Jung und echt unter deutscher Flagge

Kathrin Becker. Foto: Biennale

Die III. internationale Biennale für junge Kunst, ein ambitioniertes Projekt  der russischen Kunstszene, startete gestern in Moskau. Ihr Thema und die Auswahl der Arbeiten, die in der zentralen Ausstellung im Haus des Künstlers gezeigt werden, bestimmte die Kuratorin, die eigens dafür aus Deutschland eingeladen wurde.

Kathrin Becker kommt aus Berlin,  wo sie seit 2001 das Video-Forum des Neuen Berliner Kunstvereins leitet. Ihre Einladung nach Moskau ist nicht zufällig: Neben Kunstgeschichte studierte sie Slawistik und machte ihre ersten Erfahrungen als Kuratorin, indem sie russische Kunst dem westlichen Publikum näher brachte. Seit den 1990er Jahren verwirklichte sie mehrere Ausstellungen, die u. a. den Leitfiguren des Moskauer Konzeptualismus gewidmet waren. Auch war sie bereits kuratorisch im renommieren Haus der Fotografie und im Staatlichen Zentrum für zeitgenössische Kunst (NCCA) in der russischen Hauptstadt tätig.

Radikale Reduktion

Vielleicht ist gerade ihr Wissen um die aktuelle Situation auf der russischen Art-Szene der Grund dafür, dass sie das Format der jungen Biennale stark verändert hat. Kathrin Becker reduzierte deutlich die Zahl der Teilnehmer, die sie größtenteils aus gut 2700 eingegangenen Bewerbungen auswählte. Das alleine tut den Russen, die sich gern ausufern, sehr gut. In der klaren, genauen Struktur der Ausstellung gewinnen alle gezeigten Arbeiten an Gewicht und Inhalt, die russischen Teilnehmer werden in aller Deutlichkeit in den internationalen Kontext eingebunden.

Das diesjährige Thema der Biennale „Unter der Sonne aus Glitzerkram“ wählte die Kuratorin, um zu unterstreichen, dass die neue Generation zu einer Zeit lebt und arbeitet, in der die Realität konstruiert wird und sehr subjektiv erscheinen kann. Es wird immer schwieriger, zwischen Künstlichkeit und Echtheit zu unterscheiden – zumal für junge Menschen, die mit der virtuellen Welt groß geworden sind. Die Virtualisierung von vielen Bereichen des Lebens trägt entscheidend zur Globalisierung bei, so dass die Künstler sich weniger durch eine nationale Färbung unterscheiden, sondern alleine durch ihre individuelle Schöpferkraft hervortreten können.

Individualität geht vor

Unter der „Glitzerkram-Sonne“ der internationalen Ausstellung versammelte Kathrin Becker etwa 80 Künstler aus vielen europäischen Ländern, aus Nord- und Südamerika und sogar aus Afrika. Mit Fotografien, Installationen und Videos sind  hier auch Russen vertreten, sie fallen aber als solche nicht auf, und das ist sehr gut so.

Ohne auf einzelne Arbeiten einzugehen, lässt sich als erster Eindruck der III. Biennale festhalten, dass die Einladung der deutschen Kuratorin eine gute Entscheidung war. Aus vielen jungen Stimmen vermochte sie, einen respektablen Chor zu bilden und ihn zum klingen zu bringen.

Weitere Informationen:
III. Moskauer internationale Biennale für junge Kunst,  Juli-August, 2012
Kathrin Becker bei globe-M
 

Expertenstimmen Archiv

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06.Sep.2014Das Dunkle in uns
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20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
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05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
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30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
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13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
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05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
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25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
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27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
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10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
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08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
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08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
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08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

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