„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“

Matthias Elwardt © Abaton-Kino

Die Kiezberlinale startet. Bereits zum fünften Mal lädt Matthias Elwardt, Geschäftsführer und Programmleiter des Hamburger „Abaton“-Kinos zu „Berlinale goes Kiez“ ein. Welche Orte er bespielt und wie er sich die Zukunft des Kinos vorstellt, verrät er globe-M kurz vor der diesjährigen Kiezpremiere.

globe-M: Gratulation zum fünften Geburtstag. Wie feiern Sie?

Matthias Elwardt: Wir haben uns natürlich bei dem Programm besonders viel Mühe gegeben. Was neu ist, sind so kleine feine Besonderheiten für heute Abend. Für das „Grand Budapest Hotel“ haben wir 250 Maccarons mit Berlinaleemblem backen lassen, jeder der den Film gesehen hat, weiß, dass die eine kleine feine Rolle spielen und wir haben das erste Mal das kulinarische Kinos bei uns zu Gast. Mit einem Film, der auch nur einmal auf der Berlinale läuft. Meines Wissens ist es eine Weltpremiere: „Die Cavaliere der Lagune“, das ist eine sehr schöne Dokumentation über Fischer vor der Küste der Toskana in Italien. Die Fischer kommen auch, nicht nur die Filmemacher und es gibt hinterher ein toskanisches Fischmenu in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Da werden wir auch das Filmgespräch machen und wir werden gemeinsam feiern. Auch die Paten, so lange sie Zeit haben. Ich glaube, das ist ein würdiger, fünfter Geburtstag. 

globe-M: Welche prominenten Paten werden beim Kiezkino zugegen sein?

Matthias Elwardt: Heute Abend haben wir Lars Kraume, der gerade mit „Meine Schwestern“ im Kino ist, der letztes Jahr im Panoramaprogramm lief und der bei uns im Kiez in Potsdam mit seinem Team zu Gast ist. Also wir tauschen die Rollen. Diesmal ist er Pate. Am Sonntag ist Michael Verhoeven im „Toni und Tonino“, am Montag ist Christian Petzold im Adria in Steglitz, am Dienstag ist Katrin Gebbe im „Filmkunst 66“ und am Mittwoch sind wir in der „Passage Neukoelln“, das ist sehr schön, da haben wir Jasmine Samderelli, die Regisseurin von „Almanya“. Nach dieser Kiezvorführung damals in 2011 wusste man, dass der Film ganz toll ankommt. Das war ein großer Erfolg. Andreas Dresen kommt am Donnerstag ins Thalia Potsdam und am Freitag haben wir Sven Tadiken im Eiszeit-Kino in Kreuzberg.

globe-M: Teilweise sind es die gleichen, teilweise andere Kiezkinos. Woran machen Sie Ihre Auswahl für „Berlinale goes Kiez“ fest.

Matthias Elwardt: Wir haben in fünf Jahren schon viele Kiezkinos besucht. Wir gucken uns jedes Mal wieder neue Kinos an, machen das meistens inkognito und überlegen auch: Wo passt es? In welchen Kiez wollen wir mal wieder gehen? Und treffen dann eine Auswahl.

globe-M: Ihr persönlicher Berlinale-Filmtipp?

Matthias Elwardt: Ich mag alle vier deutschen Wettbewerbsfilme und ich habe es immerhin geschafft, drei in den Kiez zu bekommen. Also morgen ist „Jack“, wir haben am Montag „Die geliebten Schwestern“ von Dominic Graf, die kommen auch alle. Und am Donnerstag haben wir „Kreuzweg“ von Dietrich Brüggemann. Also die vier – „Zwischen Welten“ ging aus zeitlichen Gründen nicht – finde ich alle sehr stark und ein Berlinalefavorit von mir ist „Boyhood“ von Richard Linklater. Ein filmgeschichtlich komplett außergewöhlicher Film, weil er über zwölf Jahre gedreht worden ist, jeweils eine Woche im Sommer. Man sieht wie die beiden Kinder und die Familie, Ethan Hawke und Patricia Arquette, wie die gemeinsam älter werden und wie sich auch die Welt drum rum verändert. Also das ist für mich ein ganz besonderer Film in diesem Jahr.

globe-M: Sie sind selbst Geschäftsführer und Programmchef des Hamburger Abatonkinos. Wie führt man heutzutage ein Kino?

