Nächtliche Youtube-Fantasien

Selbstporträt © Scott King

Eigentlich wollte Scott King Rockstar werden, stattdessen gestaltete er Cover von Pop-Bands wie den Pet Shop Boys oder Morrissey sowie Popmusik- und Modemagazine. 2011 kreierte er für das Magazin Sleazenation ein Cover mit Cher, die auf rotem Hintergrund eine Che Guevara-Mütze trägt. King stellte bereits im New Yorker MoMA aus oder im ICA in London. Auf dem „Foreign Affairs“-Festival stellt er mit „Festival of Stuff“ sein eigenes kleines Festival auf die Beine, das eigentlich ein Youtube-Performance-Kunstprojekt ist.

globe-M: Was ist das „Festival of Stuff“?

Scott King: Ich möchte den Moment rekonstruieren, wenn ich um zwei Uhr morgens vom Pub mit ein paar Drinks intus nach Hause komme und auf Youtube klicke. Jeder erstellt eine Art Selbstporträt, wenn er auf Youtube klickt. Wir sehen uns Dinge an, die wir in unserer Jugendzeit liebten, oder letztes Jahr oder jetzt. Meine Bezeichnung für großartiges, musikalisches Material auf Youtube ist eben „Stuff“ (Zeug). Ich kombiniere sie mit vier, fünf oder sechs anderen Werken von anderen Künstlern oder Live-Performances, die sich auf Ideen stützen, die ich spät in der Nacht hatte. 

globe-M: Werden es bekannte Tracks sein oder hast Du ganz tief gegraben?

Scott King:
Die Klicks bei Lady Gaga-Videos liegen bei zwölf Millionen. Dinge, die ich sehe, hatten vielleicht zwölf Besucher.  Ich war und bin immer an der Verschmelzung von Pop und Kunst interessiert. Vieles, was ich verwende, ist Popmusik, die es nicht nach oben schaffte. Die Leute, die das Video machten oder im Video live performten, machten diese Musik, weil sie glaubten, dass sie Mainstream sei, aber dann wurde es „Stuff“ ‑ eine verlorene Form von Kunst.

globe-M: Warum räumst Du Youtube so einen hohen Stellenwert ein?

Scott King:
Ich mache keine traditionelle Videokunst, es ist Konzeptionskunst. Meine Idee dahinter ist, dass vieles von dem, was auf Youtube gezeigt wird, besser, interessanter, dynamischer und kulturell wichtiger ist als das, was in Museen oder Kunstgalerien wandert. Diese Dinge sind oft besser als die zeitgenössische Kunst. Diese ist eben nicht von mir gemacht, sondern von den Bands auf Youtube. Viele existieren schon längst nicht mehr.

globe-M: Damit erklärt sich der Untertitel: „A Laptop Late-Night Fantasy“, aber warum sprichst Du von Festival?

Scott King: Es ist weniger ein Festival, als ein einziges Stück Kunst mit einer Länge von ungefähr einer Stunde, welches ich mit Unterstützung von vielen geschaffen habe mit Elementen eines Festivals wie eine Mini-Rock-Oper.

globe-M: Eine Mini-Rock-Oper?

Scott King: Ja. Ich habe sie mit Luke Haines geschrieben. Die Oper handelt von Mark E. Smith, dem Sänger der Avantgarde-Rock-Band „The Fall“, der in einen Autounfall mit Ian Stuart Donaldson der Punkband „Skrewdriver“ gerät. Im übertragenen Sinne ist das der Zusammenstoß zwischen diesen zwei gegensätzlichen Kulturen. Außerdem haben wir tanzende Transvestiten, die hoffentlich sehr glamourös wie Las Vegas-Showgirls mit Bärten aussehen. Sie tanzen zu einem Song namens „East“ von einer meiner Lieblingsbands „Earl Brutus“. Der Sänger verweilt nicht mehr unter uns, aber ich widme ihm und der Band den Song: Ein Mann wollte eine Frau werden, durfte es in Ostberlin nicht und ging in den Westen. 

globe-M: Und wie bestimmst Du die Reihenfolge der Videos und Performances?

Scott King: Als ehemaliger Art Director eines Magazins gestaltete ich ähnlich wie ein Magazin: Erst etwas, das sehr traurig ist und vom Tod handelt, dann etwas sehr buntes. Die Reihenfolge mag auf andere Leute verrückt wirken, sie würden es anders arrangieren. Kunst ist etwas persönliches, so ist es bei jeder Kunstform auch.

globe-M: Wie wird der Abend ablaufen?

Scott King: Fanmaterial aus Dokumentarfilmen oder Filmen habe ich an den Anfang gestellt, die zehn bis fünfzehnminütige Mini-Rock-Oper mit Luke Haines steht in der Mitte und am Ende des Abends findet ein Ian Curtis-Dance Contest statt.

globe-M: Kannst Du den Abend kurz zusammenfassen?

Scott King: Schmerzhaft, möglichweise schön, möglicherweise hässlich, interessant, emotional und hoffentlich umwerfend komisch. Ich wollte etwas machen, was etwas mit Kunst und Theater zu tun hat und hoffe, dass die Leute Spaß daran haben.

Weitere Informationen

Festival of Stuff – A Laptop Late-Night-Fantasy

Konzept: Scott King
Musik & Performance: Luke Haines, Matthew Sawyer, Russell Haswell, The Romanian Karaoke Pistols, Lady Bruts of Disco, The Ian Curtis Dance Contest, Jeremy Deller
Pop-Schrott: Bob Stanley
Texte: Tom Morton, Bob Stanley, Matt Worley

Am 10. und 11. Juli, jeweils um 23 Uhr

Ort:
Haus der Berliner Festspiele
Schaperstr. 24, 10719 Berlin

Das „Festival of Stuff“ findet im Rahmen des „Foreign Affairs“-Festivals statt, das internationale Festival zeitgenössischer performativer Künste in Berlin. Es läuft noch bis zum 13. Juli 2014. Außerdem stellt Scott King unter dem Motto „Totem Motif“ im Between Bridges, Keithstr. 15, 10787 Berlin aus. Die Ausstellung endet am 12. Juli.

Expertenstimmen Archiv

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12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
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11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
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20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
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