Süßer Krieg

Susanne Gietl am 06.09.2014
Kata Legrady: Mine (multicolor), 2009, C-Print auf Alu-Dibond, unter Plexiglas, 180 x 180 cm, Privatbesitz © Käthe Kollwitz-Museum
Kata Legrady: Mine (multicolor), 2009, C-Print auf Alu-Dibond, unter Plexiglas, 180 x 180 cm, Privatbesitz © Käthe Kollwitz-Museum

An dem Denkmal ihres Sohnes Peter arbeitete Käthe Kollwitz 18 Jahre lang. Mit 18 Jahren starb er an der Front. Als er sich freiwillig meldete, ließ sie ihn zu Gunsten seines freien Willens ziehen. Viele Kinder dienten dem Vaterland bis in den Tod hinein. Kata Legrady visualisiert das falsche, süße Versprechen auf schmerzhafte Art.

Kriegerische Kindheitssymbole

In der Ausstellung „Mahnung und Verlockung – Die Kriegsbildwelten von Käthe Kollwitz und Kata Legrady“ im Käthe-Kollwitz-Museum Berlin kombiniert die Ungarin Kata Legrady Kriegswaffen mit Kindheitssymbolen. Sie beklebt Handgranaten, Pistolen und Minen mit vielen bunten Schokolinsen, entwirft ein hölzernes Schaukelpferd in Form einer Pistole und stellt Fotos von stark vergrößerten Patronen aus. Sie sind beklebt mit Sternen und Blumen aus Zucker. Der Titel „Stars and Stripes“ eines Fotos mit blauen, roten und weißen Sternchen spielt auf die Rolle der USA in zahlreichen Kriegen an. 

Spielen im Ernst

Kata Legrady stellt die Kriegsobjekte in einen anderen Kontext. Nur ein Bild zeigt ein farbiges Kind, das mit ernster Miene ein Gewehr mit festen, stolzem Griff hält. Den weißen Hintergrund schmücken bunte Schokolinsen. Das Kind macht aus dem Spiel ernst. Wie es Käthe Kollwitz' Sohn tat. „Nie wieder Krieg“ mahnte Kollwitz in einem Plakat zum Antikriegstag, ein Aufruf, der einige Schulklassen zu Kunst-Wettbewerben inspirierte. Jacqueline Holzenkamp aus der zehnten Klasse der Annie-Heuser-Schule kombinierte eine Fotocollage mit einem handgeschriebenen Gedicht:

„Und die Kinder lassen ihre Spielzeuge liegen. Tauschen sie gegen Gewehre. Ihre Kindheit ist vorbei. Können nichts dafür. Unschuldig verloren und sie schießen. Spielen im Ernst. Es sterben Seelen. Doch sie schießen. Zerfetzen Seelen entzwei.“

Verharmlosung und Mahnung

Nach Schuldigen sucht Kata Legrady nicht, sie zeigt die Verharmlosung von wirklicher Gewalt. Eine Gasmaske in „Mickey Mouse“ oder „Daisy“-Form, wie von Kata Legrady gab es wirklich. Nach dem Angriff auf Pearl Harbour entwarf Walt Disney Kindergasmasken, um Kindern die Angst zu nehmen. Inmitten dieser kunterbunten Waffenwelt hängen Käthe Kollwitz` Zeichnungen. Sie mahnen, dass Kata Legradys mit Fell beklebte Granaten „Jessica“ und „Claudia“ oder eine Bombe in Knallrosa im wirklichen Leben Menschen hätten umbringen können, und Leben nunmal kein Spiel ist. 

 

Weitere Informationen

Mahnung und Verlockung – 
Die Kriegsbildwelten von Käthe Kollwitz und Kata Legrady

Bis 9. November, tgl. 11–18/Di bis 21 Uhr

Ort:
Käthe-Kollwitz-Museum Berlin
Fasanenstraße 24
10719 Berlin

 


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