Erst Marathon, dann Freakshow

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Joey Kelly, Mitte der Neunzigerjahre Mitglied der Folkband „The Kelly Family“, sprintet von einem Extrem zum nächsten. Er durchquert Wüsten, Urwälder und das ewige Eis. Ehrgeizige Ziele verfolgen auch ein Vater und sein körperlich behinderter Sohn in dem Sportdrama „Mit ganzer Kraft – Hürden gibt es nur im Kopf“, das Kelly als Filmpate unterstützt. Sie trainieren für den Ironman-Triathlon. Kelly spricht darüber, was ihn zu Höchstleistungen anspornt und warum seine Zeit in der Kelly Family eine Schule für's Leben war.

globe-M: Du bist Filmpate von „Mit ganzer Kraft ‑ Hürden gibt es nur im Kopf“.  Können wir alles erreichen, wenn wir nur wollen? 

Joey Kelly: Ich glaube, viele Hürden sind im Kopf. Klar gibt es Grenzen. Ich glaube nicht, dass wir in die Erde tauchen oder ohne Hilfsmittel fliegen können, aber wir können unsere Grenzen viel weiter setzen, als wir denken.

globe-M: Das Ziel des 17-jährigen Julien und seines Vaters Paul ist fast unmöglich. Sie starten unter einer Startnummer im Ironman-Triathlon, obwohl Julien im Rollstuhl sitzt. Worin besteht Deiner Meinung nach die Motivation, ein solch ehrgeiziges Ziel zu erreichen?

Joey Kelly: Erstens ist ein Marathonlauf und Ironman-Triathlon nicht so schwer, wie man denkt. Es ist für jeden, der gesund ist, machbar. Und die Motivation in dem Film ist, dass der Sohn den Vater durch den Sport zurückgewinnt. In den USA gibt es einen Ex-Offizier, der das real macht. Wenn man diese Bilder sieht, dann bekommt man auch Gänsehaut, weil das einfach Fakt ist. Er ist mittlerweile gute 70 Jahre alt. Er und sein behinderter Sohn bestritten schon viele Wettkämpfe.

globe-M: Nach wie vor kämpfst  Du – sportlich gesehen –  viel. Du durchquerst die Wüste, das Eis, Du bist quer durch Deutschland ohne Geld und ohne Essen gepilgert. Da braucht es schon einen großen Kampfgeist. Sind diese Extremsituationen eine Steigerung von dem, was Du in frühen Jahren durch die Kelly Family gelernt hast? 

Joey Kelly: Nein, aber Parallelen gibt es schon. Bei der Kelly Family war es auch extrem. Es war eine toughe Zeit, aber es war auch total super und total schräg. Wir waren von uns selbst sehr stark überzeugt und verfolgten mit eigener Kraft unser Ziel. Das zahlte sich durch den unvorstellbaren Erfolg aus. Dann war es nach sieben, acht Jahren vorbei. 

globe-M: Du warst einer von elf Folkbandmitgliedern. Was hast Du persönlich aus der Zeit mitgenommen?

Joey Kelly: Viel. Mein Vater war ein sehr dominanter, aber auch mutiger Mensch. Ich kam mit ihm oft nicht klar, aber ich bin dankbar, dass ich einen Vater hatte, der auch für seine Kinder sein Leben gegeben hat. Durch die Großfamilie habe ich gelernt, was Teamwork bedeutet, wie man seine Ziele verfolgt und wie man kämpft. Uns hat keiner etwas geschenkt. Wir haben 18 Jahre lang auf der Straße gespielt. Mitte der Neunzigerjahre kam der große Erfolg. Für mich war es Glück, das Familienunternehmen zu führen. Einfach war es aber nicht. Man musste schon kämpfen, um seine Stellung zu halten. 

globe-M: Und warum hast Du die musikalische Laufbahn nicht weiter verfolgt? 

