Die Farbe des Chansons

Mélinée © Pierre M.

Das Leben der französischen Sängerin Mélinée hat viele Farben. Das Rosa ihrer Heimatstadt Toulouse, das Grau Berlins, in dem sie heute lebt. Und dann noch dieses schattige Rot der Liebe. Ihre „Chansons melancomiques“ singt sie am 7. Februar in Berlin, zum ersten Mal auch in deutscher Übersetzung. Mit globe-M sprach sie über Straßenmusik mit der B.B.Band, eine Stadt, die sie beschützt und ihre neuen Themen nach der Liebe.

globe-M: Was hat Dich nach Berlin gebracht?

Mélinée: Oh, das ist eine lange Geschichte. Ich komme aus Toulouse und dort habe ich vor zehn Jahren einen Deutsch-Franzosen kennen gelernt. Wollte dann Deutsch lernen, habe im Goethe-Institut Theater gespielt. Vor sechs Jahren habe ich dann Berlin entdeckt und hatte gleich Lust hier zu leben. Aber zuerst war es nur ein Traum, ich traute mich nicht herzukommen.

globe-M: Was hat dann den Ausschlag gegeben?

Mélinée: Im Tacheles hab ich damals David und Olaf. meine musikalischen Begleiter kennen gelernt und wir haben zusammen die B.B.Band gegründet, die Berliner-Biker-Band. Haben 2010 viel im Tacheles und auf der Straße gespielt. In Toulouse habe ich ja auch schon viel Musik gemacht, und dann dachte ich: Was ich dort mache, kann ich auch hier machen.

globe-M: Was für eine musikalische Ausbildung hast du?

Mélinée:  Ich hab zehn Jahre Klavier gelernt, immer viel gesungen, in verschiedenen Chören. Hab mir dann selbst Akkordeon beigebracht, um mich zu begleiten und nach Melodien zu suchen.

globe-M: Wenn man Deine Lieder hört, wie zum Beispiel das über den Berliner Fernsehturm, und hört, wie fein du Berlin schon beschreibst, hat man den Eindruck, dass du die Stadt schon sehr gut kennst.

Mélinée: Ja, ich hab schon einiges kennen gelernt von Berlin. Ich unterrichte ja Französisch und bin schon viel rumgekommen. Gesungen hab ich auch ein bisschen überall. Damals im Sommer 2010 haben wir vor allem an der Warschauer Brücke und am Potsdamer Platz gesungen, und im Tacheles, im Studio 54. Bei der Warschauer Brücke haben uns dann die Punks verscheucht, die wollten ihren Platz für sich haben. Und mein Bassist David hat mir die Stadt auf dem Fahrrad gezeigt.

globe-M: Berlin for ever also?

Mélinée: Ja, ich will hier sterben! (lacht). Es fühlt sich so an, als wäre ich mit Berlin verheiratet, die Stadt fehlt mir, wenn ich weg bin, tut mir gut. Ist wie eine Schutzhülle für mich. Ich finde das Klima sehr freundlich und cool hier.

globe-M: Und deine Heimat, Toulouse, Frankreich, das fehlt Dir nicht?

Mélinée: Nein, gar nicht. Ich hatte dort das Gefühl, mich im Kreis zu drehen, hab mich gelangweilt, das ist wie auf dem Dorf dort. Ich wollte wirklich anders leben. . . Frankreich fehlt mir nicht.

globe-M: Aber wie ist es im „Exil“ in Deiner Muttersprache weiter zu schreiben. Verlierst Du nicht den Kontakt zu deiner Sprache?

Mélinée: Nein, im Gegenteil, ich hab das Gefühl, dass ich lieber viel näher ans Deutsche kommen möchte. Bin noch gar nicht tief genug eingetaucht. Ich unterrichte ja Französisch, singe auf Französisch. Und Berlin ist eine Kosmopole, hier leben ja auch viele Franzosen, da kann man auch nur in diesem Milieu bleiben. Ich wollte eigentlich meine französische Identität ein bisschen ablegen, aber das hat noch nicht geklappt. Ich fühle mich jedenfalls nicht genug wie eine Fremde hier, klar gibt es kulturelle Unterschiede, aber so stark sind die nicht.

globe-M:  Welche Themen besingst du?

Mélinée:  Na ja, die Liebe ist immer dabei, Enttäuschungen … Aber ich möchte jetzt auch über andere Themen singen, über Berlin hab ich einige Lieder geschrieben, eins über den Tango, über Schauspieler.

globe-M: Am 7. Februar gibst Du ein Konzert im corbo in Treptow. Was erwartet uns?

Mélinée: Wir spielen im Trio, Jonathan Bratoëff an der Gitarre und Samira Aly am Cello begleiten mich. Und zum ersten Mal werde ich ein Lied oder jedenfalls Ausschnitte meiner Lieder auf Deutsch singen oder vorlesen. Ich möchte, dass das Berliner Publikum meine Texte endlich verstehen kann.

globe-M: Mélinée, vielen Dank für das Gespräch

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