Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen

Fernando Trueba ©Teresa Vena

In seinem neuen Film „Das Mädchen und der Künstler“ widmet sich der spanische Filmemacher Fernando Trueba der Beziehung zwischen Künstler und Muse. Im Rahmen seines Kurzaufenthalts in Berlin war nochmals sein 1998 entstandener Film „Das Mädchen deiner Träume“ im Kino Babylon zu sehen. Trueba gab außerdem eine „Master Class“ an der Filmhochschule Babelsberg. Mit globe-M sprach er über seine Inspirationen, über Film heute und seine Träume.

globe-M: In Ihrem letzten Film „Das Mädchen und der Künstler" geht es um die Beziehung eines alternden Malers zu einem jungen Mädchen, das ihm Modell steht. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Film?
 
Fernando Trueba: Die Idee zu diesem Film kam mir durch zwei verschiedene Dinge. Einerseits ist da die Beziehung des in Deutschland sehr geschätzten französischen Bildhauers Aristide Maillol zu seinem Modell Dina Vierny. Die Geschichte der beiden während der deutschen Besetzung Frankreichs hat mich schon immer fasziniert. Andererseits hat mich seit meiner Kindheit die Beziehung des Künstlers zu seinem Modell fasziniert. Picasso hat sie immer wieder aufgegriffen; er widmete dem Thema „Künstler und Muse“ in seinen späten Jahren sehr viel Aufmerksamkeit. Vor allem kommt in seinem Werk immer wieder ein Bild vor, das des alternden Mannes. Ich habe mir immer vorgestellt, dass dies seine Form war, dem Tod den Kampf anzusagen, eine Hymne an das Leben. Das sieht man besonders in den Bildern aus Picassos letzter Schaffensphase. Sie bejahen das Leben, und ich würde sogar sagen, sie haben etwas Rohes an sich. Bis zu einem gewissen Punkt erscheinen sie sogar barbarisch. Sie haben etwas an sich, das mit allem bricht, was vorher da war. Sie sind auch eine Hymne an die Sexualität und die Sinnlichkeit. Das ist für mich immer ein Rätsel gewesen – weil wir hier den alten Picasso vor uns haben, der im Süden Frankreichs eigentlich ruhig hätte leben können, der weltweit Erfolg hatte, sein ganzes Leben lang. Er war einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Aber jedes Mal, wenn er sich hinsetzte, um zu malen, wurde er erneut zum Dichter.

globe-M: Stimmt es, dass Sie eigentlich Maler werden wollten und Picasso Ihr Lieblingsmaler ist?
 
Fernando Trueba: Stimmt, ja. Als Kind wollte ich tatsächlich Maler werden. Zumindest glaube ich, dass es so war. Picasso ist eine Ausnahmefigur. Picasso verkörpert mit seinen verschiedenen Schaffensphasen einen wichtigen Teil der neueren Kunstgeschichte, er ist eine Ikone. Vom impressionistischen über den kubistischen und abstrakt anmutenden Stil – er hat alles ausprobiert. Es gibt ja viele Maler, die ich verehre: von Velázquez bis Vermeer über Rembrandt und was weiß ich. Aber sie alle schufen ihr Werk, während Picasso eine Art Flucht nach vorne antrat: Er ist eine ständige Erneuerung, eine kontinuierliche Provokation und Kritik. Picasso ist von all diesen Künstlern vielleicht derjenige, der am wenigsten Angst davor hatte, sich zu irren. Also das waren jedenfalls alles Inspirationen für diesen Film.
 
globe-M: Der Film handelt von der Freundschaft zwischen dem alten Künstler, der einen Ausbruch an neuer Kreativität hat, als er dieses junge Mädchen kennen lernt. Sie haben eben etwas zur Bejahung der Sexualität in den Bildern Picassos gesagt. Hat der Film auch etwas damit zu tun?

Fernando Trueba: Nein, eigentlich handelt dieser Film weniger von Sexualität. Ich glaube, dass er von der Suche nach Schönheit erzählt. Der Film beschäftigt sich auch mit dem Tod, mit dem Alter und der Jugend als Gegenpol dazu. Das Thema Sexualität nimmt keinen großen Raum ein.

globe-M: Warum haben Sie diesen Film in Schwarzweiß gedreht?
 