Matthias Elwardt: Gute Frage. Man muss sehr, sehr viele Filme sehen. Ich sehe über 600 Filme im Jahr, um dann das Beste auszuwählen. Ich glaube, jeder Kinomacher hat den Anspruch, für sein Publikum ein möglichst gutes Programm zu machen und das heißt, viele Filme sehen. Leider ist es inzwischen fast zu viel, weil vor zehn Jahren war das irgendwie die Hälfte. 600 Filme an 365 Tagen sehen ist schon verdammt viel.

globe-M: Wie sieht das Kino der Zukunft aus?

Matthias Elwardt: Ich denke, dass die Leute immer ins Kino wollen, weil es etwas besonderes ist, einen Film gemeinsam zu erleben, die Atmosphäre zu spüren. Das hat man nie, wenn man ihn auf seinem Computer zu Hause oder auf so einem kleinen Bildschirm ankuckt. Das Besondere bei den Kiezkinos und bei unserer Idee hier ist natürlich, dass man danach mit den Filmemachern ins Gespräch kommt. Das bieten ja auch viele Kinos im Alltag an. Also ich biete das auch in Hamburg sehr viel an. Und natürlich ist es was ganz anderes, den Film auf großer Leinwand zu sehen. 

globe-M: Welcher Film war entscheidend für Ihre Karriere?

Matthias Elwardt: Das sind eine Reihe von Filmen. Ich habe in der Schule angefangen, ich war Schülersprecher in dem damals größten Gymnasium in Schleswig-Holstein in Ratzeburg und habe da mit dem Leiter der Film AG zusammengearbeitet. Wir haben in der Schule Vorführungen für 500, 600 Leute gemacht. Das war für mich die Intialzündung. Also der Grundstein war die Arbeit in der Schule.

globe-M: Und welcher war Ihr erster Kinofilm?

Matthias Elwardt: Das ist eine Frage, die mir schon häufiger gestellt worden ist. Ich kann mich nicht genau daran erinnern, was bei mir der erste Kinofilm war. Manche Filme haben mich unheimlich berührt, ich habe zum Beispiel zum Abitur „Die Reifeprüfung“ gesehen, da war ich nicht mehr ganz jung, aber ich habe mich total wiedergefunden in dieser Rolle von Dustin Hoffmann, auch wenn es in meinem Leben keine Mrs Robinson gab, aber das sind so besondere Erinnerungen.

Andere Filme, die mir bessonders in Erinnerung blieben, sind Samuel Fullers „Vierzig Gewehre“ und Andrei Tarkowskis „Stalker“ und viele Festivalfilme. Man sieht einen Film mit Publikum, mit anderen Menschen, zum ersten Mal. So ist es auch bei der Berlinale. Keine Kritik vorher gelesen zu haben, weil es keine gibt: Diese Spannung, die man in einer Premiere hat, das ist wirklich ganz Besonderes.

 

Weitere Informationen

„Berlinale goes Kiez“ findet vom 8. bis 14. Februar im Rahmen der Berlinale statt. Filmteams präsentieren ihre Werke zumeist persönlich und stehen nach der Vorführung für Fragen zur Verfügung. Zusätzlich stellt jeweils ein prominenter Kinopate „sein“ Kiezkino vor. Unter anderem werden „Watermarks“ (Bille August) und „The Grand Budapest Hotel“ (Wes Anderson) gezeigt. Die Tickets für „Berlinale goes Kiez“ kosten 9 Euro, „kulinarisches Kino goes Kiez“ kostet 35 Euro.

Die Kiezkinos im Überblick:

Adria (Steglitz)
Eiszeit Kino (Kreuzberg)
Eva Lichtspiele (Wilmersdorf)
filmkunst 66 (Charlottenburg)
Passage (Neukölln)
Thalia Programm Kino (Potsdam-Babelsberg)
Toni & Tonino (Weißensee)

 Bereits 2013 führte globe-M mit Matthias Elwardt ein Berlinale-Interview.

 

 

Expertenstimmen Archiv

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24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
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21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
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17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
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12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
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10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
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02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
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16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
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17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
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07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
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25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
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10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
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08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
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