Auf der Suche nach Herausforderungen

Alina Pronina. Foto: privat

Das Klavierstudium am Glière-Konservatorium in ihrer Heimatstadt Kiew setzte Alina Pronina an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ (HfM) fort. Beiden Institutionen machte sie alle Ehre, indem sie schon als Studentin Preisträgerin bei mehreren internationalen Wettbewerben wurde. globe-M fragte die Pianistin über ihre Arbeit im Staatsballett Berlin und die ungewöhnliche Form, die sie für ihre kammermusikalische Tätigkeit wählte.

 

globe-M: Mit gerade mal 17 Jahren sind Sie nach Berlin aufgebrochen, um an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Klavier zu studieren. Was war der Grund für diese bestimmt nicht einfache Entscheidung?

Alina Pronina: Ich wollte nun mal an einer sehr guten Musikhochschule studieren. Die „Hanns Eisler“ hat einen hervorragenden Ruf weit über deutsche Grenzen hinaus. Wie weit der Ruf tatsächlich reicht, konnte ich dann an der Zahl ausländischer Studenten erkennen. Ich glaube, meine Kommilitonen kamen aus 30 oder 40 verschiedenen Ländern.

globe-M: Die HfM zählt in der Tat zu den führenden Musikhochschulen Europas, entsprechend streng sind dort die Aufnahmebedingungen. Hatten Sie keine Angst, bei der Aufnahme zu versagen?

Alina Pronina: Natürlich war ich aufgeregt, das ist doch normal. Aber auf der anderen Seite war mir klar, dass ich eine recht gute Ausbildung hinter mir hatte: Meinen ersten Klavierunterricht erhielt ich mit fünf Jahren, danach besuchte ich eine Musikschule und studierte schließlich drei Jahre lang an der Glière-Musikhochschule, die übrigens fast 150 Jahre alt und auch ganz ordentlich ist. Als Teenagerin hatte ich außerdem das Glück, bei einigen Wettbewerben Preise gewonnen zu haben – so etwas stärkt natürlich das Selbstbewusstsein. Hat ja auch ganz gut geklappt!

globe-M: Inzwischen haben Sie an der HfM nicht nur Ihr Diplom bekommen, sondern im Anschluss darauf auch ein zweijähriges Meisterstudium erfolgreich absolviert.

Alina Pronina: Das war 2008, ist schon ein Weilchen her. Das Aufbaustudium an der HfM war erfreulicherweise so beschaffen, dass es parallel zu meinem übrigen künstlerischen Tun verlief. Das hatte wiederum zur Folge, dass der Übergang vom Studium ins „richtige Leben“ fließend war. Mit dem Abschluss taten sich einerseits neue Perspektiven auf, andererseits ließen sich bereits begonnene Projekte gut fortsetzen. 

globe-M: Konnten Sie dank Ihrem Studium etwas Bestimmtes realisieren? 

Alina Pronina: Zu solch „unerwarteten“ Wendungen recht bald nach dem Konzertexamen zählt die Arbeit beim Staatsballett Berlin. Seit 2009 bin ich festes Ensemblemitglied und begleite am Klavier das Einstudieren neuer Stücke und diverse Proben. Ich hätte nie gedacht, dass das einen so herausfordert!

Dabei meine ich weniger die Musik, obwohl auch sie immer sehr anspruchsvoll ist und alle großen Komponisten aus praktisch jeder Epoche umfasst – aber den Umgang mit der klassischen Musikliteratur habe ich ja schließlich studiert. Das gänzlich Ungewohnte für mich war dagegen, das Klavierspiel in den Rhythmus choreographischer Abläufe und Bewegungen spezifisch einzufügen, das hat mir eine ganz neue Herangehensweise an die Musik abverlangt. Das kann zum Beispiel das Tempo und die Akzentuierung eines Musikstückes oder die Gestaltung der Übergänge betreffen, bei den Proben kommen noch unzählige Unterbrechungen und Wiederholungen hinzu, mit denen man in musikalischer Hinsicht klarkommen muss. Also ich finde das alles sehr spannend!

globe-M: Trotz dieser, wie Sie selbst zugeben, großen Herausforderung, bleibt da noch Zeit für andere Projekte?

Alina Pronina: Aber natürlich, das Leben wäre sonst zu eintönig. Die Möglichkeit, mich künstlerisch in der Kammermusik auszudrücken, ist für mich persönlich sehr wichtig. Noch während des Studiums an der HfM gründete ich zusammen mit zwei Studienkolleginnen das Klaviertrio Some Handsome Hands. Dieses Projekt ist sehr ungewöhnlich und macht uns Riesenspaß.

globe-M: Konzertpianisten trifft man sogar als Duo selten genug.

Alina Pronina: Eben! Wir hatten die Einsamkeit eines klassischen Konzertpianisten irgendwie satt.

globe-M: Gibt es denn überhaupt Musikliteratur, die für sechs Hände geschrieben ist?

Alina Pronina: Zu einem legen wir uns nicht besonders fest und arrangieren und interpretieren sowohl Klassik als auch immer wieder Unterhaltungsmusik. Außerdem wurden inzwischen viele Stücke speziell für Some Handsome Hands komponiert, etwa von Lidia Kalendareva, einer großartigen Musikerin und Komponistin. Das ist zeitgenössische Musik, die aber die Zuhörer, wie ich glaube, nicht überfordert.

globe-M: Drei preisgekrönte Pianistinnen an einem Klavier – das ist bestimmt sehr eindrucksvoll, um nicht zu sagen spektakulär.

Alina Pronina: Ich freue mich natürlich, dass wir beim Publikum gut ankommen, kann aber nicht ohne Stolz hinzufügen, dass unser sechshändiges Ensemble auch von der Fachwelt geschätzt wird: 2006 gewannen wir zum Beispiel den 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb für mehrhändiges Klavierspiel in Marktoberdorf. Und Anfang Juli spielen wir beim „Classic Open Air“ auf dem Gendarmenmarkt. Wir freuen uns sehr darauf.

globe-M: Auf Ihrem künstlerischen Weg haben Sie schon viel erreicht: Alleine in der jüngsten Zeit gewannen Sie den Steinway-Wettbewerb, wurden Stipendiatin von „Yehudi Menuhin Live Music Now“ und errangen den 1. Preis mit Ihrem Ensemble. Gab es auf diesem Weg etwas, was Sie hervorheben würden?

Alina Pronina: Als Musikerin des Staatsballetts spiele ich auch während der Aufführungen, natürlich nur dann, wenn die Partitur ein Klavier oder ein Cembalo vorsieht. Ich bin zum Beispiel bei „Ratmansky | Welch“ dabei, das vor kurzem in der Staatsoper Premiere hatte. Im ersten Teil wird dort zu Musik von Johann Sebastian Bach getanzt. Das bedeutet, dass ich mitten in einem großartigen Orchester – der Staatskapelle Berlin – sitze und spiele. Wenn das Staatsballett in der Deutschen Oper auftritt, spiele ich mit einem anderen großartigen Orchester zusammen. Und genau das bedeutet für mich ein absolutes Highlight.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Weitere Informationen
Alina Pronina beim Staatsballett Berlin 
Homepage des Klaviertrios Some Handsome Hands
Some Handsome Hands spielen „Russische Tänze“ von Lidia Kalendareva (Video-Konzertmitschnitt)

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