Museumswürdiger Alltag

Victoria Belikova am 07.11.2013
Mitgliedsbücher und Urkunden. Foto: Julia Nitsberg
Mitgliedsbücher und Urkunden. Foto: Julia Nitsberg
Weihnachtsbaumschmuck 1930-40. Foto: Julia Nitsberg
Weihnachtsbaumschmuck 1930-40. Foto: Julia Nitsberg
Militärabzeichnungen. Foto: Julia Nitsberg
Militärabzeichnungen. Foto: Julia Nitsberg
Geschirrtuch. Foto: Julia Nitsberg
Geschirrtuch. Foto: Julia Nitsberg
Spielzeug. Foto: Julia Nitsberg
Spielzeug. Foto: Julia Nitsberg

Bei ihrer Zwangsausreise aus der UdSSR 1980 versuchte Ella Opalnaja, soviel wie möglich mitzunehmen: Sachen, die sie an ihre persönliche Geschichte erinnerten. Ihr einstiges Gepäck sollte den Grundstock für eine exorbitante Sammlung sowjetischer Alltagskultur bilden.

 

Zu den engen Freunden Ella Opalnaja gehörten jene acht mutigen Menschen, die als einzige 1968 auf dem Roten Platz gegen den kurz zuvor erfolgten Einmarsch der sowjetischen Truppen in die Tschechoslowakei protestierten. Freundschaftlich verbunden war sie auch mit Geistlichen, die sich gegen den atheistischen Staat und die korrupte kirchliche Obrigkeit auflehnten, mit regimekritischen Intellektuellen und avantgardistischen Künstlern, deren Ablehnung der verordneten Kunst als staatsfeindlicher Akt galt. Wegen ihrer Nähe zu Dissidenten wurde die studierte Philologin und Theaterregisseurin ausgebürgert und musste das Land im Winter 1980 verlassen.

In jenen Jahren war die Emigration, erst recht eine vom Staat erzwungene, gleichbedeutend mit einem Abschied für immer. Beim Passieren der Grenzkontrolle war jedem Ausreisenden schmerzlich bewusst, dass man das Land und vor allem die Menschen, die man hier zurückließ, nie wieder sehen würde. Daher galt für Ella Opalnaja beim Packen, all die Sachen mitzunehmen, die ihr persönliches Leben festhielten, das in vertrauter Form nun unwiderruflich verloren ging.

Private Heimat in der Ferne

Über Wien kam sie nach Deutschland, zunächst nach Dortmund, später nach Düsseldorf, wo sie bis jetzt lebt. Hier in der Ferne rekonstruierte sie aus mitgebrachten Stücken die ihr vertraute Umgebung. Es ging ihr ja nicht um das Mobiliar oder Kissenbezüge, sondern einzig und allein um authentische Gegenstände, die in ihr Erinnerungen weckten.  Zufällige Flohmarktfunde oder Geschenke aus der Heimat trugen immer wieder zur Erweiterung dieser von Nostalgie geprägten Sammlung bei.

Als mit Gorbatschow auf einmal ein neuer Wind durch die Sowjetunion wehte und Regimekritiker nicht mehr als Staatsfeinde behandelt wurden, nutzte sie die erste Gelegenheit, um in ihrer Heimatstadt Moskau Freunde zu besuchen. Ella Opalnaja fand dort einen Staat vor, der im Begriff war, auseinanderzufallen und unter seinen Trümmern auch die gesamte materielle Alltagskultur der Vergangenheit zu begraben.

Museum des sowjetischen Lebens

Von diesem Moment an machte sich die Künstlerin auf die Suche nach Überresten der verschwindenden Epoche und baute nach und nach eine Sammlung sowjetischer Gegenstände auf, die in ihrer Fülle und Intensität in Europa einmalig sein dürfte. Die Fülle der Objekte – darunter Weihnachtsschmuck und Feldpost, Schulhefte und Pralinenschachteln, Pionieruniform und Wodkaflaschen, Kinderbücher und Fahrkarten, Straßenschilder und Taschenlampen – lässt sich kaum aufzählen und ist nur schwer zu katalogisieren.  

Am besten ließe sich Ellas Opalnaja Sammlung als „Museum des sowjetischen Lebens“ bezeichnen. Eigentlich müsste eine weitsichtige, vielleicht staatliche Institution diese Sammlung erwerben: Sie würde sich eine ganze Ära in all ihren spannenden Facetten ins Haus holen und etwas aufbewahren, wofür es im neuen Leben keinen Platz mehr gibt.


Weitere Informationen
Die Webseite von Ella Opalnaja beinhaltet nur einen Bruchteil ihrer einmaligen Sammlung, wird aber nach und nach aktualisiert.


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