Joey Kelly: Ich habe schon mit der Gruppe alles erreicht, was man in der Musik erreichen kann. Außerdem habe ich keine Lust, Menschen gefallen zu müssen. Wir als Kelly Family hatten dieses Problem nicht, weil wir nicht kommerziell waren. Wir waren gar kein Produkt, sondern rein aus eigener Kraft authentisch, eine komplette Freakshow. Die meisten Musiker verstellen sich, weil sie auf ihr Einkommen angewiesen sind. Sie verbiegen sich für irgendwelche Plattenfirmen, Manager, Produzenten, sind radiokompartibel und sexy. Ich brauche das nicht. Ich will einfach etwas machen, auf das ich mich verlassen kann, etwas mit Fakten und Zahlen und unternehmerisch arbeiten mit Sport, Abenteuer und Reisen. Ich habe im Grunde meine Leidenschaft zur Berufung gemacht. 

globe-M: Du lebst für den Sport. Kennst Du überhaupt das Problem des inneren Schweinehunds? 

Joey Kelly: Ich bin früher, als wir Musik gemacht haben, morgens Marathon oder sogar Iron Man gelaufen, führte die Firma und am Abend hatte ich dann Konzert. Zwischen den Touren bin ich durch die Wüsten gelaufen. Klar war ich nach dem Konzert total erschöpft, aber der Ausgleich, den mir der Sport gibt, ist phänomenal. Wenn man das gerne tut, was man tut, dann ist man auch bereit, sich zu quälen. Das Harte am Marathon ist nicht der Marathon selbst, sondern die Vorbereitungszeit. 

globe-M: Gibt es bei Dir einen zentralen Gedanken, der Dich immer wieder antreibt?

Joey Kelly: Bei mir ist es die pure Leidenschaft. Ich muss keinem etwas beweisen. Das Meiste, was ich mache, bekommt keiner mit. Ob ich jetzt Anfang des Jahres im Urwald in Asien abgesetzt wurde oder acht Wochen später in der Atacama-Wüste 250 Kilometer lief oder dazwischen zwei Aufbaumarathons hatte. Bis gestern radelte ich den Nordseeküsten-Radweg von Belgien bis nach Norwegen. Viele sagen, dass meine Webseite nicht so aktuell ist, aber ich platziere darauf nur die Sachen, die ich für wichtig halte. Es ist nicht wichtig, was ich mache. Es ist nur für mich wichtig. 

globe-M: Denkst Du, jeder sollte mal an einem Marathon teilgenommen haben?

Joey Kelly: Ich bin der Meinung, jeder gesunde Mann sollte einen Marathon laufen. Eine Frau muss es eigentlich keinem beweisen, wenn sie Mutter ist oder Mutter wird, aber für die Jungs: Yeah! Es kann nicht schaden. Wenn ich körperlich in der Lage bin, einen Halbmarathon zu laufen, dann bin ich körperlich fit. Ich bin gesund und ausgeglichen. Ich habe mehr körperliche Kraft und bin mental stärker. Wir wissen alle, dass Fitness auch Erfolg in jeder anderen Form mit sich bringt: privat, beruflich, einfach überall.  

 

Weitere Informationen

Joey Kelly, früher Mitglied der Kelly Family, nimmt jährlich an zahlreichen Ultramarathons teil. So gehen bereits über zehn Wüstenläufe und 13 Ironman-Triathlons auf sein Ausdauersportkonto. Kelly hält unter dem Titel „No Limits“ Vorträge zu Motivation, Disziplin und Zielsetzung.

2010 folgte Kelly den Spuren des Survival-Experten Rüdiger Nehberg und legte ohne  Geld und ohne Proviant 900 Kilometer zu Fuß von Wilhemshaven bis zur 2962 Meter hohen Zugspitze zurück. 2011 hielt er seine Erlebnisse in dem Buch „Hysterie des Körpers: Der Lauf meines Lebens“ fest. 

Er ist Filmpate des Sportdramas „Mit ganzer Kraft - Hürden gibt es nur im Kopf“, das seit 4. September 2014 im Kino läuft. 

 

 

   

 

 

Expertenstimmen Archiv

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25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
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