Erfolgreich positioniert

Teresa Vena am 22.09.2014
Positions Berlin ©Teresa Vena
Positions Berlin ©Teresa Vena
Anke Eilergerhard, Layla, 2014, Silikon (Detail) Photo: Werner Gerhard
Anke Eilergerhard, Layla, 2014, Silikon (Detail) Photo: Werner Gerhard
Paul Vergier, L'espace du manque, 2013, Öl auf Leinwand, 175 x 200 cm (Detail) © Galerie Lorch und Seidel, Berlin
Paul Vergier, L'espace du manque, 2013, Öl auf Leinwand, 175 x 200 cm (Detail) © Galerie Lorch und Seidel, Berlin
Frank Maier, Picknick white, Acryl auf Nessel, lackierter Holzkasten, bemaltes Holz, Rahmenleisten, 54 x 51 x 7cm, 2013 © Ambacher Contemporary
Frank Maier, Picknick white, Acryl auf Nessel, lackierter Holzkasten, bemaltes Holz, Rahmenleisten, 54 x 51 x 7cm, 2013 © Ambacher Contemporary

Die Positions Berlin ist vom 18. bis 21. September zum ersten Mal als Bestandteil der Berlin Art Week an den Start gegangen. Neben der ABC ist sie die zweite Messe für zeitgenössische Kunst, die internationale Aussteller, Künstler und Sammler in die Stadt zu locken versucht.

Innerhalb der Dachveranstaltung Art Week, die vom Berliner Senat finanziert wird, bietet die Positions, je nach Auffassung, teilweise oder gänzlich ein Gegengewicht zur ABC. Die Aussteller der ABC sind im Wesentlichen die international tätigen großen Berliner Galerien, ergänzt durch prominente Namen der internationalen Galerienszene. Während die ABC traditionellerweise einen Schwerpunkt auf Konzeptkunst legt und durch die Ausrichtung auf internationale Künstlerpositionen inhaltlich einheitlicher wirkt – die Veranstalter sprechen von einer "kuratierten Verkaufsausstellung" –, bietet die Positions ein viel heterogeneres Bild. Dies hat einerseits den Nachteil der Unübersichtlichkeit, ermöglicht aber andererseits Entdeckungen jenseits der gängigen Strömungen. Insbesondere die figurative Malerei ist auf der Positions stärker vertreten, offenbar wird sie von den Veranstaltern höher geschätzt.

Veranstaltungsort der Positions ist das Kaufhaus Jandorf. Das Gebäude mit der Art Deco-Fassade steht in Berlin Mitte, Ecke Brunnenstraße/Veteranenstraße. Der Lichthof und die Steintreppe sind repräsentativ und stehen in charmantem Gegensatz zum restlichen ruinösen Innern. Der nüchterne Stand- und Möbelbau aus Pappe kontrastiert die abgeblätterten, verschmutzten Wänden.

Kunststandort Berlin

Die Positions Berlin ist aus der Preview Berlin Art Fair hervorgegangen, die dieses Jahr zehn Jahre alt geworden wäre. Kristian Jarmuschek, Galerist und einer der drei Direktoren der Preview, hat die Positions ins Leben gerufen, nachdem seine beiden ehemaligen Mitstreiter die Idee einer Messe aus markttechnischen Überlegungen nicht mehr aufrecht erhalten wollten. Im Gegensatz zu ihnen ist Jarmuschek weiterhin vom Potential Berlins als Messestandort überzeugt. Das Ergebnis scheint ihm Recht zu geben.

