Close Up! als Kontakt zur Bodenstation

Christian Mamoun Sarges © Susanne Gietl

Eigentlich studiert Christian Mamoun Sarges Kunst in Frankreich, auf der Berlinale aber ist er den Stars ganz nah. Bill Murray, George Clooney, Lea Sedoux und Uma Thurman hatte der Nachwuchsfotograph schon vor seiner Linse. Christian Mamoun Sarges ist einer der Teilnehmer des „Close Up!“-Wettbewerbs des renommierten Photographiemuseums „C/O Berlin“. Am Sonntag, 16. Februar wird der Sieger gekürt. Der Deutsch-Marrokaner über den Alltag eines Starfotographen und sein Wettbewerbskonzept.

globe-M: Was bedeutet die Berlinale für Dich?

Christian Mamoun Sarges: Es ist ein sehr schönes Festival mit einer sehr schönen, entspannten Atmosphäre. Dresscodes sind nicht so wahnsinnig wichtig, die persönliche Begegnung steht im Vordergrund. Es ist eine unglaublich fröhliche Atmosphäre. Man spürt, dass die Leute schon lange zum Festival kommen. Auch die Leute, die dort arbeiten, haben Spaß, manche machen ihren Job schon seit über 20 Jahren. Diese Liebe für dieses Festival liegt förmlich in der Luft und macht es einzigartig.

globe-M: Das heißt, Du hast Filmfestivalerfahrung?

Christian Mamoun Sarges:
Vor ein paar Monaten war ich auf dem 13. Internationalen Filmfestival in Marrakesch. Die Leute dort posen viel stärker. ich vermute, auch, weil es ein jüngeres Publikum ist. Und das merkt man. Auch weil es ein jüngeres Festival ist. Das ist manchmal ziemlich anstrengend. Und ein extremer Unterschied zu Berlin. Von der Attitude her passt die Berlinale sehr gut zu Berlin.

globe-M: Die Berlinale fördert nicht nur den filmischen Nachwuchs (Berlinale Talents), sondern auch Nachwuchsfotographen. Wie hast du vom „Close Up!“-Wettbewerb erfahren?

Christian Mamoun Sarges: Ich habe explizit nach Fotowettbewerben gegoogelt. Als ich in Berlin gelebt habe, war ich oft im „C/O-Berlin“. Klar habe ich mich dann beworben.

globe-M: Wie sieht der Alltag eines Fotografen auf der Berlinale aus?

Christian Mamoun Sarges: Extrem hektisch, es gibt spezielle Termine, Fotocalls vor Pressekonferenzen, der Lauf auf dem roten Teppich vor einer Filmvorführung. Allein am Berlinale Palast gibt es drei rote Teppiche pro Tag, dazu kommen diverse andere Schauspielhäuser. Man muss genau wählen, was man möchte, dann lange warten, bis die Stars auftauchen und zack, im richtigen Moment schießen.

globe-M: Der beste Schnappschuss?

Christian Mamoun Sarges: Léa Seydoux in der Lobby vom Hyatt-Hotel.

globe-M: Was bekommst Du von der Berlinale mit?

Christian Mamoun Sarges: Die Welt der Profifotographen. Unheimlich lehrreich, zu sehen, wie die Profijournalisten arbeiten. Ellenbogen sind wichtig. Schnelligkeit ist gefragt. Und Teamwork. Einer der Topleute hat vier Gigabite in fünf Minuten verschossen, der Kollege hat im Hintergrund die Auswahl getroffen und zehn Minuten später war es im Netz. Für mich ist Fotografie Kunst. Die beiden Pole zusammenzubringen, darüber muss ich jetzt nachdenken. „Close Up!“ war mein Kontakt zur Bodenstation.

globe-M: Gab's vorher eine Einführung vom C/O-Berlin über den Wettbewerb?

Christian Mamoun Sarges: Nein, wir haben unsere eigenen Kameras mitgebracht. „Close Up!“ will einen frischen Blick auf die Berlinale. Wir durften auch die letztjährigen Siegerfotos nicht sehen.

globe-M: … und dann solltet ihr ein Konzept entwickeln. Was ist Dein Konzept?

Christian Mamoun Sarges: Auf dem roten Teppich ist alles unglaublich normiert. Alle bewegen sich gleich, alle sind gleich angezogen, haben die gleichen Gesten, tragen so ziemlich die gleichen Sachen. Ich habe mich dann entschieden, die Räume zu fotographieren. Derselbe Raum ist nicht der gleiche. Erst ein unbeschriebenes Blatt, urplötzlich voller Spannung. Und dann wie der Kater nach einer durchzechten Nacht. Die Sieger ziehen weiter, die Verlierer bleiben...

globe-M: Was ist Dein Titelbild von der Serie?

Christian Mamoun Sarges:
Mein Titelbild habe ich auf der Eröffnungsgala gemacht. Das Bild: der Teleprompter eines Fernsehsenders. Auf ihm steht: „Herzlich Willkommen bei der Eröffnungsgala“. Ein Junge hält die Karte und hat einen Bildschirm auf dem Bauch. Der Aufnahmedirektor zählt langsam nach unten. Alle schauen mit stierem Blick in die Luft. Der Moment vor der Erweckung. Das passt gut als Einleitung zum Thema.

globe-M: Wie geht’s nach der Berlinale weiter?

Christian Mamoun Sarges:
Ich studiere weiter Kunst in Nantes. Kunststudium in Frankreich. Im Juni mache ich meinen Abschluss. Und danach? Werde ich sehen.
 

Weitere Informationen

Christian Mamoun Sarges ist einer der 13 Teilnehmer des „Close Up!“-Wettbewerbs, einer Berlinale-Kooperation des „C/O Berlin“. Ab 16. Februar bis 27. April 2014 präsentiert das C/O-Berlin die Bilder, Schirmherr ist Berlinale-Direktor Dieter Kosslick persönlich. Die Eröffnung findet am 16. Februar um 15 Uhr statt, dann wird der diesjährige Preisträger gekürt. Der Gewinner bekommt eine Kamera von Canon.

C/O Berlin
Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin

Fotos von Christian Mamoun Sarges auf globe-M, zu seinem Blog

Expertenstimmen Archiv

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29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
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11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
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06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
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22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
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05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
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30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
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16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
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21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
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12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
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11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
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12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
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01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
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07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
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13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
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24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
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04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
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08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

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