Mehr als kleine Strichmännchen

Bild: Aspekte Galerie

Überall fanden sie sich wieder – die kleinen Piktogramme, die vor 40 Jahren von Otl Aicher zur Eröffnung der Münchner Olympiade entworfen wurden. Aber nicht nur die Strichmännchen, sondern sein gesamtes Olymiadesign veränderte das Erscheinungsbild der Stadt nachhaltig, was eine Ausstellung im Münchner Gasteig beleuchtet.

Reduktion auf das Wesentliche

Otl Aicher veränderte 1972 das Stadtbild von München. Aus Anlass des 40. Jahrestages der Olympischen Spiele ist aus der Sammlung Bernd Brandt eine Ausstellung zahlreicher Exponate entstanden: Plakate, Drucksachen und Objekte, einzigartige Zeitdokumente, die Otl Aicher von 1967 bis 1972 mit seinem Team entwickelte. Karsten de Riese, offiziell beauftragter Fotograf für das damalige Organisationskomitee, reflektiert mit farbigen Bildserien Arbeitsprozesse sowie die Realisierung des Designkonzepts von Otl Aicher für die Münchner Spiele.

Weltberühmte Piktogramme

Während der Olympischen Spiele in München waren Aichers Strichmännchen allgegenwärtig. Er erfand Piktogramme, die unsere Kommunikation revolutionierten. Unsere Sprache hat sich längst der Globalisierung angepasst: In chinesischen Restaurants bestellt man zum Beispiel nur nach Nummern, aber schneller und selbstverständlicher funktionieren Bilder oder Symbole. Aicher bediente sich an dem bestehenden visuellen Code der olympischen Spiele in Tokyo 1964 und der Weltausstellung in Montreal 1967. Er arbeitete nach denselben Grundsätzen, die er auch in der eigens gegründeten Ulmer Hochschule für Gestaltung propagierte: einheitliche Strichstärken und Größen sowie eine maximale Reduktion der Elemente. Aber Aicher ging noch weiter: Um Wege zu vereinfachen, entwickelte er Farbsysteme, so wurden verschiedenen Farben ordnende Funktionen zugeordnet.

Olympiafotograf

Karsten de Riese war offiziell beauftragter Fotograf für das Organisationskomitee der Olympischen Spiele 1972 in München und zeigt mit eindrucksvollen Bildserien die Realisierung des Designkonzepts von Otl Aicher. Statt Atelieraufnahmen zu machen, arbeitet er lieber unter Menschen, um ihren Alltag zu erleben. Geboren 1942 in Eisenach, wuchs er zunächst in Göttingen auf, worauf sich eine Ausbildung in München und dann ein Studium der visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Ulm anschloss. Er arbeitet als freiberuflicher Fotograf und Bildreporter für Zeitungen und Magazine.

Vita Otl Aicher

Otl Aicher wurde 1922 geboren. Dem Nationalsozialismus stand er absolut kritisch gegenüber, auch wenn es ihm deutliche Nachteile einbrachte. 1946 begann er ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München und ein Jahr später eröffnete er sein eigenes Atelier in Ulm. 1952 heiratete er Inge Scholl und gründete mit ihr die Ulmer Volkshochschule sowie später eine eigene Hochschule für Gestaltung, in der er als Dozent für Visuelle Kommunikation tätig war. Nebenbei hatte er Gastprofessuren in Yale und Rio de Janeiro inne. 1972 zog er nach Rotis ins Allgäu und gründete dort das Rotis Institut für analoge Studien, wo er die Rotis-Schriftfamilie entwickelte. Aicher verstarb 1991 an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

Weitere Informationen

Ausstellung: Otl Aicher – Design Olympia 72

Bis 9. September 2012, 10-22 Uhr Münchner Volkshochschule Aspekte Galerie

Gasteig Rosenheimer Straße 5

81667 München

Tel.: 089/4 80 06 - 61 85

E-Mail: petra.gerschner@mvhs.de Bilder: Aspekte Galerie

 

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