„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“

 © Sebastian Urzendowsky

Gibt es eine neue Ära des Stummfilms? Immer öfter werden Stummfilmklassiker mit Liveorchester aufgeführt. Passend zum Münchener Filmfest findet am 29. Juni im Münchner Club „Milla“ ein Stummfilm-Event des Künstlerkollektivs „Videokills“ statt – allerdings mit modernen Stummfilmen, die alle das Thema Stadt behandeln. JJ Weihl, die auch bei der amerikanisch-deutschen Musikerkombo Fenster spielt, steht Rede und Antwort.

globe-M: Der Name des Kollektivs ist „Videokills“. Wen oder was bringt Videokills um?

JJ Weihl: Wir leben in der Vergangenheit einer Generation und in der Zukunft einer anderen Generation. Ich bin in den Neunzigerjahren aufgewachsen, einer unschuldigen Zeit, als das Internet noch ein abstraktes Konzept war und nicht tägliche Realität. Es war die Zeit der VHS, Kassetten und Walkmans, Dinge, die wir einst als Sachobjekte sahen, aber die schnell zu Museumsstücken wurden. Videokills klingt wie etwas ominiöses, aber doch ansprechendes. Ein Wort, das unsere Beziehung zu Technologie als Romanze und Kriminalstück umreißt. Ich fühlte mich immer von Nostalgie angezogen, aber von Fetischismus abgestoßen. Video ist das Medium, das den Weg für die Youtube-Revolution ebnet. Film wurde einst als heilig angesehen und jeder mit einem Videorekorder oder iPhone kann heutzutage seine Geschichte erzählen. Die Demokratisierung des Mediums interessiert mich.

globe-M: Was ist an dem „Explorer Series“-Konzept so besonders?

JJ Weihl: „Explorer Series“ ist eine Wanderausstellung, die Stummfilme mit Livemusik kombiniert. Diese Events schaffen Platz für Erfahrungen zwischen Visual Artists, Musikern und Zuschauern in einer Vielfalt von interessanten Orten und Städten auf der ganzen Welt. Wir waren mit den „Explorer Series“ bereits in Berlin, London, New York, Barcelona und jetzt in München.

globe-M: Es ist also modernes Stummfilmkino. Was ist am Stummfilm so faszinierend?

JJ Weihl: Die Erfahrung, wenn man beispielsweise einen Charlie Chaplin-Film mit einem fantastischen Live-Klavier sieht, spricht für sich. Heutzutage erfahren das die meisten Leute nicht. Es ist eine andere Dimension von passivem Konsum, man teilt sich einen Raum mit anderen und es ist eine universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren.

globe-M: Diesmal ist das Thema „Invisible City Symphonies“…

JJ Weihl: Ja. Wir setzen uns thematisch mit Stadträumen in visueller, abstrakter, konzeptioneller und auditiver Hinsicht auseinander und stellen Stummfilme in einen zeitgenössischen Kontext. Videokills hofft, die Produktion von Stummfilmen zu unterstützen und die Möglichkeiten des Mediums neu zu erfinden. 

globe-M: Was müssen Stummfilmer beachten, wenn sie sich bei euch bewerben?

JJ Weihl: Was Allen Ginsberg in seinem Gedicht „Howl“ meint: „The ancient heavenly connection to the starry dynamo in the machinery of night”. Und damit meine ich, verschiedene Künstler weltweit miteinander zu verknüpfen, die sich sonst nicht getroffen hätten und die Zusammenarbeit zwischen ihnen zu vereinfachen.

globe-M: Also kann euch jeder Videos schicken? Was war das verrückteste?

JJ Weihl: Leider sind sie eher langweilig als verrückt. Leute, schickt mehr verrückten Kram!

globe-M: Und Dein Favorit?

JJ Weihl: Eine definitives Highlight in München ist ein Stück namens „Infinity Portrait“ von Andre Uhl, einem deutschen Künstler, der jetzt in Japan lebt. Er verwendet 3D, um ein Bild aus Punkten zu kreieren, der Effekt zieht einen in den Bann. Man kann nicht sagen, ob man die blinkenden Lichter einer Stadt oder die Umrisse eines Gesichtes sieht.

globe-M: Was erwartet Besucher bei der Veranstaltung „Invisible Cities“?

JJ Weihl: Das Konzept ist nicht so wörtlich zu nehmen. Einige Videos beziehen sich auf eine konkrete Stadt, andere sind abstrakter. Es gibt einen Roman von Italo Calvino, der nennt sich „Invisible Cities“. Calvino schreibt, dass Bilder aus der Erinnerung gelöscht werden, sobald sie in Worten ausgedrückt sind. Ich glaube, bei den Videos ist es ähnlich.

globe-M: Kann man sagen: „Video killed the movie star“?

JJ Weihl: Einige Mysterien sollte man nicht aufklären, vielleicht war es der Gärtner.


Weitere Informationen

JJ Weihl ist in New York City geboren. Sie lebt in Berlin und tourt als DJane und mit ihrer Band „Fenster“. Am 29. Juni 2014 findet im Rahmen des Filmfests München die Veranstaltung „The Explorer Series: Invisible City Symphonies“ statt. Einlass ist um 20:30 Uhr, Beginn um 21 Uhr im Milla Club, Holzstraße 28, 80469 München.
 

