„Es war filmmäßig“

Nadine Wrietz Foto: Steffen Roth

Vor zwei Jahren gewann Nadine Wrietz beim Selfmade Shorties-Wettbewerb des Münchner Filmfests den ersten Preis. Seitdem hat die 38-jährige Schauspielerin viel Aufmerksamkeit erhalten. globe-M sprach mit der gebürtigen Berlinerin über den Wettbewerb, ihre zukünftigen Projekte und wie sich ihre Haltung zu dem Beruf verändert hat.

globe-M: Sie haben dieses Jahr sehr viel gedreht.

Nadine Wrietz: Ja, stimmt, aber einiges waren auch kleinere Rollen. Natürlich habe ich immer jedes Drehbuch ganz gelesen, um Hinweise über meine Figur zu bekommen, das heißt, ich habe dieses Jahr sehr viele Drehbücher gelesen. Ich versuche dadurch, auch der Geschichte näher zu kommen und zu verstehen, was gewünscht ist, um notfalls auch mit einem Regisseur zurecht zu kommen, der vielleicht nicht so viel Zeit hat oder gestresst ist.

globe-M: Und denken Sie sich dann manchmal auch, „Warum besetzt ihr immer die gleichen Nasen“, ich will auch mal eine Hauptrolle spielen?

Nadine Wrietz: Das sind zwei verschiedene Sachen. Natürlich finde ich, dass ich bereit bin, auch mal größere Rollen zu spielen, aber ich bin auch unheimlich glücklich, dass ich meine Durststrecke überwunden habe. Vor dem Shorty-Wettbewerb habe ich zwei Jahre lang sehr wenig gearbeitet.

globe-M: Sie haben 2011 den ersten Platz bei den Selfmade Shorties-Wettbewerb während des Münchner Filmfests gewonnen. Wie kamen Sie dazu und wie hat das ihre Arbeit verändert?

Nadine Wrietz: Ich habe lange eine Kinderserie gedreht und als die aufhörte, kam plötzlich nichts mehr. Serie drehen ist toll, aber wenn die aufhört, dann ist das echt schlimm, da fängt man erst mal wieder von vorne an. Nachdem die Serie vorüber war, musste ich mir erstmal „normale“ Jobs suchen, das war der Horror. Ich dachte zuerst „cool, jetzt lerne ich mal das echte Leben kennen“, ich habe ja seit der Kindheit gedreht und kannte nichts anderes. Damit kam ich aber gar nicht klar. Ich habe einen nicht so schönen Job in einer Teefabrik gemacht. Es war eine anstrengende, körperliche Arbeit und plötzlich dachte ich „wenn ich nicht aufpasse, dann bleibe ich die nächsten zehn Jahre hier“. Ich habe dort drei bis viermal die Woche gearbeitet und war davon schon so müde.

Viele sagen, dass Schauspieler ein zweites Standbein brauchen, um finanziell nicht so unter Druck zu stehen, aber für mich hat das irgendwie gar nicht funktioniert, ich konnte mich um gar nichts mehr kümmern. Dann kam der Aufruf zu dem Shorty-Wettbewerb, ich hatte kein Material und kein Mensch kannte mich mehr. Da dachte ich mir, ich muss da mitmachen! Da standen auch die Namen der Jury-Mitglieder, unter anderem „Emrah Ertem“ (Caster für Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer, Anm. d. Red.) Bei dem hatte ich schon seit Jahren versucht, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Ich dachte einfach „Mann, Emrah, du musst mich kennen lernen! Ich habe so Bock auf die Projekte, die du besetzt!“ Also, hab ich da mitgemacht, der Wettbewerb garantierte mir, dass alle Jury-Mitglieder sich die Videos ansehen, auch Emrah Ertem. Also habe ich mein Bestes gegeben und schließlich den Wettbewerb gewonnen.

globe-M: Und was hat sich danach konkret verändert?

