„Fresse halten, Bass spielen“

Torsten Scholz © Foto: Hadley Hudson

Seit dreizehn Jahren ist der Berliner Torsten Scholz Bassist bei den Beatsteaks, einer Band, die wie kaum eine andere für ihre Live-Shows bekannt ist. Am 7. Juni ist der Release von „Muffensausen“, einer Live-CD und DVD mit Mitschnitten aus ihren besten Shows. Als Zugabe gibt es „Fresse halten, Bass spielen“: Im Mittelpunkt der Doku-DVD steht Scholz. globe-M sprach mit ihm über die neue Produktion, Live-Konzerte und sein Engagement für „Junge Helden“.

globe-M: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die DVD „Muffensausen“ mit der Doku „Fresse halten, Bass spielen“ zu kombinieren?

Torsten Scholz: Wir wurden die letzten zwei Jahre immer wieder von Beat TV gefilmt. Mittlerweile sind die Jungs gute Freunde von uns. Ich habe dabei immer wieder meine Fresse in die Kamera gehalten. Die anderen drei waren froh, dass sie nicht im Fokus standen. So ist dann die Doku entstanden, bei der man natürlich auch die anderen Jungs sieht. Das ist das letzte Mal, dass wir als Band eine DVD machen.

globe-M: Warum?

Torsten Scholz: Ja, das sagen wir nach jeder DVD. So ein DVD-Release ist wirtschaftlich einfach zum Scheitern verurteilt. Das ist ein Liebhaber-Ding.

globe-M: Der CD-Verkauf ist generell eingebrochen. Müssen Künstler nicht vollkommen neue Wege finden, um ihren Fans Geld aus der Tasche zu locken?

Torsten Scholz: Strategisch gesehen ist diese DVD-Produktion saudoof. Einfach hohl. Es hat uns 150 000 Euro gekostet und das bekommen wir nie wieder rein. Nachdem unser Drummer Thomas Götz letztes Jahr einen Unfall hatte, wollten wir etwas machen, dass so fett wie möglich ist. Da denkt man nicht über wirtschaftliche Interessen nach, sondern über Relevanz und Inhalt. Wir haben zehn Konzerte gefilmt und nur die besten in die Auswahl genommen, das ist einfach eine andere Nummer. Wir haben für Schnitt, Farbkorrektur etc. eineinhalb Jahre gebraucht. Wir wollten es so fett machen, und plötzlich hat Geld keine Rolle mehr gespielt. Es gibt von keiner anderen Band eine DVD, die so umfangreiches Material zeigt wie unsere. Das war es uns wert, auch wenn wir danach den Gürtel etwas enger schnallen müssen.

globe-M: Haben sich durch die Veränderung der Musikindustrie die Live-Konzerte für euch verändert?

Torsten Scholz: Nee. Die Konzerte sind größer geworden, aber nur, weil Leute ihren Freunden von den Shows erzählen. Der CD-Verkauf war für uns nie relevant, wir haben nie viele Platten verkauft. Sie dienten immer nur als Promo für unsere Shows. Wir haben nicht angefangen, Musik zu spielen, um CDs zu verkaufen, sondern um Konzerte zu spielen. Anfangs haben wir uns schon gefreut, wenn wir mit Bier und Gulasch bezahlt wurden. Als die CD-Industrie eingebrochen ist, hat uns das nichts ausgemacht. Im Gegenteil, unser Anliegen war immer, dass die CDs ein Gefühl unserer Konzerte wiedergeben. Einige Pop-Künstler versuchen, die Mischung der CD live hinzukriegen. Aber das klappt oft nicht.

globe-M: Was ist das Besondere dieser DVD?

Torsten Scholz: Das Spannende ist, dass wir nicht nur ein Konzert gefilmt haben, sondern verschiedene. Da sind Konzerte mit 20 000 Besuchern drauf und dann welche mit 300. Es gibt eine große Spanne, die neu ist. Zudem sind Videos von Beat-TV drauf, die noch nicht veröffentlicht wurden. Und bei „Fresse halten, Bass spielen“ werde nicht nur ich gezeigt, sondern die ganze Band charakterisiert, wir haben noch nie so aufgemacht. Das ist auch interessant für Leute, die uns lange kennen, weil man uns nochmal ganz anders sieht.

globe-M: Wie fühlt man sich, wenn eine Doku über einen selbst gedreht wird?

Torsten Scholz: Ich hab das immer so betrachtet, dass die Kamera alles sieht. Ich dachte, dass da irgendwas Geiles dabei rumkommt und wusste, die anderen haben keinen Bock, ständig gefilmt zu werden. Also habe ich gesagt, ich mach’s. Beim Schneiden ging ich mir dann unfassbar auf den Sack. Ich dachte mir ständig: „Wer will den Idioten sehen?“. Ich bin ja kein Schauspieler, die sind es ja gewöhnt, und die sehen auch gut aus. Wenn er aufgeführt wird, will ich auf keinen Fall dabei sein. Ich will doch nicht nochmal meine Fresse sehen.

globe-M: Wann kriegst Du "Muffensausen"

Torsten Scholz: Immer wenn ich nicht Herr der Lage bin.

globe-M: Du engagierst Dich für den Verein „Junge Helden“, der sich für Organspende einsetzt. Warum?

Torsten Scholz: Wir spenden oft unsere Einnahmen für den Verein, das machen wir zum Beispiel auch bei der DVD-Release Party. Als ich gefragt wurde bei „Junge Helden“ mitzumachen, wusste ich nicht, dass man ein Statement zur Organspende abgeben muss. Ich fand das so krass, dass man ohne Ausweis nicht seine Organe spenden kann! Der Verein ist einfach so angenehm unprätentiös. Es können auch Leute auf unsere Veranstaltungen kommen, Promis fotografieren und am Ende des Abends „Nein“ auf dem Organspendeausweis ankreuzen. Ich finde, man muss nur eine Meinung dazu haben. Wie bei vielen Themen, muss man sich positionieren. Aufklärung ist auch in diesem Fall das Allerwichtigste.

 

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