„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“

© Zorro Film Verleih

Gratulation! Heute feiert Gentleman alias Tilmann Otto seinen Vierzigsten, morgen startet der Reggae-Musiker seine Europatour in Hamburg und „Journey to Jah“ flimmert seit 31 Tagen über die Kinoleinwand. Es könnte nicht besser laufen in der Karriere des Ausnahmekünstlers. Ein Gespräch mit globe-M über Eminem, Jugendsünden und Spiritualität.

globe-M: Tilmann, Du sprichst gerne von Spirit, was genau ist der Spirit?

Tilmann Otto: Ich spreche nicht immer von Spirit, ich werde halt immer angesprochen. Was ist Spirit? Spirit ist notwendig, um Musik zu machen und ohne Spirit wären wir innerlich alle tot. Spiritualität wird gerne überbewertet. Es ist etwas extrem Alltägliches. Wir sind alle aus Spirit gemacht, aber was das ist, das muss jeder selbst herausfinden.

globe-M: Begleitet Dich diese Sinnsuche ständig?

Tilmann Otto: Ich kann auch gerne mal läpsch (Anm. d. Red.: albern, kindisch) sein und mal Small Talk führen, aber ich mag das, wenn man mit Menschen Gemeinsamkeiten findet, obwohl die Kulturen vielleicht verschieden sind. Das ist auch das, was die Musik auch immer wieder beweist. Dass es eben eine universelle Sprache gibt.

globe-M: Was für eine Rolle spielt Glaube in Deinem Privatleben?

Tilmann Otto: Das ist eine schwierige Frage, nach der ich noch suche. Es wird immer mehr zum Wissen. Ich merke immer öfter, dass es etwas gibt, das viel größer ist als wir.

globe-M: Du bist auch Vater. Bis vor ein paar Jahren hast Du gekifft, mit Sechzehn die Schule geschmissen und bist als Kind mal einfach so von zu Hause abgehauen. Nicht gerade vorbildhaft. Fällt Dir das manchmal auf die Füße?

Tilmann Otto: Ach, ich sehe mich nicht so in der Vorbildfunktion. Natürlich habe ich eine Verantwortung. Auch gerade, was die Person in der Öffentlichkeit, was Texte und Kraft von Musik angeht. Nämlich, dass Musik immer verändern und auch beeinflussen kann, aber ich bin ein Mensch und ich mache Fehler und muss die auch machen. Ich sehe mich nicht als Vorbild, sondern als Suchender. Deswegen ist das für mich auch kein Dilemma. Ich stehe auch dazu. Ich habe nie heimlich gekifft oder so. Ich habe nie ein Hehl darum gemacht. Ich finde es auch wichtig, dass wir offen über alles reden. Auch zu Hause.

globe-M: Worin besteht der Unterschied zwischen Gentleman und Tilmann Otto?

Tilmann Otto: Ich trenne das gar nicht so, ich spiele keine Rolle. Ich bin jetzt nicht wie Eminem, der in verschiedene Charaktere schlüpft, was ihm auch eine große Freiheit gibt – auch gerade, was das Songwriting angeht. Für mich spiegeln alle meine Texte meine persönlichen Gedanken, Gefühle wider.

globe-M: Du bist Sohn eines Pfarrers, Dein Vater lässt sich von Deinen Bühnentexten inspirieren. Fühlst Du Dich als Prediger auf der Bühne?

Tilmann Otto: Oh Gott, nee. Eher als Suchender. Man kann auch eine Suche predigen, aber ich bin noch längst nicht angekommen.

 

Weitere Informationen

Dieses Gespräch entstand im Rahmen des Interviews zu „Journey to Jah“, zur Rezension von „Journey to Jah“. Weitere Infos zu Tourdates von Gentleman.

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