Lust auf Neues

Maria Husmann. Foto: privat

Mehrmals wurde  Maria Husmann vom Fachmagazin „Opernwelt“ als „Opernsängerin des Jahres“ ausgezeichnet. 2004 kürte man sie zur „besten Opernsängerin für Oper des 20. Jahrhunderts“ in Österreich. Die Sopranistin, die besonders als Interpretin zeitgenössischer Musik geschätzt wird, engagiert sich seit einigen Jahren für die Förderung junger Talente. Zwischen zwei Terminen fand die vielbeschäftigte Sängerin Zeit, um globe-M über ihre Projekte zu erzählen.

 

globe-M: Frau Husmann, darf ich gleich zu Beginn unseres Gespräches meine Bewunderung zum Ausdruck bringen? Ich hatte nämlich einige Male das Vergnügen, bei Ihren Liederabenden in der Staatsoper Unter den Linden dabei zu sein. 

Maria Husmann: Vielen Dank.

globe-M: Sie sangen wahrscheinlich auf allen bedeutenden Bühnen Deutschlands: an der  Staatsoper Stuttgart, der Semperoper Dresden, der Staatsoper München, der Deutschen Oper Berlin, aber auch in Wien und sogar an der Mailänder Scala. Da war es sehr überraschend, Ihren Namen im Zusammenhang mit einem Opernprojekt in Stendal, einer kleinen Provinzstadt in Sachsen-Anhalt, zu hören.

Maria Husmann: Dabei nahm dieses Projekt seinen Anfang in einer noch viel kleineren Stadt:  im brandenburgischen Perleberg.  Alljährlich findet dort die Lotte-Lehmann-Woche statt, die in einem Sommerkurs den Gesangsstudenten eine Reihe von Workshops anbietet. Vor ein paar Jahren wurde ich nach Perleberg als Dozentin eingeladen, was sich als Initialzündung für mein pädagogisches Anliegen erweisen sollte.

Es war ungeheuer spannend und lustvoll mit diesen jungen begeisterungsfähigen Menschen zu arbeiten. Daraus entsprang der Wunsch, den Nachwuchssängern eine authentische Bühnenerfahrung in ihrer ganzen Komplexität zu vermitteln. Soviel zur Vorgeschichte von „mo(t)zArt“. Unter diesem Titel sind inzwischen zwei unterschiedliche Programme erarbeitet worden, die in Stendal jeweils 2012 und 2013 zur Aufführung kamen. 

globe-M: Zu Musik von Mozart, nehme ich an.

Maria Husmann: Ja, natürlich. „mo(t)zArt“ besteht aus verschiedenen Arien aus Mozart-Opern, die aber nicht als ein Konzert dargeboten werden, sondern als eine Art Collage, in der sich einzelne Szenen zu einem schlüssigen musiktheatralischen Stück fügen. Das Ganze war zugegebenermaßen kein leichtes Unterfangen: Ich habe nicht nur den szenischen Ablauf selbst entwickelt und Regie geführt, sondern mit jedem Mitglied unseres zwölfköpfigen Opernensembles persönlich gearbeitet. Der Aufwand hat sich aber, wie ich finde, wirklich gelohnt. Es war für mich ein Vergnügen zu sehen, wie sich die jungen Sänger, von denen keiner älter als Anfang 20 ist, entwickelt haben.

globe-M: Worin sehen Sie Ihre Aufgabe bei einem solchen Projekt?

