TV-Million durch Cannabiskampagne

© Georg Wurth

Ein TV-Flop wurde für Georg Wurth zum Glücksfall. Der Vorsitzende des Deutschen Hanf Verbands (DHV) bewarb sich bei der diesjährigen „Millionärswahl“ im TV mit einem Hanf-Legalisierungs-Projekt. Als das Finale ins Netz abwanderte, setzte sich Wurth durch seine große Anhängerschaft im Online Voting gegen die anderen Konkurrenten durch. Georg Wurth spricht auf der Webkonferenz re:publica über erfolgreiche Online-Kampagnen und was der Sieg im TV für Cannabisfans zu bedeuten hat.

globe-M: Herr Wurth, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit Ihrem Projekt für die „Millionärswahl“ zu bewerben?

Georg Wurth: Einige Mitglieder und Freunde haben uns auf das Format aufmerksam gemacht. Wir haben uns das angesehen und gedacht: Warum nicht? Der Aufwand war zunächst überschaubar und die Chance, die TV-Phase zu erreichen, größer als ein Sechser im Lotto. An die Million haben wir dabei zunächst weniger gedacht als an die öffentliche Aufmerksamkeit.

globe-M: Ihre Konkurrenten waren neben Tanz- und Musikprojekten politische und soziale Projekte wie beispielsweise Schulen und Krankenstationen in Guinea oder der Bau von Trinkwasserbrunnen in Entwicklungsländern. Wie setzten Sie sich gegen die 48 Konkurrenten durch?

Georg Wurth: Ich denke, ich war tatsächlich der Einzige mit einem klar politischen Thema. Schulen und Brunnen in Afrika sind sinnvolle soziale, gesellschaftliche Projekte, aber diese Kandidaten waren nicht darauf aus, konkret politische oder rechtliche Verhältnisse zu ändern. Ich war auch der einzige Kandidat, der in der Vorrunde und im Finale nur geredet hat und ansonsten keinerlei Show geboten hat. Ich war selbst erstaunt, dass ich damit in einer solchen Unterhaltungssendung gewinnen konnte. Die große Online-Community war sicher ein wichtiger Faktor dabei. Letztlich habe ich im Finale durch die vielen Telefon-Votes gewonnen. Das zeigt einerseits, dass Facebooker auch telefonieren können, andererseits aber auch, dass über diese Community hinaus ein großer gesellschaftlicher Bedarf nach Änderung der Cannabispolitik besteht. 20 000 neue Facebook-Fans nach der Show sprechen auch dafür, dass mein Auftritt über unsere ursprüngliche Community hinaus vielen Leuten gefallen hat.

globe-M: Wie wichtig ist Anonymität im Netz, auch in Bezug auf Ihr Projekt?

Georg Wurth: Überwachung im Netz ist ein großes Thema, aber ich bin immer erstaunt, wie wenig Leute konkret etwas dagegen tun. Email-Verschlüsselung wird zum Beispiel kaum verwendet. Klar sind viele einigermaßen anonym auf Facebook unterwegs, aber die meisten benutzen doch ihre echten Namen. Für uns ist es entscheidender, dass die Leute ihre Angst überwinden, ihre Meinung "pro Legalisierung" zu offenbaren. Es fällt vielen Leuten immer noch schwer, uns zu "liken" oder finanziell zu unterstützen. Aber gerade hier haben wir in den letzten Jahren dramatische Fortschritte gemacht. Mittlerweile sind es Hunderttausende, die im Netz irgendwie erkennbar zur Cannabislegalisierung stehen. Vielleicht ist das auch eine Art trotzige Gegenreaktion auf die Überwachungsdiskussionen ‑ nach dem Motto "Die überwachen sowieso jeden meiner Klicks, ich like jetzt den DHV, was wollen Merkel und Obama schon gegen 90 000 Fans machen? Sollen sie doch kommen..."

globe-M: Was ist das Geheimnis einer guten Online-Kampagne?