Expertenstimmen Archiv

DatumSortiericonTitel
29.Sep.2014Selbstauswertung bis hin zum Ernstfall
25.Sep.2014Positionen zur Positions
25.Sep.2014"Der Berliner Mythos allein zieht nicht mehr"
24.Sep.2014Neue Positionen beziehen
21.Sep.2014Tanzskulpturen
09.Sep.2014Erst Marathon, dann Freakshow
06.Sep.2014Choreographie der Schwerelosigkeit
06.Sep.2014Das Dunkle in uns
06.Sep.2014„Manchmal ist das Narrativ fast tyrannisch“
04.Sep.2014„Wir schulden den Bayaka unseren Film“
31.Aug.2014Katharsis durch Reizüberflutung
20.Aug.2014„Georgien ist näher am Leben.“
16.Aug.2014Nicht nur in Stein gemeißelt
14.Aug.2014Keine Kategorien bitte
11.Aug.2014Von Moskau nach Berlin und zurück
10.Aug.2014Virtuelle Bilderwelten
06.Aug.2014Phönix aus der Asche
06.Aug.2014Landschaftsfantasien
30.Jul.2014„Als würde man in ein fremdes Land reisen“
28.Jul.2014Cindy Sherman im MoMA
28.Jul.2014Courage heißt schon, als Künstler zu leben
22.Jul.2014Angela Merkels „Hoffotograf“
19.Jul.2014Schlüsselmomente mit Mitmachfaktor
10.Jul.2014Nächtliche Youtube-Fantasien
05.Jul.2014Zwischen Technik und Poesie
05.Jul.2014„Die Wirklichkeit ist noch wesentlich heftiger“
30.Jun.2014„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“
30.Jun.2014„Erich Kästner war damals schon altmodisch“
22.Jun.2014„Man müsste aus dem modernen Leben aussteigen“
16.Jun.2014Das Gedicht bestimmt die Farbe des Konzerts
13.Jun.2014Von der Bedeutung der Kunst
09.Jun.2014„RLF ist reflexiv und nicht positivistisch“
08.Jun.2014Ganz groß mit Hut
07.Jun.2014Du bist überall auf der Erde
06.Jun.2014Mikroben als Kunststars
30.Mai.2014„Ich nehme elektromagnetische Wellen wahr“
27.Mai.2014Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin
21.Mai.2014Gestalten und Beobachten
21.Mai.2014Nordisches Speed-Dating in Berlin
19.Mai.2014Im Ravekostüm mit 50?
18.Mai.2014„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“
13.Mai.2014Farben des Nordens
12.Mai.2014„Wir sollten bei unseren Revolutionen tanzen“
12.Mai.2014 David Hasselhoff singt für globe-M
11.Mai.2014Von Hackern und Hippies lernen
11.Mai.2014TV-Million durch Cannabiskampagne
29.Apr.2014 Sorgen um ein zerrüttetes Land
23.Apr.2014 Lust auf Neues
21.Apr.2014„Ich kann auch gerne mal läpsch sein“
20.Apr.2014 Der richtige Ton
17.Apr.2014 Auf der Suche nach Herausforderungen
13.Apr.2014Ich kann mir den Film in Farbe nicht vorstellen
12.Apr.2014Mich interessiert mehr der Blick daneben
06.Apr.2014Klavierspiel mit Freude
05.Apr.2014„Die Fragen werden bleiben“
02.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
01.Apr.2014"Wir waren schon heiße Typen"
24.Mär.2014„Hat man Eier, oder hat man keine?“
20.Mär.2014„Wir sind alle aus Spirit gemacht“
17.Mär.2014Beim Jazz muss man sich entblößen
07.Mär.2014Berlin hat die Kunst in mir hervorgebracht
06.Mär.2014„Für mich ist die Wahl eines Films persönlich“
04.Mär.2014Den französischen Schubladen entkommen
02.Mär.2014Close Up! als Kontakt zur Bodenstation
25.Feb.2014Beethoven plus Hindemith
14.Feb.2014Monatliche Wundertüte
10.Feb.2014Storytelling wie vor 50 000 Jahren
10.Feb.2014„Ich sehe über 600 Filme im Jahr“
03.Feb.2014Neue Räume schaffen
02.Feb.2014MY MISERY IS FOR YOUR ENTERTAINMENT
29.Jan.2014Berlin jazzt
20.Jan.2014„Inspiration ist wie Bauchschmerzen“
19.Jan.2014„Verbrechen sind keine Frage der Intelligenz“
16.Jan.2014„Ein lustiges Land mit einer seltsamen Kultur“
13.Jan.2014Die Farbe des Chansons
10.Jan.2014Leben als Kunstform
09.Jan.2014Die künstlerische Internationale
30.Dez.2013Musik für Erfahrene
22.Dez.2013Man ist so jung...
17.Dez.2013Das Zielgerichtete überwinden
11.Dez.2013Ökonomie des Schenkens
08.Dez.2013Die schöpferische Welt verstehen
07.Dez.2013 Faszination Kunstmarkt