Fernando Trueba: Jetzt, wo Sie mich das fragen, muss ich sagen, dass ich ihn einfach nicht in Farbe hätte drehen können. Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen. Als ich ein Kind war und Maler werden wollte, hatte ich eine Vorstellung vom Paradies – manch einer stellt sich das Paradies vielleicht als karibische Insel vor – meine Vorstellung davon war ganz anders. Als ich klein war, waren die Fotos in Picassos Atelier für mich das Paradies. Im seinem Haus habe ich Fotos von Cartier-Bresson, Brassaï oder von David Douglas Duncan gesehen. Sie alle waren Freunde von Picasso, zu denen ich auch einen gewissen Zugang hatte, wie zu der Intimität seines Hauses und seinem Atelier. Das war für mich das Paradies. Der größte Traum, den ich als Kind jahrelang hatte, war, einmal Picasso zu treffen und dass mich alle in seinem Haus kannten. In meiner Vorstellung betrat ich sein Haus, und er malte immer an dem gleichen Ort. Und ich sah ihn von hinten, er hörte meine Schritte und wusste das ich es bin. Ich setzte mich hinter ihn und sah ihm beim Malen über die Schulter zu. Ich kann es nicht wirklich erklären.

globe-M: Jean Rochefort, der männliche Hauptdarsteller in Ihrem aktuellen Film, zählt seine Rolle angeblich zu den besten seines Lebens. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?
 
Fernando Trueba: Toll! Er ist wirklich ein besonderer Mensch. So einen Schauspieler findet man nicht alle Tage. Er kann sehr streng sein und dann wieder ein Dichter. Er ist sehr einfühlsam und mit niemandem vergleichbar. Obwohl er bereits mehr als achtzig Jahre alt ist, hält er immer noch Freunden aus Studientagen die Treue, wie Jean-Paul Belmondo. Beide kennen sich, seit sie Achtzehn sind, also seit den allerersten Tagen im Konservatorium. Für Rochefort ist Freundschaft wie eine Religion, sie ist sein Leben. Auch wir beide hatten eine sehr schöne, freundschaftliche Beziehung zueinander, die über den Dreh und die Arbeit hinaus ging. Wir haben jeden Tag miteinander gelacht, wirklich jeden Tag. Ich hatte große Freude daran, ihn zum Lachen zu bringen.
 
globe-M: Sie haben in einem Interview zu Ihrem Film „Das Mädchen und der Künstler“ einmal gesagt, dass die Frau der Beginn der Schöpfung sei, und dass man auf den Mann verzichten könne. Was meinten Sie damit?

Fernando Trueba: Also, ganz so habe ich das nicht gesagt. Aber im Film sieht man, dass ich das dem Protagonisten in den Mund lege. Ich glaube nicht, dass man auf den Mann verzichten könnte. Was ich in dem Film mache, ist so etwas wie die Neufassung der Genesis. Es ist eine Theorie, die ich schon immer hatte. Ich habe mir die Genesis immer so vorgestellt und nicht, wie sie in der Bibel beschrieben ist. In der Bibel ist es eine wenig glaubwürdige Geschichte und noch dazu ist sie nicht sehr interessant. Also habe ich meine eigene Version davon kreiert. Als ich dieses Drehbuch schrieb, wurde mir plötzlich klar, dass es interessant wäre, den Filmcharakter das sagen zu lassen. So ist es viel interessanter, als wenn ich das gesagt hätte. Man muss zugeben, dass die Geschichte hauptsächlich von Männern geschrieben und dominiert wurde, aber ich denke, das beginnt, sich langsam zu verändern. Die Vision der Bibel ist eine sehr männliche Perspektive der Geschichte und der Dinge. Zum Glück ist es ja so, dass Männer heutzutage davon Abstand nehmen, allzu sehr Mann sein zu wollen und nicht mehr so männlich sein müssen. Deswegen also auch der Ausspruch der Figur.
 
globe-M: Dieses Jahr hat ein junger deutscher Regisseur in Zusammenarbeit mit seiner Schwester den Silbernen Bären für das „Beste Drehbuch“ gewonnen. Was denken Sie über das zeitgenössische deutsche Kino?
 
