Malen ist meine Meditation

Foto: Dirk Haase

Ann Besier fasziniert vor allem durch ihre meditativen und symbolreichen Bilder, die in einer Art Traumwelt spielen. Auch im echten Leben wirkt sie sehr ausgeglichen, obwohl Besier nicht nur als freiberufliche Künstlerin arbeitet und viel unterwegs ist. Sie engagiert sich unter anderem ehrenamtlich als Beirätin bei dem größten Künstlerinnenverband Deutschlands, der GEDOK Berlin. Kennt Ann Besier den Schlüssel zur inneren Ausgeglichenheit? globe-M verrät sie ihr Geheimnis und ihre Vorsätze fürs neue Jahr.

globe-M: 2012, war ein recht bewegtes Jahr für Sie. 

Ann Besier: Ja, richtig. Auch aufgrund der Ausstellungen auf Schloss Liebenberg und der Stiftung preußische Schlösser und Gärten in Potsdam, sowie "Compressed" zum zweijährigen Jubiläum der Neonchocolate Gallery im HBC am Alexanderplatz. Als Einstieg hatte ich in Belgien, in Antwerpen, die Ausstellung „Contemporary Art Sucks“, das fand ich sehr schön. 

globe-M: Reisen empfinden viele als stressig. Sie auch?

Ann Besier: Allein schon dieses Gefühl in ein anderes Land zu reisen, ist toll, und einen anderen Rhythmus, eine andere Atmosphäre zu spüren wie das in Berlin der Fall ist. Antwerpen ist eine sehr alte Handelsstadt und es gibt ein chinesisches oder vietnamesisches Viertel. Es macht einfach Spaß ohne einen Reiseführer durch diese Stadt zu gehen, die ja nicht so groß ist und sich überraschen zu lassen. 

globe-M: Ist das vielleicht die Kunst sich einfach mal treiben zu lassen?

Ann Besier: Ja, ich denke ja. Also ohne Plan, aber mit einem Ziel. Ich setze mich ins Auto, weil ich es schöner finde langsam anzukommen und wirklich über die Grenzen zu fahren, zwischendrin Rast zu machen, es mit allen Sinnen zu erleben, dieses andere nach und nach aufzunehmen. Und ich habe gemerkt, dass das auch ganz wichtig ist, gerade wenn man in der Stadt wohnt, dass man sich diese Auszeiten gönnt.  

globe-M: Kommt man so zur Ruhe?

Ann Besier: Auch. Also in erster Linie ist es für mich die Malerei und wenn ich viel im Außen bin, beim Ausstellungsaufbau, Akquise oder auf Vernissagen, merke ich, dass ich einfach wieder Bodenkontakt brauche. Den erreiche ich durch die Natur, aber in erster Linie durchs Malen. Also wenn ich nicht male, bin ich nur halb. Dann werde ich ganz unruhig und habe das Gefühl zu zerfließen.

globe-M: In Ihrer Wohnung hängen viele Ihrer Bilder, welche Beziehung haben Sie zu Ihren eigenen Bildern?

Ann Besier: Das ist wie ein Schutz und manchmal wache ich morgens auf, schaue auf mein Bild mit zwei Antilopen und einem Mädchen und werde ganz ruhig. Meine Bilder sind nicht Mobiliar in dem Sinne, sondern auch ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Ich wechsele sie und ich hatte auch schon Phasen in denen keine Bilder an der Wand hingen. Da geschieht dann gerade in mir ein neuer Prozess, es wird was Neues geboren und es irritiert, wenn man immer auf das alte schaut.

globe-M: Sie wirken immer so zufrieden, ausgeglichen. Worin liegt Ihr Geheimnis?

Ann Besier: Es gibt so Grundpfeiler in meinem Leben. Ich habe einen Alltagsrhythmus, das ist sehr wichtig für mich und ich gönne mir Zeiten, wo ich diesen Rhythmus durchbreche, indem ich andere Dinge mache. Ich tausche mich mit Freunden aus, bin draußen in der Natur, lege Wert auf gutes Essen und die Malerei ist auch Raum für Meditation für mich. Ich habe nicht immer Lust zu arbeiten, aber Disziplin ist ganz wichtig und Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Also das ist ein ganz wichtiger Aspekt für mich. Wenn ich für mich selbst gut sorge, dann ist auch mein Umfeld gut versorgt. Und das entspannt ungemein. 

globe-M: Tragen Ihre Katzen auch zur Ausgeglichenheit bei?

Ann Besier: Ich merke, mir tun die zwei Katzen sehr, sehr gut. Es ist immer jemand da, wenn ich nach Hause komme und natürlich auch in Zeiten, wenn ich ganz aufgewühlt bin, sind meine Katzen ein sehr guter Spiegel. Beide sind nämlich dann auch total aufgewühlt und ich merke dann, wie wichtig es ist, dass ich mich wieder runterfahre. Die zwei brauchen gar nichts Besonderes machen und trotzdem liebe ich sie. Also das ist was ganz Wunderbares.

globe-M: Jetzt gibt es auch weniger schöne Dinge, zum Beispiel die Steuererklärung...

Ann Besier:
Ich bin nicht der Typ, der sich Anfang nächsten Jahres hinsetzt und die Steuererklärung macht. Ich brauche dann schon meine persönliche Aufforderung vom Finanzamt mit Datum. Ich setze mir eine Zeit und innerhalb dieser zwei bis drei Wochen gibt es dann zwei Tage und dann mache ich das und gut ist. Also ich lasse mir immer einen Raum, in dem ich entscheiden kann, wann ich was mache. Das geht dann auch und wenn das vom Tisch ist belohne ich mich natürlich. Ich bin da auch Kind.

globe-M: Was heißt belohnen?

Ann Besier: Na, dass ich dann, wenn das vom Tisch ist, besonders schön am Nachmittag mir Kaffee und Kuchen gönne, also in nem netten Kaffee, das sind mehr so kleine Sachen, es muss jetzt gar nichts Großes sein, oder ich fahre in die Falkensteinstraße und gönne mir da ein ganz leckeres Eis. Also wenn es denn Sommer ist. So eine kleine Belohnung. So ein kleiner Luxus.

globe-M: Ihre Vorsätze fürs neue Jahr?

Ann Besier: Also so weitermachen wie bisher, aber ich möchte mehr ins Gleichgewicht kommen mit meinen Kontakten im Außen. Manchmal bin ich viel zu viel unterwegs und dann kommt doch die Malerei zu kurz. Dann ziehe ich mich komplett zurück und fange an zu arbeiten. Ich möchte gerne, dass dieser Übergang gleitender ist. So weit bin ich noch nicht, aber ich bin auf dem Weg dorthin. 

globe-M: Vielen herzlichen Dank für das entspannte Interview und alles Gute auch im neuen Jahr.

Weitere Informationen

Ann Besier stellt von 5. Januar bis 10 Februar 2013 in den neuen Räume der GEDOK in der Motzstraße 59 in Berlin Schöneberg aus.

Expertenstimmen Archiv

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31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
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23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
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14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
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