Berlin Transit

Jüdisches Museum Berlin, Rolf Handke  / pixelio.de

„Ich weiß nicht, warum all diese Leute in Berlin leben!“ Ilja Ehrenburgs Feststellung traf auf viele jüdische Migranten aus Osteuropa zu, deren Weg Anfang der 1920er Jahre über Berlin als Flucht- und Transitort führte.

Berlin – Drehscheibe zwischen Ost und West

Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem aber nach dem Ersten Weltkrieg, kamen Zehntausende aus den ehemaligen Gebieten des Russischen Reichs und der Habsburger Monarchie als Flüchtlinge nach Berlin. Sie suchten Zuflucht vor Kriegs-, Pogrom- und Revolutionsgewalt und ließen die Stadt für ein gutes Jahrzehnt zu einem der größten Zentren jüdischer Migration in Europa werden.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin folgt diesen Spuren mit einer Fülle von bisher auch unbekanntem Material wie den eindrucksvollen Aquarellen des Künstlers Issachar Beer Ryback (1897-1935) im ersten Raum. In dunklen Farben gehalten, thematisieren die Blätter die Pogrome in seiner Heimat Kiew, denen 1919 auch sein Vater zum Opfer fiel. Bewegend und bedrückend – die Arbeiten lassen keinen Zweifel aufkommen, dass Berlin nicht Sehnsuchts-, sondern Zufluchtsort war.

Das qualvolle Erleben der Verfolgten wird in den Ausstellungsraum transportiert, findet die Besucher. Besonders im Hauptraum verdichten sich die Exponate – Filmausschnitte, Fotografien und Schriftstücke. Ein überdimensionaler Bildschirm zeigt bewegte Menschen, kleinformatige Fototafeln halten Alltagssituationen fest. Es entstehen Wahrnehmungsräume, entworfen vom Berliner Büro chezweitz & partner. Einblicke in die Lebenswelten der Migranten, von denen die Mehrheit die Stadt mittellos und ohne Papiere erreichte. Einblicke in eine Existenz fern der Heimat. Oftmals ohne geregelten Aufenthaltsstatus, nur geduldet und geprägt von den Ereignissen, lebten viele Juden in Armutsquartieren wie dem „Scheunenviertel“ in der Nähe des Alexanderplatzes. Historische Fotografien, literarische und autobiografische Texte in den Originalsprachen Russisch, Jiddisch, Hebräisch und Deutsch dokumentieren das Leben in Berlin, die Versuche, anzukommen.

Raum und Kunst

Die russischen Flüchtlinge wohnten in verschiedenen Vierteln der Hauptstadt. In mehreren Sprachen zu Hause, vielfältig vernetzt und tätig gaben sie Berlin künstlerische Impulse, waren als Autoren, Übersetzter, Illustratoren, Verleger, bildende Künstler unterwegs. Rund um den Kurfürstendamm – im sogenannten „Charlottengrad“, siedelten eher wohlhabende Familien, wie der Ölunternehmer Chaim Kahan und sein Sohn, ein Buchhändler.

Viele der Migranten verließen die Stadt bereits in den 1920 Jahren wieder, meist in Richtung Palästina oder USA. Heute finden sich nur noch wenige Spuren und so werden die Besucher beim Verlassen der Ausstellung aufgefordert, sich mit historischen Fotokarten selbst auf die Suche zu begeben.

Ein umfassendes Rahmenprogramm, der im Wallstein Verlag Göttingen erschienene Katalog sowie der Besuch der Fotoausstellung von Michael Kerstgens „Russen Juden Deutsche“ zur Situation der osteuropäischen Juden nach 1992 im Hause, ergänzen die Ausstellung.

Weitere Informationen

Berlin Transit

Jüdische Migranten aus Osteuropa in den 1920er Jahren

Jüdisches Museum Berlin

Lindenstraße 9-14

10969 Berlin

Mo 10-22, Di-So 10-20

www.jmberlin.de

   

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25.Sep.2014Positionen zur Positions
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24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
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30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
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13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
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11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
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17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
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05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
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04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
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25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
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31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
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23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
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11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
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26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
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27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
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08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
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08.Mai.2013Der Malteser Schatz
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08.Mai.2013Produktion und Verwertung
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