Jedermann - Ein Modezar im Zelt

Ben Marecek © Jana Madzigon

Mit Zweiundzwanzig gehört Ben Marecek eigentlich noch zum Nachwuchs, doch letzte Woche debütierte er in der Hauptrolle „Jedermann“ von Franzobel im Wiener Lustspielhaus. Damit ist Marecek der jüngste Jedermann aller Zeiten. Mit globe-M sprach der Schauspieler über das „Jedermann“-Phänomen, welchen Rat er gerne gehabt hätte und warum das Wiener Lustspielhaus nach zehn Jahren noch immer großen Erfolg hat.

globe-M: Frisch von der Schauspielschule stehen die meisten Kollegen Schlange, um ein Vorsprechen als Lanzenhalter in der dritten Reihe zu bekommen. Sie dürfen sich gleich in einer Hauptrolle beweisen. Wie kam es dazu?

Ben Marecek: Adi Hirschal, der Intendant des Wiener Lustspielhauses und Regisseur der Inszenierung, sah mich in der Abschlussproduktion „Anna Karenina“ meiner Schauspielschule. Ein Jahr später rief er mich an und meinte, er mache eine neue Neuinszenierung von „Jedermann“. Dafür suchte er einen ganz jungen Schauspieler. Also trafen wir uns, wir waren uns auf Anhieb sympathisch, und er bat mich den Text mit ihm zu lesen. Danach hat er mich engagiert und ich habe mich sehr darüber gefreut!

globe-M: Der Wiener Schriftsteller Franzobel hat eigens für das zehnjährige Jubiläum eine Neuberabeitung von Hugo von Hofmannstals „Jedermann“ geschrieben. Wieso übt das Stück bis heute so großen Reiz aus und was ist das Besondere an Franzobels' Bearbeitung?

Ben Marecek: „Jedermann“ ist das Spektakel in Salzburg, wo sich jährlich die High Society versammelt. Das Ganze ist ein Event an sich. Im Lustspielhaus bekommt das Stück gar nicht so eine große Aufmerksamkeit. Im Gegenteil, wir nehmen das „Jedermann-Getue“ auch ein bisschen auf die Schippe. Das Ende hat Franzobel auch anders geschrieben und alleine dafür lohnt es sich, das Stück anzusehen. Denn „Jedermann“ hat noch eine andere Möglichkeit, und das finde ich persönlich eine sehr interessante Variante.

globe-M: In Österreich hat „Jedermann“ eine lange Tradition. Bekamen Sie Angst, als man Ihnen die Rolle anbot? Verspürten sie Druck zu wissen, dass Cornelius Obonya parallel in Salzburg „Jedermann“ spielt?

Ben Marecek: Als ich die Rolle bekam, habe ich mich tatsächlich kurz erschrocken. Als ich aber dann Franzobels' Version las, merkte ich, dass es ein vollkommen neues Stück ist. Diese Version ist kürzer, die Sprache ist anders und es ist insgesamt reduzierter. Es ist nicht der „Jedermann“ von Hofmannstal, und so musste ich mich gar nicht dem direkten Vergleich stellen.

globe-M: Jetzt, wo die Premiere hinter ihnen liegt, welchen Ratschlag hätten Sie rückblickend gerne gehört?

Ben Marecek: Entspann Dich und vertrau voll und ganz den Kollegen und dem Regisseur!

globe-M: Wie haben sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Ben Marecek: Franzobel schrieb „Jedermann“ als jungen Designer, der gerade frisch von der Designschule kommt. Ich sah mir also verschiedene Designer an und versuchte eine Figur zu erschaffen. Das Schwierige lag aber darin, dass ich der Jüngste war und gleichzeitig die Figur mit der größten Dominanz spielen musste. Meine größte Herausforderung war es, eine Haltung zu finden, die die anderen Rollen wirklich einschüchtert. Ich entwickelte eine Körperhaltung, mit der ich mir Respekt vom Ensemble verschaffte.

globe-M: Das Wiener Lustpielhaus gibt es nun seit zehn Jahren. Jeden Sommer zeigt es Neubearbeitungen von Klassikern. Es ist meistens schon vor der Premiere restlos ausverkauft. Was bedeutet dieses Theater für Wien?

Ben Marecek: Das Wiener Lustpielhaus ist ein Zelt im ersten Bezirk, im Herzen von Wien. Es war gedacht als Rückgriff auf die ursprüngliche Idee eines Volkstheaters. Ein Theater für „Jedermann“. Kleiner Scherz. Es ist ein Theater, dass nicht elitär ist, wo sich jede Schicht wohlfühlt. Ähnlich wie das Globe Theatre in London. Der Erfolg hält an, weil es mit Neudichtungen, Umdichtungen und Parodien genau den Geschmack der Leute trifft. Franzobel verwendet bewusst modernen Wiener Slang, den die Menschen sonst nie im Theater hören. Die Leute amüsieren sich, so wie früher über Nestroy Stücke, weil es zugänglich und aktuell geschrieben ist.

globe-M: Wenn sie selbst ins Theater gehen, was sehen sie sich gerne an?

Ben Marecek: Privat sehe ich mir am liebsten neue Stücke an. Ich muss jetzt nicht unbedingt die hundertste Inszenierung von „Romeo und Julia“ sehen. Ich bin neugierig, Stücke zu sehen, von denen ich noch gar nichts gehört habe. Momentan werden auch viele Hollywood-Filme als Theaterinszenierungen umgeschrieben. Ich verstehe nicht, warum man das macht und habe auch noch nie eine gelungene Version davon gesehen.

globe-M: Was wünschen Sie sich für das restliche Jahr?

Ben Marecek: Viel Spaß und viel Arbeit!

Weitere Informationen

Ben Marecek wurde 1991 in Wien geboren. Er ist der Sohn des Schauspielerpaares Heinz Marecek und Christine Golin. 2012 absolvierte er seine Ausbildung an der Schauspielschule Krauss und lebt nun zwischen Wien und Berlin als freiberuflicher Schauspieler. 

Agentur-Seite Ben Marecek

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