Maria Husmann: Talente finden und entfalten! Es geht natürlich um den Gesang, der immer, aber vor allem in der Oper, mit darstellerischen Fähigkeiten einhergeht. Für einen Sänger ist es wichtig, früh mit der Bühne in Berührung zu kommen, um die Bedeutung von Bewegung und Interaktion – auch für die eigene Stimme – zu verstehen.

globe-M: Mit Mozart stehen Sie wohl seit längerem in einer „Liebesbeziehung“, schließlich haben Sie Ihre allererste Partie einst in Mozarts „Le nozze di Figaro“ bekommen – an der Staatsoper Hamburg unter der Regie von Götz Friedrich. Erneut traten Sie in dieser Oper erst vor kurzem auf, diesmal in der Inszenierung von Andreas Dresen im Potsdamer Schlosstheater. Und doch verbindet man Ihren Namen vor allem mit der zeitgenössischen Musik: Kaum eine Sängerin hat sich darum so verdient gemacht wie Sie.

Maria Husmann: Das stimmt insofern, als dass ich in der Tat mit bedeutenden zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeitete, etwa mit Philipp Glass, Hans Werner Henze, Aribert Reimann und vor allem mit György Kurtág, dessen zahlreiche Werke ich uraufgeführt habe.

globe-M: Geben Sie diese einmalige Erfahrung auch an die Jugend weiter?

Maria Husmann: Es ist mir sogar ein ganz besonderes Anliegen! Die Meisterklasse in der Vokalmusik des 20. und 21. Jahrhunderts, an der junge Sänger zwischen 12 und 25 Jahren teilnahmen, mündete genauso wie „mo(t)zArt“ in einer musiktheatralischen Inszenierung. Die Produktion „Lust auf Neues“ wurde bereits zweimal umgesetzt: das zweite Mal vor einigen Monaten unter dem Titel „Glotzt nicht so romantisch“ im alternativen Kulturzentrum DOCK 11 / EDEN in Berlin-Pankow.

globe-M: Haben Sie das Ganze auch in diesem Fall selbst erarbeitet und als Regisseurin begleitet?

Maria Husmann: Nicht nur das. Ich habe eigentlich so gut wie alles selbst gemacht, mich auch um Licht und Requisite gekümmert. Und vor allem um die Sänger. Denn in nur fünf Tagen, solange die Meisterklasse dauerte, galt es, ihre gesanglichen und schauspielerischen Fähigkeiten „hervorzulocken“ und maximal zu stärken.

globe-M: Im Vergleich zu Mozart ist zeitgenössische Musik weit weniger populär. Wie haben Sie die jungen Menschen überhaupt dazu gebracht, sich damit auseinanderzusetzen?

Maria Husmann: Indem ich den Nachwuchssängern von Anfang an angeboten habe, die Musik in die Klasse mitzubringen, die sie wirklich interessiert. Auf diese Weise entstand ein sehr dankbares Material, dessen Palette von Richard Strauss über Alban Berg, Kurt Weil, Karl-Heinz Stockhausen bis hin zu Musicals und Rock’n’roll reichte.

globe-M: Wie hat das Publikum auf Ihre Inszenierung solch unterschiedlicher Stücke reagiert?

Maria Husmann: Das Publikum ging wunderbar mit!

globe-M: In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und Kraft bei Ihrer Arbeit. Vielen Dank für das Gespräch.

Maria Husmann: Ich danke Ihnen.

 

Weitere Informationen
Maria Husmann in der Kulturdatenbank
Lust auf Neues in DOCK 11 / EDEN

Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

Warning: Duplicate entry '58254862' for key 'PRIMARY' query: INSERT INTO globem_watchdog (uid, type, message, severity, link, location, referer, hostname, timestamp) VALUES (0, 'php', '<em>Duplicate entry &amp;#039;15519857&amp;#039; for key &amp;#039;PRIMARY&amp;#039;\nquery: INSERT INTO globem_accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values(&amp;#039; Lust auf Neues&amp;#039;, &amp;#039;node/14065&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;54.162.107.122&amp;#039;, 0, &amp;#039;977c2f2e3292a79effe871f270dd9acf&amp;#039;, 723, 1506164386)</em> in <em>/kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc</em> in Zeile <em>174</em>.', 2, '', 'http://alt.globe-m.de/de/experts/lust-auf-neues', '', '54.162.107.122', 1506164386) in /kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc on line 174