Fernando Trueba: Als ich jung war, habe ich mir sehr viele deutsche Filme angesehen. Als ich Regie studiert habe, sind wir immer ins Filmarchiv gegangen und haben deutsche Filme der Siebzigerjahre wie die von Volker Schlöndorff gesehen. Und dann natürlich auch Fleischmann. Ich erinnere mich an den Film „Jagdszenen aus Niederbayern“ von Fleischmann, der mir unglaublich gefallen hat. Und dann kam natürlich die Generation von Wenders und Fassbinder, klar haben wir das alles gesehen. Aber im deutschen Film der letzten Jahre gibt es nur sehr wenig Neues beziehungsweise kommt nur wenig davon in Spanien an. Zum Beispiel hat mir „Frei nach Plan“ der jungen deutschen Regisseurin Franziska Meletzky auf dem Filmfestival in Shanghai gefallen. Das war vor sieben Jahren. Er hat Preise für den „Besten Film“ und die „Besten Hauptdarstellerinnen“ gewonnen. Die Handlung drehte sich um die Geschichte dreier Schwestern. Dieser Film war echt gut.
 
globe-M: Ihr Film „Das Mädchen deiner Träume" basiert zum Teil auf wahren Begebenheiten, die mit dem Film von Florian Rey „Carmen, la de Triana“ (deutscher Titel: „Andalusische Nächte“) von 1938 korrespondieren . . .
 
Fernando Trueba: Die Regisseure Florian Rey und auch Benito Perojo haben sechs, acht spanische Filme in Deutschland gedreht, die während des spanischen Bürgerkriegs spielen. Hier in Berlin. Aber die Geschichte meines Films hat nichts mit real existierenden Personen zu tun. Alles ist frei erfunden. Die einzige Sache, die ich tatsächlich diesem Film von Florian Rey entnommen habe – und das nur, weil ich mich sehr darüber amüsiert habe – ist folgende: Als ich über diese Zeit und die spanischen Regisseure, die hier gedreht haben, Nachforschungen angestellt habe, stieß ich auf Reys Film „Carmen, la de Triana“, einen sehr folkloristisch anmutenden Film, so eine Art Carmen „andaluza“. Es war unglaublich lustig, zu entdecken, dass man davon eine deutsche Version gedreht hatte. Das heißt, es wurde eine spanische und eine deutsche Version gedreht. Als ich die deutsche Version sah, die in Spanien unbekannt ist, mit diesen spanischen Schauspielern, die auf Deutsch sprechen und singen, konnte ich mich vor Lachen wirklich kaum halten. Also dachte ich, dass ich das unbedingt auch in meinem Film machen sollte. Es war einfach zu gut und zu lustig, um es außen vor zu lassen. (Trueba muss laut lachen) Stellen Sie sich vor, wie Pénelope Cruz auf Deutsch singt!

globe-M: In diesem Film spielt Pénelope Cruz eine Hauptrolle. Sie haben mehrfach mit ihr zusammengearbeitet. Planen Sie eine neue Zusammenarbeit mit ihr?
 
Fernando Trueba: Ja, nämlich den zweiten Teil von „Das Mädchen deiner Träume“. Es ist schon kurios, eigentlich war ich ja nie ein Fan von Filmfortsetzungen. Aber in all den Jahren seit ich den Film gemacht habe, sind mir immer wieder Dinge zu diesen Charakteren eingefallen. Was ist mit ihnen passiert? Das heißt, die Figuren des Films begleiten mich noch immer. Und es gab Leute, die mich gefragt haben, was zum Beispiel mit dem Regisseur des Films im Film weiter passiert ist, ob er ermordet wird, oder ob er am Leben bleibt. Alle diese Fragen sind mir im Kopf geblieben – auch die Figur von Pénelope Cruz: Ist sie nach Amerika gegangen? Was ist wohl aus ihr geworden? Also habe ich mich eines Tages entschieden, eine Fortsetzung zu schreiben. Es sind die gleichen Charaktere, aber während der erste Film 1938 spielt, sind wir nun in der Mitte der Fünfzigerjahre. Alle treffen sich in Madrid wieder, in der Franco-Zeit. Um 1953, zum Ende einer Epoche, in der in Spanien der Wahnsinn regierte. Ungefähr um 1955/56 kamen dann die Amerikaner nach Spanien, um Filme zu drehen, auch weil es billiger war als woanders. Damals entstanden viele Großproduktionen wie „El Cid“, „King of Kings“, „The Fall of the Roman Empire“ oder „55 days in Peking“. Alle diese großen Filme sind in Madrid entstanden. Es geht also darum, in meinem Film ein bisschen diese Epoche wieder auferstehen zu lassen.

globe-M: Werden Sie den Film in Madrid drehen?
 