06.Dez.2013Was ist Humor?
25.Nov.2013Streichquartett des Nonplusultra
24.Nov.2013Im Dunkel – da findest du was
21.Nov.2013 Symphonie einer großen Welt
21.Nov.2013„Es war filmmäßig“
11.Nov.2013 Splitter einer Ära
08.Nov.2013 Ein Geschenk aus Liebe
07.Nov.2013„Die Mentalität muss sich ändern“
04.Nov.2013 Uns interessiert, was wir nicht kennen
31.Okt.2013"Suche nach Gemeinschaft verbindet uns alle"
22.Okt.2013Schöne Wetteraussichten
20.Okt.2013Von der Vergeistigung der Materie
18.Okt.2013Berliner Nächte aus der 90 Grad-Perspektive
11.Okt.2013Intellektueller Pop
10.Okt.2013Ein Tausendsassa lernt nie aus
08.Okt.2013 Die Grenzgängerin
05.Okt.2013Nackte Seele
23.Sep.2013Städteplanung nach Darwin
16.Sep.2013Malen ist meine Meditation
15.Sep.2013Talentfinder
14.Sep.2013Hauptstadt des Tangos
14.Sep.2013Unter dem Pflaster der Linienstraße ‑ Zadig! 
13.Sep.2013Mut steht ihr gut
03.Sep.2013 Herausfordernde Lebendigkeit
27.Aug.2013Eine Frage des Geldes
26.Aug.2013Autobiographische Metaebene
24.Aug.2013Die Welt will, dass man erwachsen wird
20.Aug.2013Neue Töne aus der Uckermark
15.Aug.2013 Ein Traum fürs Leben
15.Aug.2013Der Blick zurück nach vorne
11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
05.Aug.2013 Lalys Lalylalas
02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
30.Jul.2013Zwischen Sorbonne und Depardieu
26.Jul.2013Nobelpenner mit Plattenvertrag
25.Jul.2013Jedermann - Ein Modezar im Zelt
19.Jul.2013Lodernde Leidenschaften
18.Jul.2013Mörderische Nische
05.Jul.2013Soziale Kreativität
04.Jul.2013Prada trifft auf Wes Anderson
01.Jul.2013„Der echte Heimatfilm ist tot“
27.Jun.2013Wir wollen mehr als nur Events
27.Jun.2013Für Chile arbeiten
21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
11.Jun.2013„Im Alter möchte ich Udo Jürgens sein“
07.Jun.2013„Fresse halten, Bass spielen“
29.Mai.2013Erfrischend mutig - Rosalie Thomass
23.Mai.2013Imogen Kusch ‑ ein "24-Hour-Artist"
20.Mai.2013Visuelle Themenwelten
18.Mai.2013Himmel und Wasser
18.Mai.2013Bösewicht mit großem Herz
16.Mai.2013Musterhaft
10.Mai.2013Berlin Transit
10.Mai.2013„Theater ist für mich der Ur-Moment“
09.Mai.2013Für Recht und Gerechtigkeit
09.Mai.2013Kunst und Kommunikation
08.Mai.2013Mehr als kleine Strichmännchen
08.Mai.2013Schauen und Staunen
08.Mai.2013Designzauber aus dem Norden
08.Mai.2013Näkemiin Suomi!
08.Mai.2013Lebendige Folien - Media Art von Saana Inari
08.Mai.2013Szenetreff versus Beschaulichkeit
08.Mai.2013Jung und echt unter deutscher Flagge
08.Mai.2013Der Malteser Schatz
08.Mai.201340 Jahre „Schwarzer September“
08.Mai.2013Glamour auf rotem Teppich
08.Mai.2013Produktion und Verwertung
08.Mai.2013Bilderkrieg
08.Mai.2013Das menschliche Maß
08.Mai.2013Ein scheinbar unmögliches Projekt
08.Mai.2013Blindes Verständnis
08.Mai.2013Tanz, Musik, Film und Text

Warning: Duplicate entry '58254862' for key 'PRIMARY' query: INSERT INTO globem_watchdog (uid, type, message, severity, link, location, referer, hostname, timestamp) VALUES (0, 'php', '<em>Duplicate entry &amp;#039;15519857&amp;#039; for key &amp;#039;PRIMARY&amp;#039;\nquery: INSERT INTO globem_accesslog (title, path, url, hostname, uid, sid, timer, timestamp) values(&amp;#039;„Universelle Erfahrung ohne Sprachbarrieren“&amp;#039;, &amp;#039;node/29226&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;54.158.21.160&amp;#039;, 0, &amp;#039;287872c28151a6ea93a7302d60df4753&amp;#039;, 715, 1506255255)</em> in <em>/kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc</em> in Zeile <em>174</em>.', 2, '', 'http://alt.globe-m.de/de/experts/universelle-erfahrung-ohne-sprachbarrieren', '', '54.158.21.160', 1506255255) in /kunden/210808_12165/webseiten/globem/includes/database.mysql.inc on line 174