Nadine Wrietz: Erstens habe ich bei der Verleihung viele Caster kennengelernt und gemerkt, wie wichtig es ist, zu wissen, welche Projekte gerade besetzt werden. Früher dachte ich, dass man mich schon finden würde. Von der Haltung bin ich mittlerweile voll weggekommen, dafür habe ich zu viele gute Schauspieler kennengelernt. Ich habe nach dem Wettbewerb sehr viele Kontakte geknüpft und wurde neu wahrgenommen. Ich habe dann auch eine Agentur gefunden und fühle mich bei denen sehr wohl. Sie schaffen es, taff zu verhandeln und gleichzeitig ihren Schauspielern das Gefühl zu geben, jeder einzelne sei ihr Liebling. So etwas ist wichtig für die Kommunikation mit dem Schauspieler und für die Kommunikation nach Außen. Das war ein Grund, warum ich mich für sie entschieden habe.

globe-M: Haben Sie dann auch mit Emrah Ertem sprechen können?

Nadine Wrietz: Naja, zunächst nicht, während der Preisverleihung in München war er nicht anwesend. Aber irgendjemand hat mir dort gesteckt, dass Ertem total begeistert war. Das hatte mir schon gereicht. Die Tage danach riefen diverse Caster an und schließlich rief mich tatsächlich Emrah Ertem selbst an. Da war ich mal, ganz kurz, extrem euphorisch. Es war filmmäßig. Ich hatte mir das so fest vorgenommen und dann ging es wirklich in Erfüllung! Er hat mir gratuliert und seit diesem Anruf hat er mich tatsächlich auch ein paar Mal besetzt.

globe-M: Sie haben nun gerade eine Rolle in dem neuen Kino-Film von Marco Kreuzpaintner „Coming In“ übernommen. Von was handelt der Film und wie kamen Sie zu diesem Projekt?

Nadine Wrietz: Der Film handelt von einem schwulen Mann, der sich plötzlich in eine Frau verliebt. Er ist aber völlig schwul sozialisiert. Seine Schwulen-Community kann gar nicht damit umgehen, dass er sich plötzlich in eine Frau verliebt. Damit spielt der Film. Als ich die Geschichte zum ersten Mal las, habe ich mich gefragt, wie glaubwürdig das wohl ist. Aber dann dachte ich, dass es das bestimmt so schon gegeben hat. Außerdem spielt der Film auf eine ganz besondere Weise mit den Vorurteilen, die wir Menschen so haben, egal ob schwul, lesbisch oder hetero. Es spielen viele Stars mit, wie August Zirner, Kostja Ullmann, Katja Riemann, Aylin Tezel, die übrigens fantastisch war. Ich spiele eine kleine, aber sehr präsente, niedliche Rolle.

globe-M: Wie ist es mit Marco Kreuzpaintner zu arbeiten?

Nadine Wrietz: Toll! Dem hatte ich übrigens vor zwei Jahren einen Fanbrief geschrieben und ihn gebeten meinen Shorty anzusehen. Und zwei Jahre später arbeite ich mit ihm. Er hat sich das Video angesehen, mein Brief hat ihn erreicht und es war eine coole Begegnung mit ihm. Ich glaub, wenn man jemandem ganz authentisch schreibt, ohne Berechnung, dann kann so etwas schon klappen. Die Casterin Franziska Aigner hatte mich dann auch zufällig kennengelernt und so hat’s eben zwei Jahr später auch mit einer Besetzung geklappt.

globe-M: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Nadine Wrietz: Tja, Serie. Darüber gibt’s für mich gar nichts. Mein Traum wäre eine richtig gutgemachte deutsche Serie wie Doctor's Diary, Berlin Berlin oder Türkisch für Anfänger. Da würde ich zu gerne eine Haupt-, aber natürlich notfalls auch gerne eine Nebenrolle spielen.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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Website Nadine Writz

Agentur Schwanenberg: Nadine Wrietz

 

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