Fernando Trueba: Ich weiß noch nicht, ob wir den Film in Madrid drehen werden. Es ergeht uns ungefähr so, wie beim Dreh für den Film „Das Mädchen deiner Träume“. Die Berliner Filmstudios wurden im Krieg zerstört und später wieder aufgebaut. Es war also alles ganz neu. Es entsprach nichts mehr dem originalen Erscheinungsbild. Außerdem nutzte das deutsche Fernsehen das Gelände. Obwohl die Geschichte in Berlin spielt, drehten wir damals den Film in Prag. Und jetzt haben wir wieder eine ähnliche Situation: Die spanischen Filmstudios der Fünfzigerjahre existieren nicht mehr. Ich muss also einen anderen Ort für die Dreharbeiten finden. Das heißt alte Filmstudios, die den damaligen Madrider Filmstudios ähneln und ein bisschen von der Madrider Atmosphäre haben – ich weiß noch nicht, wo ich das mache, vielleicht in Rumänien, vielleicht in Bulgarien oder auch in Buenos Aires. Ich habe noch keine Ahnung.

globe-M: Wie positionieren Sie sich innerhalb der aktuellen spanischen Filmszene? Welche filmischen Vorbilder haben Sie?

Fernando Trueba: Ich positioniere mich gar nicht. Vorbilder habe ich vielleicht mehr im amerikanischen und auch im französischen Film. Billy Wilder hat mich inspiriert. Das war ein Regisseur, der mich sehr geprägt hat. Und einige Franzosen wie François Truffaut, Robert Bresson und Jean Renoir, auch einige italienische Regisseure. Ich arbeite gerade an einem Buch über die Meister der italienischen Filmkomödie. Ich mache das übrigens auch, weil ich glaube, dass hier eine der größten Ungerechtigkeiten der Filmgeschichte passiert ist. Einige dieser italienischen Filme sind Meisterwerke und haben niemals die Anerkennung erfahren, die ihnen gebührt, also eine Anerkennung auf Weltniveau. Sie gehören zu den besten Filmen, die je gedreht wurden. Ein Freund und ich haben 20-30 Filme ausgesucht und machen ein Buch darüber.

globe-M: Sie geben eine „Master Class“ in Babelsberg? Was genau werden Sie dort tun?

Fernando Trueba: Ah, das frage ich mich selbst auch. Ich werde sicherlich ein oder zwei Stunden über meine eigenen Erfahrungen sprechen, über dies und jenes. Am interessantesten für die Studenten ist wohl, wenn sie mir Fragen stellen, über Dinge, die sie beschäftigen und die sie interessieren. Schauen wir mal. Wenn man heutzutage Regie studieren möchte und Kinofilme drehen will, hat man viele Fragen, und man möchte die Meinung verschiedener Leute hören. Das ist die beste Methode, wie man tatsächlich etwas lernt. Ich werde mich den Fragen stellen, mit denen sich die Studenten beschäftigen. Wissen Sie, das Kino hat sich sehr verändert. Wir leben heute in einer Zeit ohne Werte. Also Werte, an die ich noch glaube, und die heute nicht mehr von Wichtigkeit sind. Man hat sie einfach fallengelassen. Für mich gelten sie immer noch, aber auf dem Markt opfert man sie.

globe-M: Können Sie das näher erklären?
 
Fernando Trueba: Das gilt für alles Mögliche. Die Liebe zum Kino ist fast ganz verschwunden. Nehmen wir als Beispiel das Drehbuch: Die Art wie man ein Skript im klassischen Kino geschrieben hat, kommt aus dem klassischen Theater und dem Roman. Billy Wilder perfektionierte die Konstruktion einer Geschichte. Heute interessiert das keinen mehr. Was interessiert, ist eine Art Drehbuch, das ich als Pseudodokumentarfilm bezeichne. Die Autoren schreiben Drehbücher, die an Dokumentarfilme erinnern sollen. Wenn sie das nicht tun, glaubt ihnen einfach niemand. Das heutige Publikum ist nicht intelligenter als das von früher. Es ist genauso dumm oder intelligent. Aber es glaubt, intelligenter zu sein. Das ist ein riesengroßer Irrtum.
 
globe-M: Ihr Bruder ist auch Regisseur. Sie haben bereits zusammen gearbeitet. Werden Sie wieder zusammenarbeiten?
 
