Ein Traum fürs Leben

Damir Bačikin. Foto © Aun Photography.
Expertenstimme bezieht sich auf: 

Auch während sich Damir Bačikin an der Akademie der Künste Novi Sads und an der Berliner Hochschule für Musik Hans Eisler das klassische Repertoire aneignete, ließ ihn seine Leidenschaft für Jazz und Improvisation nicht los. Inzwischen spielt er Trompete in renommierten Klassik-Ensembles und mit seiner achtköpfigen Jazzformation Damir Out Loud. globe-M wollte von ihm erfahren, wie sich das vereinbaren  lässt.




globe-M: Das Eröffnungsstück Ihres Albums  „Graduation day“, dessen Produktion Sie vor wenigen Tagen abgeschlossen haben, heißt „Face Full Of Hair“. Eine Anspielung auf Ihr Gesicht?

Damir Bačikin: Das ist schwer zu übersehen (lacht). Ich kann meiner Haare nie Herr werden, man kann förmlich zuschauen, wie mein Bart wächst.

globe-M: Gleich der erste Track ist also sehr persönlich…  

Damir Bačikin: …wie eigentlich alle Kompositionen auf diesem Album. 

globe-M: Beim Hören dieses Stücks musste ich an die legendäre Jazzband der Siebziger, „Weather Report“ denken. Obwohl es vordergründig nicht unbedingt damit etwas zu tun hat, kam es mir vor wie eine zarte Reminiszenz.  

Damir Bačikin: Interessant, dass Sie das sagen. „Weather Report“ gehörte unbedingt zu den Bands, die mich einst stark beeindruckt haben. Überhaupt hat mich die Ausdruckskraft US-amerikanischer Jazzgrößen schon sehr früh beeinflusst – sowohl die expressive von Charles Mingus oder Miles Davis, als auch die befreiende, spirituelle von John Coltranes oder Sun Ra. Aber auch andere amerikanische und europäische Künstler wie etwa Wynton Marsalis, Tony Williams, Louis Armstrong, Freddie Hubbard, Herbie Hancock, Till Brönner, Dusko Gojkovic und einige mehr beeinflussten meinen musikalischen Ausdruck und meine Spieltechnik. 

globe-M: Sie wurden 1980 in einer kleinen Stadt in der serbischen Provinz Vojvodina geboren. Ihre gesamte Teenagerzeit – vom 11. bis zum 19. Lebensjahr – war von den Balkankriegen begleitet. Alleine der Gedanke daran ist bedrückend. Fanden Sie Trost in der Jazzmusik?  

Damir Bačikin: Es war vielmehr das Gefühl, dass ich Gleichgesinnte fand. Musik von Miles Davis, Charles Mingus und anderen Jazzmusikern der siebziger Jahre drückt viel Wut aus. Bei ihnen erkannte ich meine eigene Frustration. Man kann schon sagen, dass sie mich nicht nur musikalisch, sondern auch in meinem politischen Denken beeinflussten.   

globe-M: Weder bei ihren Auftritten, noch in ihrem Album setzen Sie auf Balkanfolklore. Immer wieder sind Motive aus dem Balkan-Folk zu hören, aber nie werden sie zum tragenden Element Ihrer Kompositionen. Woran liegt das? 

Damir Bačikin: Furchtbare Leute, unakzeptable kriminelle Typen haben sich der Folklore in Serbien bemächtigt. Politik und Kultur meiner Heimat war vom platten Nationalismus durchdrungen und von ethnischen Vorurteilen geprägt. Alles, was nicht Folk war, wurde von niemanden ‑ weder von einer Institution, noch von der Öffentlichkeit  unterstützt. Erst in der Ferne habe ich die Klangästhetik der Balkanmusik schätzen gelernt.  

globe-M: Es ist auffällig, dass Sie die Balkanmotive nie „auskosten“. Sie werden in Ihren Kompositionen in eine Musik eingeflochten, die man fast als ihr Gegenteil bezeichnen könnte: ruhig, traurig, komplex – geradezu wie bei Gustav Mahler. 

Damir Bačikin: Nun, da kommt meine Persönlichkeit zum Tragen... Auf jeden Fall möchte ich Klischees vermeiden. Daher ist auch der Einzug serbischer Musik in meine Kompositionen nicht so offensichtlich. So übernimmt zum Beispiel der Kontrabass den rhythmischen Part der Tuba in einem "Balkan Brass", also einer Blaskapelle, die in Serbien ausgesprochen populär ist. Und gleichzeitig ertönen Horn und Posaune elegant wie in einer Mahlersymphonie. 

globe-M: Ihre Ausbildung zum Musiker fand auf dem klassischen Weg statt: Sie absolvierten erfolgreich das Studium mit dem Hauptinstrument Trompete an der Akademie der Künste in Novi Sad und an der Hochschule für Musik Hans Eisler. Auch spielen Sie in einer Reihe renommierter Kollektive wie etwa im Kammerensemble Neue Musik Berlin. Wie lassen sich die beiden doch sehr unterschiedlichen Genres in Ihrem Leben vereinbaren? 

Damir Bačikin: Mein Studium war in der Tat sehr akademisch und das Leben führte mich mit Ensembles zusammen, die sich der klassischen Musik verpflichteten. Das finde auch sehr schön und bereichernd. Das heißt aber nicht, dass ich meine  Liebe zu Jazz je in Frage gestellt habe. Es ist ein Teil von mir, als Komponist und Musiker kann ich mich vor allem durch Jazz ausdrücken. Mit „Graduation day“ habe ich meinen Traum von einer eigenen Jazzplatte erfüllt, den ich seit zwanzig Jahren hatte.  

globe-M: Starke Worte für einen 32-Jährigen. Wie geht es mit dem Album weiter? 

Damir Bačikin: Ich plane ein Release im April oder Mai. Die Gestaltung des Covers geschieht übrigens in meiner Alma Mater, in der Akademie der Künste Novi Sads. Wie genau er aussehen wird, soll in einem Studentenwettbewerb ermittelt werden.  

globe-M: Diesen Traum haben Sie nun verwirklicht, was steht bei Ihnen noch an? 

Damir Bačikin: Musikalische Ideen entwickeln sich. Es ist immer ein Prozess, der Zeit und Energie kostet. Man wächst da einfach mit. Musik zu machen und sie dem Publikum – am liebsten bei Jazzfestivals – zu präsentieren, wäre ein Traum, der lebenslang hält.  

globe-M: Wir wünschen Ihnen, dass auch er in Erfüllung geht. Vielen Dank für das Gespräch! 

 

Weitere Informationen:

Homepage der Jazzband Damir Out Loud 
Damir Out Loud: Profil bei globe-M 
Besprechung des Albums   „Graduation day“

 

 

 

 



 

Folge globe-M auf Twitter




Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

Warning: Duplicate entry '58254862' for key 'PRIMARY' query: INSERT INTO globem_watchdog (uid, type, message, severity, link, location, referer, hostname, timestamp) VALUES (0, 'php', '<em>Duplicate entry &amp;#039;15519857&amp;#039; for key &amp;#039;PRIMARY&amp;#039;\nquery: INSERT INTO globem_accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values(&amp;#039; Ein Traum fürs Leben&amp;#039;, &amp;#039;node/4526&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;54.162.107.122&amp;#039;, 0, &amp;#039;f167e25d048422fdce8d843797bf0e8b&amp;#039;, 756, 1506164951)</em> in <em>/kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc</em> in Zeile <em>174</em>.', 2, '', 'http://alt.globe-m.de/de/experts/ein-traum-fuers-leben', '', '54.162.107.122', 1506164951) in /kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc on line 174