In Rekordzeit sind 52 Aussteller, Galerien und andere Institutionen wie eine Privatsammlung (Sammlung Haupt, Berlin), drei Kunsthochschulen (Offenbach, Kiel, Weimar) und eine Stiftung (Telefonseelsorge Berlin) zusammengekommen. Die Mehrzahl der Teilnehmer stammt aus Deutschland mit Schwerpunkt Berlin. Ähnlich verhält es sich bei den vertretenen Künstlern. Besucht man in Berlin regelmäßig Galerien, wird man von den Präsentationen auf der ABC nicht mehr überrascht. Anders ist es auf der Positions. Die Aussteller sind mittelgroße Galerien, die insbesondere auf dem nationalen Markt mit nationalen Künstlern arbeiten.

Höhepunkte der Messe

Zu den interessantesten Positionen, die auf der Messe zu finden waren, gehörten beispielsweise Frank Maier (*1966) und Daniel Schüßler (*1976), die von der Galerie Ambacher aus München vertreten werden. Frank Maier vertritt eine abstrakt-geometrische Maltradition, die an Werke des Bauhauses und insbesondere an Kandinsky oder Max Bill erinnern. Die Bilder haben etwas Akkurates wie technische Zeichnungen und sind durch ihre Farbgebung visuelle Ruhepole. Das Auge wandert von einem Objekt zum anderen, kann sich aber seinen Rhythmus selber wählen.

Die eher kleinformatigen Gemälde von Daniel Schüßler stehen in einem gewissen Gegensatz zu Maiers Arbeiten. Sie sind figurativ und zeigen meist urbane Ansichten, die mit phantastischen Elementen überhöht sind. Der dicke Pinselstrich und die eher unrealistischen Farben geben den Bildern eine romantische Qualität.

Steffen Junghans (*1963) ist Fotograf mit einem besonderen Gespür für Licht und Schatten. Seine Arbeiten spielen mit diesem Gegensatz und der wesentlichen technischen Grundqualität des Mediums. Auf der Positions hat er eine Arbeit bei der Maerzgalerie ausgestellt. Junghans hat die Ästhetik eines Negativs für ein "richtiges" Foto rekonstruiert, indem er beim Motiv alle hellen Flächen, wie Gesichter, Wände, Textilien, die in einem Negativ dunkel erscheinen würden, in der Realität schwarz einfärbt und dann fotografiert. Es handelt sich um eine spielerische Auseinandersetzung mit den Eigenschaften der Fotografie.

Unter den internationalen Galerien befanden sich Son Espace aus Spanien, balzer art projects aus der Schweiz, Frantic aus Japan, Maksla aus Lettland und Art Felicia aus dem Fürstentum Liechtenstein. Art Felicia ist eine kleine und junge Galerie, die von Felicitas Singer geführt wird. In Berlin arbeitet sie mit der hiesigen Künstlerin Anke Eilergerhard. Sie hat vor ein paar Jahren mit ihren Silikonskulpturen, die Sahnehäubchen und Tortenverzierungen nachahmen, den Kunstpreis des Bezirks Tempelhof-Schöneberg gewonnen. Seitdem sind ihre Werke von Art Felicia erfolgreich vermarktet worden. Auch in diesem Jahr gingen mehrere Arbeiten an internationale Sammler. Ein größeres Objekt erzielte einen Preis von 25 000 Euro und war somit eines der teureren Kunstwerke der Messe.

Als weiterer Höhepunkt kann ein Werk von Paul Vergier gelten. Vergier (*1976) ist in Frankreich geboren und dort ausgebildet. Seit einigen Jahren lebt er aber in Berlin. Vergiers Bilder stehen in einer bestimmten Tradtion der modernen Malerei: Im Gegensatz zu den beiden dominanten Grundströmungen, der Verfremdung der realistisch-abbildenden Malweise durch eine vergröberte Maltechnik einerseits und dem Übergang zur Abstraktion andererseits, wird hier an der altmeisterlichen Maltechnik festgehalten, die Modernität aber durch die Wahl der Motive erzielt. Die Forderung der vormodernen Kunsttheorie, das gemalte Bild habe ein symbolisch verdichtetes und pathetisch gesteigertes Bild der Wirklichkeit zu entwickeln, wird demonstrativ zurückgewiesen. Die Transzendierung der Lebensrealität, die Ziel jeder Kunsthandlung ist, kommt hier Motiven demonstrativer, teilweise schäbiger Alltäglichkeit zugute.

