Mörderische Nische

Cornelia Hüppe-Binder© K.Schielke

Berlin- Charlottenburg. Es ist schon dunkel, kein Mensch weit und breit. Das Schild hängt hoch oben über den Schaufenster, fast hätte man es übersehen. Miss Marple Buchhandlung. Es brennt noch Licht, die Tür quietscht ein bisschen und dann steht da plötzlich…Cornelia Hüppe-Binder ‑ Expertin in Sachen Mord und Totschlag.

Der Laden ist voll bis ins letzte Regal. Nicht weit von hier brummt die Wilmersdorfer Straße mit ihren vielen Geschäften. Bei Miss Marple findet man deutsche, englische, französische und spanische Bücher und CDs für Erwachsene, aber auch für Kinder, insgesamt rund 3500 Titel. Alles gut sortiert.

globe-M: Wieso hast du deine Buchhandlung Miss Marple genannt?

Cornelia Hüppe-Binder: Weil ich so zäh bin wie die kleine Detektivin, ich beiß mich durch, mein Humor ist auch ziemlich trocken. Und an manchen Tagen hab ich genauso schlechte Laune wie sie.

globe-M: Wie kamst du auf die Idee, eine Krimibuchhandlung aufzumachen?

Cornelia Hüppe-Binder: Krimis waren schon immer meine Leidenschaft. Nachdem ich nach der Ausbildung als Buchhändlerin viele Jahre als Betriebswirtin gearbeitet habe, hatte ich Sehnsucht nach meinem ursprünglichen Beruf. Ich hab damals gearbeitet und war sehr unzufrieden. Entschieden hab ich das dann im Februar 2002 bei einem Glas Bier an einer Fischbude auf Sylt. Mein Mann meinte damals, wenn ich nicht wechsle, damit es mir besser geht, lässt er sich scheiden… Also habe ich gedacht, warum nicht Krimi? Ich musste ja eine Nische finden.

globe-M: In Berlin gibt es mittlerweile drei Krimibuchhandlungen. Ist das nicht zuviel für eine Stadt?

Cornelia Hüppe-Binder: Mehr sollten es nicht sein, aber wir sind alle unterschiedlich vom Typ her und wir sind in unterschiedlichen  Kiezen. Wir pflegen ein freundschaftliches Verhältnis miteinander.

globe-M: Viele ganz normale Buchhandlungen überleben nicht lange. Dich gibt es seit jetzt seit über zehn Jahren – was ist dein Erfolgsrezept?

Cornelia Hüppe-Binder: Die Unterstützung durch die Familie steht an erster Stelle, besonders das Engagement meiner Mutter ist sehr wichtig. Ich selbst beute mich gnadenlos aus. Und natürlich sind die regelmäßigen Lesungen in meiner Buchhandlung wichtig, die mittlerweile meist ausverkauft sind.

globe-M: Wie bist du zum Krimi gekommen?

Cornelia Hüppe-Binder: Meine ersten Krimis waren die 3 Fragezeichen. Dann, nach einer langen Pause habe ich 1987 "Gott schütze dieses Haus" von Elizabeth George gelesen, und dann fing es an. Ich lese gerne Krimis, weil ich den Eindruck habe, aktiv zu lesen. Ich habe viel gelernt über Politik und andere Länder beim Lesen von Krimis.

globe-M: Wer sind deine Favoriten?

Cornelia Hüppe-Binder: Ich lese besonders gerne politische Krimis, richtig gute Hardboiled-Krimis, zum Beispiel Sam Miller oder Adrian Mc Kintey, aber auch die klassischen britischen Whodunit und den Franzosen Izzo und viele Skandinavier, beispielsweise Hjorth/Rosenfeldt. Was ich nicht mag sind Psychothriller und eklige Bücher.

globe-M: Von denen es hier ja auch so einige gibt.

Cornelia Hüppe-Binder: Findest du? Die Frage ist, wie man eklig definiert. Was ich nicht mag, ist aufgesetzte Brutalität, wenn’s um das Fiese geht. Will jetzt lieber keine Namen nennen.

globe-M: Wer sind deine Kunden?

