Kunst und Kommunikation

Eemil Karila: Mika, 2011

Der finnische Künstler Eemil Karila, geboren 1978 in Rovaniemi, hat zusammen mit Lola Lustosa und Mika Minetti eine Galerie eröffnet, die den Rahmen der bekannten Konzepte erweitert: keine weißen Wände und minimalistisches Mobiliar, sondern wohnliche Räume erwarten die Besucher. globe-M sprach mit dem Künstler über das Konzept des MUSTERZIMMERS.

globe-M: Die Galerie als Treffpunkt, Showroom und Wohnung. MUSTERZIMMER verbindet Kunst und Kommunikation, Künstler und Interessierte. Ein ambitioniertes Konzept oder nordische Philosophie?

Eemil Karila: Seit April 2012 haben wir diese Räume in der Schöneberger Crellestraße gemietet: Lola Lustosa, Mika Minetti und ich. MUSTERZIMMER ist ein Showroom für zeitgenössische Kunst aus Berlin. Wir zeigen Gruppenausstellungen mit schon bekannten und noch nicht etablierten Künstlerinnen und Künstlern. Skulpturen, Objekte, Malerei, Zeichnungen, Fotografie, Video und Performances – die ganze Bandbreite der Kunst. Doch wir verstehen MUSTERZIMMER auch als Treffpunkt: für finnische Freunde und Freunde aus aller Welt, für die Nachbarschaft, für Kunstinteressierte. Der Weg von der Straße in die Galerie soll ein kurzer sein.


MUSTERZIMMER

globe-M: Und auch Käufer hineinführen? Sie alle wollen mit, aber auch von der Kunst leben.

Eemil Karila: Natürlich, wir freuen uns über Kundschaft und Verkäufe. Unsere Ausstellungen wechseln, bald wird die nächste vorbereitet. Wir laden Künstler ein, ihre Arbeiten in unserer Galerie zu zeigen. Von hier aus soll ein Netzwerk an Informationen starten. Begegnungen werden organisiert, Kunstevents, Veröffentlichungen, Projekte und Prozesse. Für private Sammler und Institutionen bietet MUSTERZIMMER individuelle Unterstützung und Beratung an.

globe-M: Die Berliner Galerieszene ist über die ganze Stadt verstreut, sammelt sich an Orten in Mitte oder der Heidestraße. Warum Schöneberg?

Eemil Karila: Die Stadt hat eine sehr aktive Bevölkerung und immer eine große Anzahl Gäste. Für finnische Künstler ist Berlin oft ein wichtiger Schritt raus aus der Heimat. Meine erste Station war eine Wohnung in der Alten Schönhauser Straße in Mitte, die ich wie ein soziales Projekt verstanden habe. Ich begann, die kollektiven Aktivitäten in meinem Studio und meiner Wohnung zu dokumentieren: durch Malerei, auf 8mm Filmen und Polaroid Fotos. Als ich die Räume in der Crellestrasse fand, reizte mich das Umfeld, das sehr lebendig ist, ohne Energie in die "the place to be" Aktivitäten geben zu müssen. Wir laden Künstlerinnen und Künstler ein, ihre Arbeiten an diesem Ort der Kommunikation zu präsentieren.


Kalle Lampela: Introduction on non-identical writing 1 and 2, 2011

globe-M: In der aktuellen Ausstellung zeigen sie beispielsweise Zeichnungen und Gemälde von Kalle Lampela oder Fotoarbeiten und Objekte von Saana Inari. Liegt der Schwerpunkt der Galerie auf finnischen Künstlern? 

Eemil Karila: Nein, Lola Lustosa, die Mitbegründerin von MUSTERZIMMER, ist beispielsweise in Brasilien geboren, Liu Anping kommt aus China. Doch ich verstehe meine Arbeit nicht unbedingt als Galerist, wir haben vielmehr ein soziales Konstrukt entwickelt, in dem Kunst das Verbindende zwischen den Menschen in und vor dem MUSTERZIMMER darstellt.

globe-M: Sie selbst leben in Berlin und Helsinki, arbeiten mit unterschiedlichen Techniken und in verschiedenen Medien. Zur Zeit steht eine Serie von Porträts im Mittelpunkt Ihrer Arbeit. Seit zwei Jahren malen Sie Freunde und Künstler, es entsteht eine Dokumentation der Begegnungen. Kunst als soziale Skulptur?

Eemil Karila: Mein Interesse gilt der Gesellschaft, den Fragen: wie ist sie aufgebaut, was ist unser Anteil, was erhalten wir zurück? Die wirtschaftlichen Zwänge greifen immer tiefer in unser Leben ein, wir bewegen uns in einem Hamsterrad der Erwartungen. Oft können wir nur noch schwer erkennen, welches unsere Bedürfnisse sind und übersehen nicht nur eigene Möglichkeiten, sondern vor allem auch die Menschen neben uns.

globe-M: Mit Ihren Porträts bringen Sie diese Menschen wieder zurück, zurück in das MUSTERZIMMER. Kunst also als Mittel zur Kommunikation?

Eemil Karila: Ja, Kunst ist eine Sprache, in der wir uns alle verständigen können. Nicht nur der Künstler mit seinen Werken, auch die Betrachter und Besucher sind Teil des Dialogs. Wir als Kunstschaffende haben eine besondere Verpflichtung, eine soziale Verantwortung, unsere Fragen, Erfahrungen und Utopien mitzuteilen.

globe-M: Kunstprojekte aus dem MUSTERZIMMER als Aufforderung zur Reflexion und Teilnahme. Herr Karila, vielen Dank für das Gespräch.

 

Interview führte Barbara Borek.

 

Weitere Informationen

MUSTERZIMMER
Showroom
Crellestrasse 44
10827 Berlin

Bilder: Courtesy of Musterzimmer

 

 

 

Folge globe-M auf Twitter

Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

Warning: Duplicate entry '58254862' for key 'PRIMARY' query: INSERT INTO globem_watchdog (uid, type, message, severity, link, location, referer, hostname, timestamp) VALUES (0, 'php', '<em>Duplicate entry &amp;#039;15519857&amp;#039; for key &amp;#039;PRIMARY&amp;#039;\nquery: INSERT INTO globem_accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values(&amp;#039;Kunst und Kommunikation&amp;#039;, &amp;#039;node/4055&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;54.162.107.122&amp;#039;, 0, &amp;#039;ed7254ff4e9936841997e545a6ff2db9&amp;#039;, 761, 1506163785)</em> in <em>/kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc</em> in Zeile <em>174</em>.', 2, '', 'http://alt.globe-m.de/de/experts/kunst-und-kommunikation', '', '54.162.107.122', 1506163785) in /kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc on line 174