Neue Töne aus der Uckermark

© Thomas Bartilla

Längst ist das Ensemble Quillo eine exklusive Adresse für Neue Musik und ihre Vermittlung an Jugendliche. Gegründet wurde es 2004 von Ursula Weiler, die bis dahin Solo-Flötistin des Preußischen Kammerorchesters war. Inzwischen wurde die künstlerische Arbeit des Ensembles mehrfach mit Preisen gewürdigt. Der Name spielt auf das Flüsschen Quillow an, das durch viele Dörfer der Uckermark fließt.

globe-M: Die Uckermark ist nicht unbedingt für revolutionäre Projekte berühmt. Oder doch?

Ursula Weiler: Neue Musik hat es überall schwer. Die Abgeschiedenheit des Sitzes des Ensembles, Falkenhagen bei Prenzlau, erlaubt es uns aber, ganz eigene Projekte zu verwirklichen, die in einer Großstadt wie Berlin vielleicht gar nicht zu realisieren wären.

globe-M: Woran liegt das?

Ursula Weiler: Wir legen Wert darauf, dass die Künstler, die miteinander an einem Projekt arbeiten, auch währenddessen zusammen leben. Da wir seit 2007 über ein eigenes Proben- und Konzerthaus verfügen, das über das europäische Programm LEADER+ gefördert wird, können Aufführungen entstehen, die ganz eigen und unverwechselbar sind. 

globe-M: Das war sicher ein langer Prozess.

Ursula Weiler: Ja. Zunächst haben wir uns als Ensemble einkaufen lassen. 2005 stellten wir die Musiker für die Aufführungen des Mahagonny-Songspiels von Brecht und Weill im Rahmen der Jüdischen Kulturtage in Berlin und für „Die Dreigroschenoper“ in Bad Hersfeld 2006. Doch unverwechselbar ist die Arbeit des Ensembles erst 2009 geworden, als wir die Reihe Neue Musik eingerichtet haben. Möglich war dies durch die Förderung des Brandenburgischen Ministeriums für Forschung, Wissenschaft und Kultur. Eine der ersten Produktionen, Hans Werner Henzes „El Cimarron“, gastierte 2011 erfolgreich in der Werkstatt der Staatsoper Berlin im Schillertheater und in Gütersloh. 

globe-M: Worin besteht das Unverwechselbare ihrer Jugendprojekte?

Ursula Weiler: Es geht uns vor allem darum, Jugendliche selbst etwas auf den Weg bringen zu lassen, statt ihnen vorgefertigtes Material zu geben, das allein zu reproduzieren ist. Dazu ist viel Zeit nötig.

globe-M: Wie verbinden sie die Vermittlung von zeitgenössischer Musik mit Jugendarbeit?

Ursula Weiler: Zunächst wären dazu die Familienkonzerte zu nennen, bei denen zu bekannten Märchen eigens dazu komponierte Musik gespielt wird. Zu den „Bremer Stadtmusikanten“ hat der Schweizer Komponist Franz Tischhauser die Musik geschrieben.

globe-M: Da sind die Kinder und Jugendliche noch nicht aktiv beteiligt?

Ursula Weiler: Nein. Dazu haben wir die Junge Opernwerkstatt ins Leben gerufen. 2007 hat der Komponist Hans Jürgen von Bose eine Komponistenwerkstatt geleitet, in der junge Menschen Texte anderer Jugendlicher vertont haben. Daraus entstand die Oper „OTTO“. Die„Heldinnen der Uckermark“ waren noch viel improvisierter: Drei Texte von Schülern aus der Uckermark wurden von den Komponisten David Robert Coleman, Mark Moebius und Helmut Oehring zu kurzen Musiktheaterszenen vertont. In den Opernwerkstätten werden in Eigenregie Kostüme gestaltet, Bühnenbilder gebaut und über einen langen Zeitraum die Opernaufführungen entwickelt. Die aktive Beteiligung der Jugendlichen benötigt Zeit, die wir uns auch nicht nehmen lassen. Bis zur Aufführung können so 18 Monate vergehen.

globe-M: Sie haben auch Film-Musik-Projekte für Kinder und Jugendliche realisiert?

Ursula Weiler: Hier wäre der 2008 in Zusammenarbeit mit der Akademie der Künste entstandene Film „ANNA“ zu nennen. Wir haben gar nicht festgelegt, ob die Musik auf die Filmsequenzen erfunden oder die Filmsequenzen zur Musik eingerichtet werden sollen. Die Musik für Flöten und Schlagzeug war allerdings nicht improvisiert wie zu früheren Zeiten, sondern auskomponiert. Noch offener war das Filmprojekt „Sie wissen es nicht, aber sie tun es“, das mit Langzeitarbeitslosen gemacht wurde. Apropos Langzeitarbeitslose: In einem anderen Projekt haben Langzeitarbeitslose des Dorfes Musikinstrumente gebaut, die im Anschluss Schülern der Kooperationsschulen zur Verfügung gestellt wurden.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

 

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Ensemble Quillo 

 

 

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10.Jan.2014Leben als Kunstform
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31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
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20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
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23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
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14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
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26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
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11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
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30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
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