Cornelia Hüppe-Binder: Es ist sehr gemischt. Hier in Charlottenburg natürlich eher gutbürgerlich. Am Anfang dachte ich noch, irgendwann stirbt mir die Kundschaft weg, weil alle mehr so im gesetzten Alter waren, wenige Männer übrigens. Das hat sich jetzt vollkommen gedreht, viele junge Leute kommen auch, eigentlich alle von acht bis neunzig. Frauen haben früher 70 Prozent meiner Kundschaft ausgemacht, jetzt hat sich das geändert.

globe-M: Man sagt, dass vor allem Frauen gern brutale Krimis lesen und auch schreiben. Kann man das erklären?

Cornelia Hüppe-Binder: Ich frag mich oft, warum das so ist, hab aber keine Erklärung dafür. Vielleicht das viele Unterdrückte in uns…

globe-M: Und Krimis für Kinder? Hast du auch junge Kunden?

Cornelia Hüppe-Binder: Ja, die Nachbarkinder hab ich mit meinen Gummibärchen, die hier immer rumstehen, angelockt, die kommen jetzt immer wieder, sind groß geworden und bestellen ihre Liebesromane und Schulbücher bei mir. Speziell für Kinder gibt es immer noch die 3 Fragezeichen oder die Berlin-Reihe von Boris Pfeiffer, die ist auch gut.

globe-M: Welche Rolle spielst du hier für die Menschen in deinem Kiez?

Cornelia Hüppe-Binder: Ich bin so eine Art Dorfkrämer, die Leute geben ihre Schlüssel ab, ihre Kinder, manchmal auch ihre Opas… Ich mag den Kontakt mit den Kunden. Ich kann die Leute individuell beraten, von hinten durch die Brust, ich frag, was sie oder die Person, die beschenkt werden soll, sonst noch so gerne liest, aber auch, was sie gerne isst.  

globe-M: So eine Art Anamnese wie in der Homöopathie?

Cornelia Hüppe-Binder: Ja, so könnte man das nennen. Und das mach ich gern.

globe-M: Und die Konkurrenz hier ganz in deiner Nähe ‑ das große Bücherkaufhaus?

Cornelia Hüppe-Binder: Nachdem das vor zehn Jahren hier aufgemacht hat, sind erstmal drei Monate die Kunden weg geblieben. Dann kamen sie wieder. Diese Konkurrenz macht mir eigentlich kein Kopfzerbrechen mehr, die Qual liegt heute eher im Internet und E-Book.

globe-M: Gibt es neue Strömungen in der Krimiliteratur? Welche findest du interessant?

Cornelia Hüppe-Binder: Na manchmal wundere ich mich wirklich, was die Verlage alles raushauen, liest sich oft, als hätte das keiner vorher gelesen. Und es gibt eine regelrechte Flut von Regio-Krimis. Ich finde, die Verlage wagen weniger. Aber es gibt auch tolle Verlage, die dagegen steuern. Bei Suhrkamp gibt es eine gute Krimi-Reihe, den Pulp-Master-Verlag schätze ich sehr und großer Dank gilt dem Alexander-Verlag, der Ross Thomas neu übersetzt und wieder zum Leben erweckt hat.

globe-M: Was war die traurigste Erfahrung, seitdem du diese Buchhandlung hast?

Cornelia Hüppe-Binder: Die traurigste Erfahrung war kurz nach der Eröffnung der erste Adventssamstag, an dem der Laden leer blieb und ich abends genau 8,50 Euro Umsatz gemacht hatte. Aber das verkaufte Buch war Paddington mit Miss Marple, und so dachte ich, na gut, es wird weitergehen. Jetzt bin ich immer traurig, wenn ein Kunde mit meinem Lieblingskrimi nicht zufrieden war.

globe-M: Und die schönste?

Cornelia Hüppe-Binder: Es gibt viele schöne, immer dann, wenn Kunden zufrieden sind mit meinen Empfehlungen, bin ich glücklich.

globe-M: Und die nächste Lesung?

Cornelia Hüppe-Binder: Die nächste ist ausverkauft, wir haben achtundvierzig Plätze, die sind immer schnell weg. Die übernächste ist am 25. September, da kommt ein dänisches Autorenduo, Anders Klarlund und Jacob Weinreich, besser bekannt als A. J. Kazinski, die lesen aus ihrem neuen Kriminalroman "Der Schlaf und der Tod". Das wird deutsch-englisch moderiert, von Regula Venske.

globe-M: Miss Marple - wir danken für das Gespräch.

 

Weitere Informationen

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Expertenstimmen Archiv

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09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
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12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
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17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
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