Ein scheinbar unmögliches Projekt

Christoph Schlingesief Bild: www.operndorf-afrika.com

Zeit seines Lebens war es der 2010 verstorbene Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief gewöhnt, Kritiker seiner scheinbar utopischen Ansichten und Ziele eines Besseren zu belehren. Mit „Knistern der Zeit – Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso“ schuf Sibylle Dahrendorf eine hautnahe und packende Dokumentation über dessen letztes visionäres Projekt.

Der Kampf für einen Traum

Der Dokumentarfilm „Knistern der Zeit“ von Sibylle Dahrendorf erzählt die Geschichte eines scheinbar unmöglichen Projekts – von der Suche nach dem richtigen Ort im Mai 2009 bis zur Schuleröffnung im Oktober 2011. Dabei wird Schlingensief hautnah mit der Kamera begleitet, um seine Vision und seinen Kampf für das Projekt erfahrbar zu machen. Das Operndorf in Burkina Faso als Raum, an dem Leben und Kunst zusammengehören. Und auch als Christoph Schlingensief an seiner Krebserkrankung verstirbt, lebt sein Traum weiter. Im Anschluss des Filmes findet ein Gespräch mit Sibylle Dahrendorf und Schlingensiefs Wegbegleiterin Aino Laberenz statt. 

Eine fruchtbare Zusammenarbeit

Sibylle Dahrendorf lernte Christoph Schlingensief 1998 kennen, in dem Jahr, in dem er die Partei CHANCE 2000 gründete. Sie begleitete ihn für eine Reportage und für Wahlspots und verfasste auch in der Zeit danach Berichte über Theaterarbeiten oder Aktionen des Künstlers. Für das Operndorfprojekt waren ihre Beiträge medial sehr wichtig und so entstand die Idee, das gesamte Projekt filmisch zu begleiten. Da auch Schlingensief ständig mit seiner eigenen Kamera unterwegs war, wurde in Verbindung mit seinen Clips ein besonders authentischer Blick auf Planung und Entstehung des Projekts möglich. Mit dem Tod des Künstlers war es lange schwierig, eine Antwort auf die Frage zu finden, wie der Film enden sollte. Nun zeigen die Schlussbilder Kinder, die sich selber filmen. Diese Sequenzen greifen damit einen neuen, zukunftsweisenden Perspektivenwechsel auf.

Zentrale Projektidee

Seit Januar 2010 entsteht in der Nähe von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, das 14 Hektar große „Operndorf Afrika“ mit Film- und Musikklassen, Werkstätten und Lager, Wohn- und Gästehäusern, Kantine, Büros, Café, Siedlungen, Fußballplatz, Agrarflächen, Restaurant, Krankenstation, einer Theaterbühne mit einem Festsaal und Proberäumen. Es wird gemeinsam mit den dort lebenden Menschen entwickelt und soll ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend „wie ein Schneckenhaus von innen nach außen wachsen“. Dabei werden die Möglichkeiten vor Ort voll ausgenutzt und eine nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen gewährleistet.

Das Operndorf nimmt erste Gestalt an

Ganz im Sinne des zentralen Projektanliegens, wonach das Operndorf zunehmend in die Autonomie der Menschen vor Ort übergehen soll, wurde auch die Unterrichtsgestaltung in der inzwischen eröffneten Schule abgestimmt, wonach künstlerische Ausdrucksformen für die Entwicklung einer eigenen Identität von Kindern unerlässlich sind. So wurde für die Eröffnungsfeier zusammen mit verschiedenen Künstlern und Kindern aus umliegenden Dörfern ein künstlerisches Programm erarbeitet und auf diesem Weg eine intensive Anbindung der Bevölkerung an das Operndorf hergestellt.

Aktionskünstler, Moderator und Regisseur

Der 1960 in Oberhausen geborene Christoph Schlingensief machte sich in Deutschland vor allem als Regisseur von Oper, Theater und Film, so wie als Talkmaster, Aktionskünstler und Autor einen Namen. Nach dem Abschluss seines Abiturs begann er in München mit einem Studium in Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik. Bereits mit 24 Jahren entstand sein erster Langfilm. 1993 wurde seine erste Inszenierung an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz uraufgeführt. Für seine aktionistischen Projekte erlangte Schlingensief auch internationale Aufmerksamkeit. Von 1997 bis 2003 wirkte er außerdem als Fernsehmoderator in diversen Talkshows mit medienkritischem Inhalt. Schlingensief wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt und nahm Lehraufträge im Bereich der Freien Kunst als Professor an verschiedenen Universitäten wahr. Zuletzt setzte er sich 2010 für einen deutschen Pavillon bei der Biennale 2011 in Venedig ein, starb jedoch zuvor an seiner Krebserkrankung in Berlin.

Weitere Informationen

Knistern der Zeit - Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso Münchner Kammerspiele – Spielhalle

Falckenbergstraße 1, 80539 München

Tel.: 089 / 23396600

E-Mail: info@muenchner-kammerspiele.de

Bild: www.operndorf-afrika.com

 

 

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