Georg Wurth: Das Wichtigste ist ein gutes Thema. In unserem Fall geht es um Millionen Betroffene, die mit erheblichen strafrechtlichen und anderen Konsequenzen bedroht sind für etwas, das kein Unrecht ist und niemand anderem schadet. Da schlummert also ein riesiges Protestpotential, das wir bündeln wollen. Die direkte Reichweite des DHV haben wir vor allem durch unsere Homepage und unseren Facebook-Auftritt aufgebaut, die beide seit Jahren regelmäßig mit frischen Informationen bestückt werden. Und wir haben für die Millionärswahl-Kampagne mit vielen anderen Seiten, Bloggern, Youtubern und Szenemedien zusammengearbeitet. Es haben alle an einem Strang gezogen, das war klasse!

globe-M: Warum ist Cannabis so wichtig für die Online Community? Schließlich haben Sie ja gewonnen…

Georg Wurth: Intensive Internetnutzung und Cannabis sind beide in den jüngeren Generationen weiter verbreitet. Davon abgesehen beschränkt sich das Interesse an dem Thema aber nicht auf Online Communities. Konsumenten gibt es überall und die Prohibition ist für die gesamte Gesellschaft schädlich, nicht nur für die Konsumenten. Es ist nur so, dass wir mit unserem überschaubaren Budget im Internet leichter die Leute erreichen.

globe-M: Was passiert jetzt mit der Million?

Georg Wurth: Wir werden einerseits die DHV-Strukturen stärken, um mehr Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit machen zu können. Wir werden die Homepage und den Youtube-Auftritt renovieren und die Qualität unserer eigenen Videos verbessern. Auch einige Partnerorganisationen haben schon etwas abbekommen. Der größte Teil des Geldes wird aber in professionelle PR-Filme fließen. Es wird die ersten TV-Spots zur Legalisierung im deutschen TV und in den Kinos geben.

globe-M: Sie sind Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft „Drogenpolitik“ von „Bündnis 90/Die Grünen“ und des dazugehörigen Bundesnetzwerkes. Angela Merkel ludt Sie 2011/2012 zum „Zukunftsdialog“ ein. Gibt es eine Wende in Richtung Legalisierung von Cannabis?

Georg Wurth: In der gesellschaftlichen Diskussion und in den Medien hat tatsächlich eine Wende stattgefunden. Die Politik ist aber noch nicht soweit. Die großen Volksparteien CDU/CSU und SPD haben noch nicht verstanden, dass das Zeitalter der Cannabisprohibition zu Ende geht. Die komplette Legalisierung in Colorado, Washington und Uruguay kommt einem Dammbruch gleich. Die weltweite Gleichschaltung einer repressiven Cannabispolitik ist damit Geschichte.

globe-M: In Berlin gibt es die Diskussion, einen Coffeeshop am Görlitzer Park zu eröffnen. Sicherlich verfolgen Sie die Diskussion eifrig. Wie ist der Stand der Dinge?

Georg Wurth: Das Ganze ist ein langsamer und zäher Prozess. Der Beschluss des Bezirksparlaments, das Modellprojekt zu wagen, ist jetzt schon ungefähr ein halbes Jahr her. Der nächste Schritt ist, dass es Expertengespräche oder runde Tische geben muss, wo die genauen Rahmenbedingungen geklärt werden müssen, nach denen dann ein Antrag an das Bundesinstitut für Arzneimittel formuliert werden muss. Allerdings scheint wahrscheinlich, dass das Bundesinstitut diesen Antrag ablehnen wird. Dagegen kann dann eventuell geklagt werden. Das kann sich alles noch recht lange hinziehen. Ein solches Modellprojekt wird auch in anderen Kommunen diskutiert. Das könnte die Sache beschleunigen und die ersten Hanffachgeschäfte oder Anbauclubs in Deutschland wahrscheinlicher machen.

 

Weitere Informationen

Georg Wurth spricht am 8. Mai 2014 von 11:15-11:45 Uhr auf der Berliner Webkonferenz re:publica 14 zum Thema „Wie ich 1 Million € für die Cannabislegalisierung gewann “

 

Über die re:publica (siehe Veranstalterwebsite):

Seit ihrer Gründung 2007 hat sich die re:publica von einem Treffen deutscher Bloggerinnen und Blogger zu einem der weltweit wichtigsten Festivals der digitalen Gesellschaft entwickelt, zu dessen achter Ausgabe 2014 mehr als 5000 Gäste erwartet werden.

Weitere Interviews zur re:publica:

David Hasselhoff - singt für globe-M, Alexa Clay - Von Hackern und Hippies lernen, Jean Peters - Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen

Nachbericht re:publica

 

Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
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08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

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