In seinem neuesten Zyklus großformatiger Gemälde wandte sich Vergier der Plastikplane als Thema zu. Aufgespannt als improvisiertes Treibhaus in Gärten, verwendet als Abdeckung bei Bauarbeiten oder als notdürftige Wand in Hütten von Obdachlosen, ist sie ebenso allgegenwärtig wie als scheinbar banale Alltagsrealität unbeachtet.

Die Galerie Lorch und Seidel aus Berlin zeigte auf der Positions ein eindrückliches Werk aus dieser Reihe. Eine wohl für Renovierungsarbeiten aufgespannte Plane nimmt den Hauptteil der Bildfläche ein. Am unteren Rand stapeln sich ungeordnet Baumaterialien, ein Farbkessel steht im Mittelpunkt der Komposition. Die Plane wirft komplizierte Falten. Wer sich die grundsätzliche Bedeutung der Gewandfalte in der älteren europäischen Malerei vor Augen hält, erkennt eine erstaunliche Parallele.

In einer Videolounge wurde eine Auswahl an Kunstvideos gezeigt, die im Vorfeld von der Messeleitung aus den Einsendungen der Galerien zusammengestellt wurde. Der Besucher bleibt hier etwas unbefriedigt, denn die Informationen zu den Videos sind teils wenig aufschlussreich, teils nicht vorhanden. Aufgefallen ist das kurze Werk von Francisco Rozas "Forzada", in dem er Tauben zu einer Art Choreografie zu zwingen scheint.

Start in eine neue Serie?

Auf der Positions konnte auch der junge und weniger zahlungskräftige Sammler einkaufen. Zu den preiswertesten Arbeiten gehörten Fotos bei der Galerie Pavlo's Dog, die ab 150 Euro das Stück zu erwerben waren. Insgesamt ging es vielen Galeristen, wie sie im Gespräch mitteilten, aber vor allem um Kontakte, die sie auf der Messe knüpfen wollten. So bestätigte Klaus-D. Brennecke von der Galerie Brennecke, dass er interessierte Menschen kennengelernt habe, die er in seiner Galerie in Charlottenburg nicht getroffen hätte. Deswegen habe sich die Teilnahme bereits gelohnt, auch wenn er mit den verkauften Arbeiten seine Kosten nicht ganz habe decken können.

Dies konnten auch die beiden Besitzerinnen von Maksla aus Riga bekräftigen. Sie seien immer sehr gerne in Berlin, das mittlerweile zu ihrer zweiten Heimat geworden sei. Schon bei der Vorgängermesse Preview Berlin hätten sie in den vergangenen Jahren gute Kontakte zu Sammlern knüpfen können, die bis heute andauerten. Maksla wünscht sich auf jeden Fall, dass die Positions weiter fortbesteht, denn die Galerie wolle weiterhin teilnehmen. Zu diesem Schluss kam auch der Galerist Rodion von der Frantic Gallery. Er vertritt japanische Künstler auf den Messen verschiedener Kontinente wie auf der Art Stage Singapore, der Off Brussels oder der Cutlog Paris. Rodion schätzt den Berliner Markt sehr für sein spezifisch interessiertes Fachpublikum.

Alles in allem ist der Messe ein guter Start gelungen. Verbessern könnte man das Programm in der nächsten Ausgabe mit zusätzlichen Galerien, vielleicht mehr Teilnehmern aus dem Ausland. Der Standort ist trotz einzelner logistischer Schwachstellen wie dem Fehlen eines Fahrstuhls gut geeignet. Sollte sich die Zahl der Teilnehmer vergrößern, könnte es allerdings zu Platzmangel kommen.

 

Weitere Informationen 

Positions

 


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