Der richtige Ton

Andrey Guryanov. Foto: privat

Das Leben von Andrey Guryanov wird vom Klang bestimmt: Als gefragter Sound-Designer und Tonmeister pendelt er zwischen Moskau, Petersburg und Berlin, als Komponist elektronischer Musik gibt er seine Werke in den USA heraus. In einem Gespräch mit globe-M erzählt der 32-jährige über die Zusammenarbeit mit internationalen Film- und Theatermachern, gibt Einblick in seine künstlerischen Projekte und verrät nicht, warum sein neues Album als Audiokassette erscheint.

 

globe-M: Sie sind eben aus Bukarest zurückgekehrt. Was hat Sie in die rumänische Hauptstadt geführt?

Andrey Guryanov: Vor wenigen Tagen ist in Bukarest das Filmfestival „NexT“ zu Ende gegangen: Ein Film, bei dem ich für den Ton verantwortlich war, lief dort im internationalen Wettbewerb. Das Besondere an diesem Festival ist die Bedeutung, die dem Zusammenspiel von Bild und Sound beigemessen wird. Entsprechend werden nach Bukarest nicht nur Regisseure der ausgewählten Filme, sondern auch Sounddesigner eingeladen. Die Einladung war eine sehr angenehme Überraschung!  

globe-M: Das ist in der Tat bemerkenswert.

Andrey Guryanov: Nach der Vorführung wurde ich wie selbstverständlich mit auf die Bühne gerufen und den Fragen des Publikums ausgesetzt. Eine direkte Kommunikation mit den Zuschauern war ebenfalls eine ganz neue Erfahrung für mich. Das Festival „NexT“ fand ich überhaupt in vieler Hinsicht sehr interessant. Wahrscheinlich die größte Überraschung bereiteten mir die dort gezeigten Produktionen aus Rumänien.

globe-M: Inwiefern?

Andrey Guryanov: Sehr viele Filme, die im Rahmen des nationalen Wettbewerbs gezeigt wurden, waren hervorragend, zum Teil einfach überwältigend. Damit habe ich irgendwie nicht gerechnet und mich darüber sehr gefreut. Die internationale Ausrichtung des Festivals ist dennoch sehr schön, weil sich daraus sehr spannende Begegnungen mit Filmemachern aus allen Ecken der Welt ergeben haben.

globe-M: Internationalität scheint heute eine unabdingbare Voraussetzung für das europäische Kino zu sein.

Andrey Guryanov: Das kann ich nur bestätigen. Auch unser Film über einen Russischlehrer in einer kirgisischen Dorfschule ist eine internationale Koproduktion, an der gleich drei Länder – Kirgisistan, Russland und die Schweiz – beteiligt waren. Und zurzeit arbeite ich an einem Film, den eine polnische Regisseurin in Berlin fertigstellt.

globe-M: Heute ist ironischerweise die Frage angebracht, ob man auch Erfahrungen in einem rein "nationalen“ Team gemacht hat.

Andrey Guryanov: Die Frage würde ich glatt verneinen, wenn ich nicht auch am Theater arbeiten würde. Das Theater in Russland ist zum allergrößten Teil immer noch eine ganz und gar russische Angelegenheit. Damit meine ich nicht nur die nationale Zugehörigkeit der Theatermacher, sondern vor allem ihre starke Verbundenheit mit einer spezifischen russischen Tradition.

globe-M: Sind Sie für ein bestimmtes Theater tätig?

Andrey Guryanov: Sogar gleichzeitig für zwei: zum einen für das Moskauer Stanislawski-Theater, das mit der Berufung eines neuen künstlerischen Leiters im vergangenen Jahr gerade die Phase einer derart grundlegenden Umgestaltung erfährt, dass sogar das erarbeitete Repertoire komplett abgesetzt wurde.

Ganz besonders gern arbeite ich aber mit den Regisseuren des Alexandrinski Theaters in St. Petersburg. Man sucht hier stets nach neuen Wegen und bereichert klassische Ausdrucksmittel durch aktuelle Kunst und Multimedia, oft handelt es sich um Dokumentartheater. In solchen multidisziplinären Projekten spielt der Ton eine extrem wichtige Rolle. Für mich bedeutet das eine große künstlerische Herausforderung und eine noch größere Befriedigung, wenn sich alles harmonisch zusammenfügt.

globe-M: „Harmonisch“ ist das Stichwort, um sie nach Ihrem kompositorischen Werk zu fragen. Woran arbeiten Sie zurzeit?

Andrey Guryanov: Ich habe gerade ein Projekt abgeschlossen und freue mich sehr, dass ein von mir sehr geschätztes und echt kultiges Musiklabel in den USA es bald herausbringen wird. Mehr möchte ich im Moment nicht verraten, vielleicht nur soviel, dass der Haupttonträger dabei die gute alte Audiokassette sein wird.

globe-M: Da wünsche ich Ihnen, dass sich genug Menschen finden, die ein passendes Abspielgerät besitzen. Vielen Dank für das Gespräch.

 

Weitere Informationen
Andrey Guryanov (geb. 1982) verließ seine Heimatstadt Pensa, um an der Petersburger Universität der Theaterkünste zu studieren, die er 2005 im Fach Musikregisseur erfolgreich absolvierte. Seitdem arbeitet er als Tonmeister bei Film- und Theaterproduktionen.

NexT International Film Festival Bucharest 
Andrey Guryanov bei IMDb 
Alexandrinski Theater in St. Petersburg 

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