Schauen und Staunen

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Ursula Klaus ist so, wie man sich eine echte Wienerin gern vorstellt: charmant, elegant und humorvoll – und somit die beste Visitenkarte dieser Stadt, die sie als Fremdenführerin den Menschen aus aller Welt näher bringt. globe-M hat mit der studierten Kunsthistorikerin über Smartphones und ihre Lieblingsplätze in Wien gesprochen.

 

globe-M: Ursula, Sie haben Geschichte, Publizistik und Kunstgeschichte studiert. Muss man einen Magistertitel haben, um der österreichischen Hauptstadt als Fremdenführer gerecht zu werden?

Ursula Klaus: Fremdenführer müssen eine Ausbildung absolvieren, die vier Semester dauert und mit einer staatlichen Prüfung in Deutsch und mindestens einer Fremdsprache abschließt. Aber selbstverständlich sind eine fundierte Ausbildung und gute Allgemeinbildung die Voraussetzungen für diesen Beruf. Daneben gehört aber auch die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen dazu, da sich die Stadt ständig verändert.

globe-M: Es gibt inzwischen gewitzte Apps, die einem jede Stadt genau erklären. Werden Fremdenführer bald durch Smartphones ersetzt?

Ursula Klaus: Mein Akku hält länger!

globe-M: Das glaube ich gern. Sie sind ein wahres Energiebündel. Nur kann ein Smartphone auf das gesamte Wikipedia-Wissen zurückgreifen. So viele Informationen kann doch kein Mensch im Kopf behalten.

Ursula Klaus: Man kann natürlich nie „alles“ wissen – auch wenn einige Kollegen dem sehr nahe kommen. Aber eine Führung ist ja nicht alleine für die Wissensvermittlung da. Man gibt den Menschen die Erinnerung an einen schönen Tag in Wien mit, vermittelt aber auch neue Sichtweisen, Respekt vor anderen Kulturen und Religionen, Verständnis für Eigenarten. Zusammen Schauen und Staunen – darum geht es mir bei einer Führung.

globe-M: Haben Sie schon einmal selbst bei einer Führung etwas gelernt?

Ursula Klaus: Selbstverständlich. Immer wieder entdecke ich etwas Neues, manchmal scheint mir Wien unergründlich zu sein. Man kann auch von den Gästen sehr viel lernen.

globe-M: Sie haben ständig Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen. Geht es ihren Gästen immer darum, sich bilden zu wollen?

Ursula Klaus: Ja, aber gleichzeitig ist es auch Freizeitgestaltung. Bildung und Spaß sollen Hand in Hand gehen. Das gilt für eine Gruppe 19-jähriger Collegestudenten genauso wie für einen Seniorenausflug. Ich halte nichts von auswendig gelernten Touren, wo wir wieder bei Smartphones wären. Jede Führung soll individuell auf die Interessen der Gruppe und deren Vorwissen abgestimmt sein. Ich frage immer als Erstes, woher die Leute kommen und was sie schon gesehen haben.

globe-M: Wäre es fair eine Fremdenführerin über ihre Lieblingsplätze zu fragen?

Ursula Klaus: In der Tat eine schwierige Frage. Also, ich kann gern einen ganzen Tag in der kaiserlichen Sommerresidenz Schönbrunn verbringen. Auch die unvergleichliche Vielfalt des Naschmarkts wäre alleine schon die Reise wert. Sehr beeindruckend finde ich noch nach mehrmaligen Besuchen den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Ganz zu Recht zählt er zu den schönsten historischen Bibliotheken der Welt. Mit seinen Fresken unter der 30 Meter hohen Kuppel ist er wahrhaftig eine „Kathedrale des Wissens“.

globe-M: Danke für die Tipps.

Ursula Klaus: Geheimtipps gibt es, wenn Sie wieder nach Wien kommen.

globe-M: Ich werde Sie beim Wort nehmen!

Weitere Informationen:

Ursula Klaus hat ihren Magister in Kunstgeschichte, Geschichte und Publizistik gemacht. Seit 1997 ist sie als staatlich geprüfte Fremdenführerin in Wien tätig. Ihre Schwerpunkte; Jüdisches Wien, Jugendstil, Wien per Rad in Deutsch und Englisch.

 

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