Fernando Trueba: Wir haben einmal zusammengearbeitet als er noch jung war, da war er 18 Jahre alt. Das Drehbuch hatte den Namen „Two much – Eine Blondine zuviel". Das war ein Film, den wir damals in Amerika mit Antonio Banderas gedreht haben, eine Komödie. Vielleicht werden wir irgendwann einmal wieder zusammen arbeiten. Aber es ist ein bisschen schwierig, weil mein Bruder viel zu tun hat. Er schreibt Romane und bekommt übrigens auch sehr gute Kritiken in Deutschland. Die Romane meines Bruders hatten immer sehr gute Verleger hier in Deutschland. Außerdem macht er Filme und hat eine Tageskolumne in der Zeitung „El País“. Er ist ziemlich beschäftigt mit seinen eigenen Sachen. Und auch ich habe viel zu tun. Es wäre ein Luxus, meinen Bruder von seinen Sachen abzuziehen, um ihn bei meinen Projekten mitmachen zu lassen. Irgendwann, wenn wir zusammen Urlaub machen, werden wir vielleicht wieder ein Drehbuch zusammen schreiben. Immer wenn wir uns treffen, sprechen wir darüber. Aber dann geht er und macht seine Filme und ich mache meine.

globe-M: Man sagt, dass Sie keine Filmpreise mögen. Stimmt das?

Fernando Trueba: Es ist ja nicht so, dass mir die Auszeichnungen nicht gefallen würden. Die Preise sind schon fabelhaft, sie helfen einem, weiter zu machen. Es gefällt mir ja auch, meine Preise so aufgereiht zu Hause auf dem Regal zu sehen. Was ich meine, ist, dass man sich auf die Preise nicht verlassen sollte. Aber zum Beispiel auf meine Grammys bin ich sehr stolz. Die Musik ist eigentlich nicht mein Hauptaktionsfeld, ich widme mich vorwiegend dem Kino. Also ist die Musik eine Art Hobby für mich. Ich habe sieben, acht Grammys, für eine Sache, die ein Hobby für mich ist. Das ehrt mich sehr.

globe-M: Welche Träume haben Sie noch?
 
Fernando Trueba: Eigentlich habe ich keine Träume. Aber ich will gut leben, weiter gute Filme machen und meine Zeit mit den Menschen verbringen, die ich liebe. Was ist das eigentlich, ein Traum? Vielleicht den Friedensnobelpreis oder den Literaturnobelpreis zu gewinnen? Oder dass sich Naomi Campbell in einen verliebt? – Ach nein, die vielleicht doch nicht. Ich weiß nicht, was so ein Traum sein könnte. Etwas wie Shakespeares' Werke zu verfassen – ein magisches Werk. Ich glaube, wenn man mein Alter erreicht hat, ist alles schon gelaufen; man weiß, wer man ist und man kennt seine Grenzen, die man immer wieder zu überschreiten versuchen muss. Man muss immer weitergehen. Aber das sind eigentlich keine Träume – also, wenn man jung ist, dann vielleicht schon. Dann sagt man sich: „Ich will Kino machen, ich will Filme machen, ich will ein Meisterwerk der Kinowelt erschaffen.“ Das sind die Träume, die man hat, wenn man jung ist. Wenn man mein Alter erreicht hat, sind bereits Freunde gestorben, man weiß, dass die Träume relativ sind, dass der einzig wahre Traum „The Big Sleep“ ist.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch!

 Das Gespräch führten Luise Michel und Teresa Vena.

 

Weitere Informationen

Fernando Trueba wurde 1955 in Madrid geboren. Er ist Filmemacher, Drehbuchautor und Filmproduzent. Seit mehreren Jahrzehnten zählt er zu den facettenreichsten Vertretern seiner Zunft. Er versucht fortwährend, neue Genres des Films zu entdecken. Weltweite Bekanntheit erlangte er mit seinen Filmen „Belle Epoque“, der 1994 den Oscar für den besten ausländischen Film gewann und mit dem Animationsfilm „Chico und Rita“ von 2010.

Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

Warning: Duplicate entry '58254862' for key 'PRIMARY' query: INSERT INTO globem_watchdog (uid, type, message, severity, link, location, referer, hostname, timestamp) VALUES (0, 'php', '<em>Duplicate entry &amp;#039;15519857&amp;#039; for key &amp;#039;PRIMARY&amp;#039;\nquery: INSERT INTO globem_accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values(&amp;#039;Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen&amp;#039;, &amp;#039;node/11781&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;54.162.107.122&amp;#039;, 0, &amp;#039;d5d2923c760cc864380dd427aecedc33&amp;#039;, 753, 1506164193)</em> in <em>/kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc</em> in Zeile <em>174</em>.', 2, '', 'http://alt.globe-m.de/de/experts/ich-kann-mir-den-film-farbe-nicht-vorstellen', '', '54.162.107.122', 1506164193) in /kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc on line 174