Himmel und Wasser

Ed Anishenkov. Foto: Valerij Zubakov
Expertenstimme bezieht sich auf: 

In der Mitte des Lebens angekommen, weiß Ed Anishenkov ganz genau um Werte, die für ihn am wichtigsten sind: mit sich im Reinen zu sein, sich künstlerisch auszudrücken und ein Zuhause im weiteren Sinne des Wortes zu haben. Anlässlich seiner Einzelausstellung sprach globe-M mit dem litauischen Autodidakten über die Macht der Kunst, die Wahl der Motive und fragte, warum man auf seinen Gemälden biblische Gestalten wiederzuerkennen glaubt.

globe-M: Auf Ihrem Gemälde "Heilige Familie" sieht der Josef Salvador Dali zum Verwechseln ähnlich, Ihre "Salome" ließ mich sofort an die Sängerin Cher denken. Auch der Christus auf dem Gemälde "Quo vadis?" kommt mir sehr bekannt vor.

Ed Anishenkov:
Ihm diente der deutsche Schauspieler Jürgen Prochnow als Modell.

globe-M:
Jetzt verstehe ich, Jürgen Prochnow mit Bart ist nun wirklich nicht leicht zu identifizieren. Wieso ausgerechnet Prochnow?

Ed Anishenkov: 2004 schaute ich mir den Film "Das Boot" an und wusste auf einmal "das ist er!" Warum? Das weiß ich nicht. Aber der Impuls war da und er wurde umgesetzt. Für die Rolle von Pilatus auf dem gleichen Gemälde habe ich übrigens ziemlich lange "gecastet", bis ich mich für den Magier und "verdienten Künstler der Russischen Sowjetrepublik" Wolf Messing entschied, über dessen hellseherische Fähigkeiten zahlreiche Legenden kursieren.

globe-M: Warum möchten Sie reale Personen überhaupt als Vorlage für ganz und gar mythische Gestalten nehmen?

Ed Anishenkov: Solch schamlose Ausnutzung bekannter und weniger bekannter, aber auf jeden Fall realer Personen hat in der Tat einen Grund: Ich bin der Meinung, dass alle biblischen Geschichten sich auf eine oder andere Art und Weise in unserem Leben manifestieren: Verrat, Selbstlosigkeit, Grausamkeit, Opferbereitschaft oder Überheblichkeit – biblische Beispiele von Höhen und Tiefen der menschlichen Natur haben direkt mit uns zu tun. Wir werden alle als Unschuldslämmer geboren und wissen nicht, welcher Weg uns bevorsteht. Und dann entwickelt sich jeder von uns zu Herodes, Salome, Pilatus, David oder Hiob auf dem Misthaufen. So ist diese Welt nun mal beschaffen.

globe-M: Wieso nehmen diese biblischen Motive so viel Platz in ihrer Kunst ein?

Ed Anishenkov: Eine ganz klare Antwort kann ich darauf nicht geben. Auf jeden Fall ist dieses Buch der Grundstein der gesamten europäischen Kultur. Ganz unabhängig davon, ob dieses Thema einen gesellschaftlichen Widerhall findet, bin ich sehr froh, mich damit auseinanderzusetzen. Vor langer Zeit wurde ich davon verzaubert und dieser Zauber bleibt immer noch bestehen.

globe-M: Anscheinend wurden Sie von einem anderen Motiv, um nicht zu sagen einem anderen Element, im höchsten Maße verzaubert. Es gibt viele Wellen, viel Meer und generell viel Wasser in Ihren Bildern. Zahlreiche Arbeiten stellen eine fantasievolle Unterwasserwelt dar, die von riesigen farbigen Fischen bewohnt wird.

Ed Anishenkov: Die Serie "Waterworld" begann 2006. Der Anlass dazu war die Auftragsarbeit eines Tauchers. Und, wie es so schön heißt, es packte mich und ließ mich nicht mehr los. Inzwischen gibt es etwa zwölf Arbeiten zu diesem Thema. Dazu muss ich noch sagen, dass die Aquaristik zu meinen lebenslangen Lieblingsbeschäftigungen zählt. Ein Aquarium ist eine ganze Welt für sich, und du bist der Herrscher darüber. Nur von dir hängt es ab, ob diese Welt gedeiht und deine Augen erfreut oder ob sie verödet und verkommt.

globe-M: "Lebenslang" heißt wahrscheinlich seit der Kindheit. Haben Sie das Bedürfnis, sich künstlerisch auszudrücken, auch schon als Kind verspürt?

Ed Anishenkov: Das kam, glaube ich, doch nach dem Aquarium. Mein erstes Ölbild malte ich mit Fünfzehn. Meine Familie lebte damals in der tiefsten südrussischen Provinz, und es ist mir immer noch ein Rätsel, wie ich in dieser Walachei echte Ölfarben bekommen habe. Seitdem habe ich mich immer mit der Malerei beschäftigt. Seit den 1990er Jahren ist Kunst zu meiner Hauptbeschäftigung geworden, der Rest ist Nebensache. Aber davor… Als Jugendlicher war ich nie in irgendwelchen Zeichenschulen oder Kunstzirkeln, sondern war immer eher sportlich engagiert. Das mit der Kunst hat etwas Schicksalhaftes an sich.

globe-M: Die Macht der Kunst ist nicht zu unterschätzen.

Ed Anishenkov: Da werde ich Ihnen eine alte, aber wahre Geschichte erzählen. 1995 rief man mich aus dem Russischen Kulturzentrum an: "Eduard, hier ist ein Deutscher, der dein Bild nicht aus der Hand lässt, aber er möchte unbedingt den Künstler persönlich kennenlernen." Es stellte sich heraus, dass dieser Mann am Tag seiner Abreise durch die Altstadt von Vilnius spazierte und dabei zufällig die Galerie entdeckte. Dieser zufällige Passant war von den Bildern sehr beeindruckt und kaufte gleich zwei davon. Ein Jahr später kam er zusammen mit Frau und zwei Kindern mit einem Wohnmobil nach Litauen und besuchte mich. Seine Frau erzählte uns. dass ihr Heiner nie etwas für Kunst übrig hatte, sie hat ihn weder interessiert, noch irgendwie berührt. Das änderte sich schlagartig, als er meine Bilder gesehen hat. Heiner kaufte schließlich sechs davon. So schnell kann es manchmal gehen.

globe-M: Wir wollen wünschen, dass auch die aktuelle Ausstellung jemanden die Augen öffnet. Vielen Dank für das Gespräch. 

Weitere Informationen

Ausstellungsbericht
Künstlerprofil von Ed Anishenkov bei globe-M

Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

Warning: Duplicate entry '58254862' for key 'PRIMARY' query: INSERT INTO globem_watchdog (uid, type, message, severity, link, location, referer, hostname, timestamp) VALUES (0, 'php', '<em>Duplicate entry &amp;#039;15519857&amp;#039; for key &amp;#039;PRIMARY&amp;#039;\nquery: INSERT INTO globem_accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values(&amp;#039;Himmel und Wasser&amp;#039;, &amp;#039;node/4888&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;54.162.107.122&amp;#039;, 0, &amp;#039;8e9cb3db9888d06892f6bb28ffa87909&amp;#039;, 790, 1506164163)</em> in <em>/kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc</em> in Zeile <em>174</em>.', 2, '', 'http://alt.globe-m.de/de/experts/himmel-und-wasser', '', '54.162.107.122', 1506164163) in /kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc on line 174