„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“

© Susanne Gietl

Stefan Greiner ließ sich ein Magnetplättchen in seinen linken Ringfinger implantieren. Ende letzten Jahres gründete er den Verein „Cyborg e. V.“. Aktuell studiert er an der TU Berlin „Human Factors“, um sein Wissen über Mensch und Maschine zu erweitern. Der Biohacker über die Notwendigkeit von Cyborg-Rights und warum jeder ein Cyborg sein kann.

globe-M: Warum hast Du Dich bereits vor Deiner Fingeroperation als Cyborg bezeichnet?

Stefan Greiner: Ich fühle mich als Cyborg, weil ich mich in meinem alltäglichen Leben mit Technologie umgebe, die mein Leben sehr beeinflusst. Sie ist ein starker integraler Bestandteil meines Selbst.

globe-M: Ist für Dich jeder technikaffine Mensch ein Cyborg?

Stefan Greiner: Für mich ist ein Cyborg derjenige, der über Prothesen zum einen seine physischen Fähigkeiten erweitert, zum anderen auch derjenige, der über externe Devices wie ein Smartphone einen ganz neuen Zugang zu der Welt entwickelt, inder dieser unsichtbare Layer, das Internet, jederzeit zugänglich ist. Meine Definition ist da recht schwammig, was den Cyborg angeht. Es ist vielmehr ein Gefühl, das ein Mensch für sich selbst entwickelt.

globe-M: Ist es nicht wichtig, eine einheitliche Definition eines Cyborgs zu erreichen?

Stefan Greiner: Als Menschen denken wir in Schubladen und stark abgegrenzten Denkmustern. Genau das stellt der Cyborg in Frage. Der Cyborg stellt vielmehr eine Entwicklung dar, wie wir uns als Menschen mit neuen kognitiven und physischen Möglichkeiten selbst begreifen.

globe-M: Letztlich wird der Mensch immer leistungsfähiger…

Stefan Greiner: Schon immer hat der Mensch seine Werkzeuge verwendet, um sein Leben zu optimieren. Diese Optimierung braucht den richtigen gesellschaftlichen Nährboden. Wir wollen eine Alternative in den Raum stellen, wie man diese Verschmelzung anders ausleben kann.

globe-M: Du hast Dir im Oktober einen kleinen Magneten in Deinen linken Ringfinger implantieren lassen...

Stefan Greiner: Ja. Die Hauptmotivation war für mich die sensorische Erweiterung. Ich nehme mit diesem Magneten elektromagnetische Wellen wahr, was ich als Stand-Alone-Stefan so nicht kann, und ich reflektiere meine sonstige Wahrnehmung anders.

globe-M: Inwiefern?

Stefan Greiner: Ich spüre starke Magnetfelder. Durch dieses Magnetfeld kann ich Technologie oder Devices aktiv steuern. Ich muss mein Smartphone nicht mehr aus der Tasche nehmen, sondern ich kann dem Smartphone durch bestimmte Gesten Befehle erteilen. Außerdem habe ich einen kleinen Verstärker gebaut, der über eine Induktionsspule Audioinformationen auf meinen Finger überträgt. Man könnte sich also Folgendes vorstellen: Im ersten Schritt steuere ich mein Smartphone, im zweiten Schritt höre ich durch die Induktionsspule denjenigen im Finger. Ich möchte ein kleines Mikrophon an meinem Armgelenk anbringen und kann über meinen Körper kommunizieren.

globe-M: Was sind die Hauptziele des Cyborg e.V.?

Stefan Greiner: Wir wollen den Diskurs in der breiten Öffentlichkeit fördern und sehen den Verein als Plattform, bei der jeder Interessierte auf uns zukommen und mitmachen kann. Wir wollen den freien Zugang zur Technologie auf Open-Source-Basis schaffen und auch diejenigen abholen, die vielleicht finanziell nicht so gut gestellt sind. Dazu kommen die rechtlichen Fragen, die Cyborg-Rights. Jeder Mensch sollte grundsätzlich das Recht haben, sich so zu modifizieren, wie er es für richtig hält.

globe-M: Klingt nach Science-Fiction…

Stefan Greiner: Die Technologie wandert immer mehr in uns Menschen und bestimmt uns immer mehr von Innen heraus. Wir werden als Menschen immer mehr zur Schnittstelle. Der physisch-materielle Körper verschwimmt immer mehr und mehr zu einer virtuellen Zweideutigkeit. Das ist ein extrem spannendes Moment, das extreme Gefahrenpotentiale in sich birgt, aber mit dem richtigen gesellschaftlichen Diskurs birgt es extreme Potentiale in sich.

 

Weitere Informationen

Der Cyborg e. V. hat sich im Dezember 2013 gegründet, aktuell schreibt Stefan Greiner gemeinsam mit Künstlern und Fachleuten an einem Buch über künstliche Intelligenz und das Verhältnis Mensch-Maschine. „Das Buch soll wie der Mensch vom physischen ausgehend immer mehr ins virtuelle gehen“, so Greiner.

Stefan Greiner spricht auf der Berliner webinale über das Thema „Being a Cyborg“. Außerdem ist der Cyborg e. V. ist am 21. Juni 2014 beim Barcamp in den Wikimedia-Räumen am Tempelhofer Ufer 23-24 vertreten.

 

 

Expertenstimmen Archiv

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30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
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04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
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20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
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05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
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14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
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15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
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27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
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29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
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08.Mai.2013Produktion und Verwertung
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