutig mehr Durchblick als ihr Frauchen, hätte dieser vielleicht auch davon abgeraten, ausgerechnet dem "Teufel" hinterherzulaufen. Denn dieser, ein Mann namens Gram, hat schon einmal große Risse in das Leben der Baglady gerissen. Als sie noch eine erfolgreiche Bankangestellte war, hatte dieser Mann, dessen Aufmerksamkeit sie um keinen Preis verlieren wollte, sie dazu überredet, einen von ihm begangenen Bankbetrug auf sich zu nehmen, weil sie als nicht vorbestraft sicherlich nicht viel riskieren würde. Anders als geplant verbrachte sie einige Jahre im Gefängnis, der Mann suchte sich eine Andere, verprasste ihr Geld, ihre Mutter starb an „Gram“ und sie selbst landete nach dem Gefängnis auf der Straße.

Dem Teufel auf der Spur

Im Roman sieht sie, wie dieser Mann nun erneut eine anscheinend reiche Frau umgarnt und will sie warnen, gerät dabei in einen Einbruch, wird verprügelt, Zeugin eines Mordes und dann fälschlicherweise für die andere Frau gehalten, man trägt ihr die teure Handtasche sogar ins Krankenhaus hinterher. Sie flieht aus dem Krankenhaus und macht sich mit ihrer Hündin Elektra und dem Transsexuellen „Schmister“, den sich Elektra in der Zwischenzeit als neues Herrchen ausgesucht hat, auf die Suche nach dem Mörder, der nur der Teufel sein kann.

Erzählstimme für eine namenlose Pennerin

In "Lady Bag" werden das Leben auf der Straße und die Überlebensstrategien milieugenau und sachlich beschrieben. Es gibt trotzdem düstere und traurige Momente, die jedoch nie ins Rührselige abdriften. Liza Cody, Londoner Schriftstellerin mit Gossenerfahrung, verleiht der namenlosen Pennerin eine Erzählstimme, der man durch die verregneten Straßen folgt, tief hinein in den Schlund von London. In manchen Momenten bricht inmitten der rasant erzählten Story der Spannungsbogen etwas ein, stagniert die Handlung, verweilt Cody zu lange in der Beschreibung der immer wieder wechselnden Wohnorte der Erzählerin, hätte man lieber die Handlung dichter an der Verfolgung des "Teufels" gehabt. Als Krimi fehlt es Lady Bag vielleicht im Ganzen etwas an Spannung, aber es bleibt eine eindringliche Geschichte mit vielen Einblicken in das Leben einer obdachlosen Frau und ihres Überlebenskampfes, eine literarisch ansprechende Sozialkritik voller witziger und teilweise wahnwitziger, scharfsinniger Dialoge.

Die Autorin

Liza Cody studierte Kunst und arbeitete unter anderem als Roadie, Fotografin, Malerin und Möbeltischlerin, bevor sie zum Schreiben kam. Ihre Kriminalromane um die Londoner Privatdetektivin Anna Lee wurden mit etlichen Preisen ausgezeichnet, in mehrere Sprachen übersetzt und fürs Fernsehen verfilmt. Liza Cody lebt in London.

Weitere Informationen

Liza Cody
Lady Bag
Ariadne Kriminalroman 1222
Deutsch von Laudan & Szelinski
320 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
17 Euro, ISBN 978-3-86754-222-7
 


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