Courage heißt schon, als Künstler zu leben

Wolfgang Nick © Nick

Der aus Mainz stammende Künstler Wolfgang Nick lebt schon viele Jahre in Berlin-Neukölln. Warum er wegen einer verfehlten Bewerbung nicht offiziell an der diesjährigen Kunstaktion „48 Stunden Neukölln“ teilnehmen konnte, zu welcher „Horde“ er gehört und mit welcher Performance über die Wiener Prostituierte Josefine Mutzenbacher er jetzt gern durch Clubs tingeln möchte, darüber sprach er mit globe-M.

globe-M: Gerade hast Du inoffiziell teilgenommen an der Kunstaktion „48 Stunden Neukölln“ mit der Ausstellung „Hasenfüße“. Wie kam es zu diesem Titel?

Wolfgang Nick: Das war als lustiger Gegenpart zum diesjährigen Thema der 48 Stunden „Courage“ gedacht. Wir hatten einfach ein Anmeldeproblem. Voraussetzung für die Anmeldung war, dass man sich konkret mit dem Thema „Courage“ auseinandersetzt. Das wurde uns berichtet. Wir hatten das nicht gemacht, wir hatten nur unsere Bilder. Die wollten aber eine schriftliche Erklärung darüber, was für uns Courage ist. Für uns ist Courage natürlich schon, dass wir überhaupt das Leben als Künstler führen. Wir haben uns dann wirklich alle zwei, drei Stunden Gedanken gemacht, und dann eine Erklärung abgegeben, aber die wurde einfach nicht angenommen. Thema verpasst, verfehlt, ich weiß nicht, was die vom Bezirksamt gewollt hätten. Die haben uns jedenfalls per Mail gesagt, so geht das nicht. Wir haben aber dann doch ausgestellt, in der Art Garage, einer Off-Galerie in der Karl-Marx-Straße 206 in Neukölln, und Art Garage war offiziell angemeldet.

globe-M: Wieso haben die vom Bezirksamt die Teilnahme so eingeschränkt?

Wolfgang Nick: Dieses Jahr haben sie das zum ersten Mal gemacht, sie wollten wohl einfach die Anzahl der Künstler beschränken.

globe-M: Und wie war die Resonanz auf Eure Ausstellung?

Wolfgang Nick: Das Publikum kam tröpfelnd, aber es waren immer Leute da.

globe-M: Vor drei Jahren war das Thema „Luxus“, da hast Du ja auch auf eine spezielle Weise teilgenommen.

Wolfgang Nick: Ja, damals habe ich aus alten Tapeten ein Plakat gebastelt, das hab ich an leere Schaufenster geklebt, darauf stand „Aufgang 3 gönnt sich den Luxus, diesmal nicht teilzunehmen“.

globe-M: Was ist Aufgang 3?

Wolfgang Nick: Wir waren drei Künstler und wohnten alle in der Karl-Marx-Straße 206. Wir haben in den vorherigen Jahren auch den Aufgang unseres Hauses, das Treppenhaus im Rahmen von „48 Stunden“ bespielt. Aber Aufgang 3 gibt’s jetzt nicht mehr.

globe-M: Machst Du viele Projekte gemeinsam mit anderen Künstlern?

Wolfgang Nick: Ja, es ist auf jeden Fall interessanter, und dann ist es auch ganz pragmatisch: Eine Ausstellung zu inszenieren ist ja auch immer viel Arbeit. Seit vier Monaten gehöre ich auch zur „Horde“, das ist eine lockere Künstlervereinigung, eigentlich ein Projekt mit dem Ziel, eine Collage aus verschiedenen Künsten zu machen. Uwe Möllhusen hat das initiiert. Es gab eine öffentliche Performance dieses Jahr beim Gallery Weekend, im Kunsthaus Kule in der Auguststraße. Ich hab jetzt auch schon an einigen Performances der „Horde“ teilgenommen.

globe-M: Bei 48 Stunden hast Du dieses Jahr eine Performance präsentiert mit dem Namen „Josefine“.

Wolfgang Nick: Ja, Josefine Mutzenbacher war in den Zwanzigern eine Wiener Prostituierte und hat darüber geschrieben. Wir haben improvisiert, Sound-Aktionen gemacht. Meine Bilder waren auch ausgestellt, hatten aber mit der Performance selbst nichts zu tun.

globe-M: Hast Du Verbindungen zu kommerziellen Galerien?

Wolfgang Nick: Die alternative Szene und die Geldszene sind getrennt. In meinem Umfeld kenne ich niemanden, der davon leben kann.

globe-M: Was macht Dich aus als Künstler?

Wolfgang Nick: Ich mache automatistisches Malen, das heißt sich selbst organisierende Malerei. Das ist sehr experimentell, ich gehe da nicht mit einem Konzept ran, ähnlich wie im Action Painting, du lässt das Bild selbst entstehen. Ich male non-figurale Sachen, Landschaft. Letztendlich Ausdruck vom Prozess des Malens, Endergebnis ist dann das Bild. Gefühlsmäßig, aber auch verstandesmäßig gesteuert. Ich experimentiere im Moment viel, mit Performances, Skulptur. Die Möglichkeit andere Kunstformen zu schaffen, öffnet sich gerade. Vor etwa einem halben Jahr wurde mir bewusst, jetzt geht gerade nichts mehr als Maler. Da hab ich mir überlegt, was muss jetzt her? Die einzige Möglichkeit, das einzige Element, das hilft, ist einfach Bewegung und die auch in allen möglichen Formen. Da hab ich angefangen, einfach mal Landschaften abzumalen, aber nicht mit dem Willen, das muss jetzt genau aussehen, sondern einfach aus der Bewegung raus.

globe-M: Was hast Du dir erhofft in Berlin, als Du aus Mainz kamst?

Wolfgang Nick: Abenteuer. Ich wollte unbedingt in die Großstadt. Berlin war die einzige Möglichkeit. Ich bin in Mainz geboren, aber will nie mehr dorthin zurück. Berlin ist jetzt eine Weltstadt, gerade in letzter Zeit so international geworden, das möchte ich nicht mehr missen.

globe-M: Was sind Deine nächsten Projekte?

Wolfgang Nick: Mit meinem Partner Uwe Möllhusen wollen wir mit der Performance „Josefine“ gern in Clubs tingeln. Und ansonsten – ich male weiter.

globe-M: Wolfgang Nick, vielen Dank für das Gespräch.

 

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