Mut steht ihr gut

Jessica Ginkel © Chris Gonz

Jessica Ginkel ist bekannt aus „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. Aus der Daily Soap-Darstellerin ist eine selbstkritische Schauspielerin geworden. Seit ihrem Ausstieg aus "GZSZ" 2009 hat sie sehr diszipliniert an ihrem Handwerk gearbeitet ‑ der Lohn: Hauptrollen in dem Film „Oh Shit“ oder in der Serie „Lena – Liebe meines Lebens“. Demnächst ist sie in der neuen RTL-Serie „Der Lehrer“ zu sehen. Mit globe-M sprach die 33-Jährige über ihre Entwicklung, die Fernsehbranche und einen Kürbis im Apfelbaum.

globe-M: Wenn man sich Ihr Material der letzten Jahre ansieht, bemerkt man eine große Entwicklung. Wie kam es dazu?

Jessica Ginkel: Ich hatte das Bedürfnis, an mir zu arbeiten und mich in andere Richtungen zu entwickeln, den Horizont zu erweitern. Die Projekte, die gekommen sind, haben dann auch andere Dinge von mir verlangt.

globe-M: Hatten Sie nach „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ das Gefühl, dass man ehemaligen Soap-Darstellern mit Vorurteilen begegnet?

Jessica Ginkel: Hmm – Ja und Nein. Es gab ein, zwei Situationen, in denen ich dachte, dass ich plötzlich anders behandelt wurde als Leute erfuhren, dass ich von einer Soap komme. Was ich allerdings öfter merkte, waren Vorurteile darüber, dass ich keine Schauspielschule besucht habe. 

globe-M: Die Grenzen scheinen heute durchlässiger zu sein: Telenovela-Darsteller können heute auch Filmrollen bekommen. Wie sehen Sie das?

Jessica Ginkel: Ich kann natürlich immer nur von mir sprechen. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich auch Casting-Einladungen für große Kinoprojekte bekomme. Neulich meinte allerdings ein Produzent zu mir, dass es schwierig wäre, mehr als einen Soap-Schauspieler in einen Kinofilm zu bringen, da man dann Probleme mit der Finanzierung bekäme. Wie es wirklich läuft weiß ich leider nicht.

globe-M: Viele Schauspieler beschweren sich über Besetzungsklischees. Haben Sie den Wunsch mal ganz gegen den Typ besetzt zu werden oder eine Seite von sich zu zeigen, die man noch nicht kennt?

Jessica Ginkel: Mir macht Veränderung großen Spaß. Natürlich habe auch ich Lust etwas zu spielen, was auf den ersten Blick ganz weit weg von mir scheint. Aber auch das, was sehr offensichtlich ist, macht mir Spaß: Ich will einfach nur spielen und entdecken.

globe-M: Sie haben schon mehrere Serien-Hauptrollen hinter sich. Was ist der Reiz daran, täglich eine Rolle neu zu entdecken?

Jessica Ginkel: Es gibt mehrere Seiten, die mich daran reizen. Zum Beispiel meine Figur immer mehr zu entdecken, ihr möglichst viele Facetten zu geben, am Anfang noch nicht genau zu wissen, wohin die Reise geht und sich überraschen zu lassen. Das tägliche Drehen ist klasse und in diesem Beruf nicht alltäglich. Und nicht zu vergessen ist die Arbeit in einem festen Cast und einem Team, es ist etwas Großartiges, man wächst für diese Zeit wie eine Art Familie zusammen. Ich mag das sehr.

globe-M: Wie verbringen Sie ihre drehfreie Zeit? Das kann für viele Schauspieler eine Herausforderung sein, denn sie schaffen die Balance zwischen An-und Entspannung nicht.

Jessica Ginkel: Ich versuche viel für meinen Beruf zu machen und besuche regelmäßig Schauspielklassen. Aber ich brauche auch Entspannung! Ich fahre dann Motorrad, gehe zum Sport, treffe Freunde oder verkrümele mich in den Garten. Ich züchte gerade wunderschöne Kürbisse, einen habe ich sogar in den Apfelbaum verpflanzt!

globe-M: Gibt es eine Rolle, die Sie gerne spielen würden oder gerne gespielt hätten?

Jessica Ginkel: Ich bin ein großer Fan von Nele Neuhaus. Ich liebe ihre Krimis und finde, dass die Figuren viele verschiedene Facetten haben. Ich dachte mir immer, wenn das verfilmt wird, möchte ich die Pia Kirchhoff spielen! Neulich mache ich den Fernseher an und sehe, dass einer tatsächlich verfilmt wurde und Felicitas Wolle diese Rolle übernommen hat. Mist, dachte ich nur, aber selbstverständlich gönne ich es ihr!

globe-M: Was würden Sie in der Branche verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Jessica Ginkel: Ich wünsche mir mehr Mut! Ich wünsche mir, dass der Atem mal länger ist, und dass Sendungen nicht sofort nach schwacher Quote abgesetzt werden! Man darf nicht aus Mutlosigkeit eine Serie absetzen! Das finde ich schade.

globe-M: Wie wichtig ist für Sie Öffentlichkeitsarbeit? Einige Ihrer ehemaligen Kollegen aus „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ verwenden die Presse nicht nur um ihr Privatleben darzustellen, sondern auch um ihre  Karriere anzukurbeln. Wie stehen Sie dazu?

Jessica Ginkel: Ich finde, man darf sich nicht ganz vor den Medien verschließen. Serien haben eigene Pressestellen und wollen immer wieder die Serie ins Gespräch bringen. Das bedeutet, dass nicht zwingend die Schauspieler selbst sich in die Presse bringen wollen, vieles davon wird ihnen angeboten. Presse ist ein Teil der Arbeit. Prinzipiell muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Linie er da fährt und mit was er sich wohlfühlt.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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