Von der Eisprinzessin zur Stilkönigin

Marika Kilius. Foto: privat

Zwischen 1955 und 1964 holte Marika Kilius neun deutsche, sechs Europa- und zwei Weltmeistertitel im Paarlauf. Nach Ende der Sportkarriere bewies die einstige Eisprinzessin, dass es ein erfolgreiches Leben auch außerhalb der Eisfläche gibt. Als globe-M die Wahlschweizerin über ihre Pläne fragte, war die Überraschung groß, etwas über eine Operninszenierung zu hören.

 

globe-M: Frau Kilius, Sie sind auf einer Stippvisite in Berlin. Was führte Sie in die deutsche Hauptstadt?   

Marika Kilius: Heute wird in der „Arena“ der Deutsche Parfumpreis „Duftstars“ verliehen. Es ist eine feierliche Angelegenheit mit Barbara Schöneberger als Moderatorin und Lisa Stansfield als Show-Act.

globe-M: Und als was sind Sie dort?

Marika Kilius: Als geladener Gast.

globe-M: Ist es für Sie eine Art „Branchentreff“? Schließlich haben Sie in der Schweiz bereits vor einigen Jahren eine Kosmetikserie mitentwickelt und etabliert.

Marika Kilius: Nein, wirklich nicht. Heute Abend wird der italienische Designer Roberto Cavalli den Persönlichkeitspreis bekommen, und ich bin nur als Gast bei der Gala dabei.

globe-M: Vor einiger Zeit sind Sie auch als Schmuckdesignerin in Erscheinung getreten. Wovon lassen Sie sich beim Entwerfen inspirieren?

Marika Kilius: An Ideen mangelt es mir zum Glück überhaupt nicht. Aber die Schmuckkollektion ist in der Tat ein Thema, das mich seit gut einem Jahr besonders stark beschäftigt. Ich war lange Zeit auf der Suche nach einem zuverlässigen Partner für ihre Herstellung, bis mir schließlich ein junger Unternehmer in den USA vorgestellt wurde. Jetzt geht es darum, die Kollektion dem Handel zu präsentieren.

globe-M: Was ist das Besondere an Ihrem Schmuck?

Marika Kilius: Ich nenne es „Traveling Collection“ – aus folgendem Grund: Viele Menschen mögen und besitzen echten Schmuck. Es ist aber umständlich und manchmal auch unvernünftig, ihn mit auf Reisen zu nehmen. Die von mir entworfenen Schmuckstücke sind perfekte Reisebegleiter, weil sie aus sehr guten, beständigen Materialien hergestellt werden, ohne ein Vermögen zu kosten. So setze ich anstelle von Diamanten konsequent Zirkonsteine ein. Sie stehen in Aussehen und Glanz geschliffenen Diamanten keineswegs nach und sind praktisch genau so hart – im Gegenteil zu Swarovski und Co., weil Glas nun mal sehr schnell verkratzt ist.

globe-M: Wenn ich jetzt einen Schwenk zurück zu Ihrer großen Eiskunstlauf-Zeit machen darf, so haben Sie doch einen scheinbar vorgezeichneten Weg verlassen. Warum sind Sie zum Beispiel keine Trainerin geworden?

Marika Kilius: Das liegt mir überhaupt nicht. Ganz und gar nicht! Ich hätte keine Lust stundenlang auf dem kalten Eis frierend herumzustehen. Schließlich habe ich nun wirklich genug  Zeit darauf verbracht.

globe-M: Na ja, herumgestanden sind Sie da wohl nicht.

Marika Kilius: Das stimmt wiederum.  Der Eiskunstlauf hat mir ja auch viel Spaß gemacht. Nachdem ich mich vom Leistungssport verabschiedet habe, trat ich noch acht Jahre lang bei „Holiday on Ice“ auf.

globe-M: Diese Eisrevue gibt es noch heute.

Marika Kilius: Mit dem Unterschied, dass sie bei Weitem nicht mehr so schön ist.

globe-M: Was ist der Grund dafür?

Marika Kilius: Die Revue wurde verkauft und der neue Eigentümer ging den trügerischen Weg der Einsparungen. Statt der Gewinnmaximierung erreichte er damit das Gegenteil. Zu meiner Zeit war das eine große opulente Show mit ausgeklügelter Choreographie, mit großen Namen, wunderschönen Kostümen und unzähligen Kostümwechseln. Auf Tournee gingen wir mit 18 Containern voller Kostüme und Requisite. Heute hat „Holiday on Ice“ maximal vier Container mit. Dementsprechend sieht die Show aus. Zwar macht man heute viel mit Licht, aber das nutzt wenig, wenn auf dem Eis immer ein und dasselbe zu sehen ist, nur in einer anderen Farbe ausgeleuchtet. Die Show ist deswegen auch viel weniger erfolgreich, als sie sein könnte. Also ich schaue sie mir inzwischen nicht mehr an.  

globe-M: Gibt es noch den Eiskunstlauf in Ihrem Leben, vielleicht in der Freizeit, dass sie die Schlittschuhe unterm Arm klemmen und zur Eisbahn gehen?

Marika Kilius: Nein, das mache ich nie.

globe-M: Das klingt irgendwie endgültig.

Marika Kilius: Keine Sorge, ich werde noch auf dem Eis auftreten. Wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, sogar recht bald – bei den Tiroler Winterfestspielen in Erl.

globe-M: Ist das nicht ein Opernfestival?

Marika Kilius: Ich werde auch auf einer Opernbühne zu sehen sein: in einem Stück von Matthias Drievko, das auf dem Märchen „Die Nachtigall und die Rose“ von Oscar Wilde basiert. Es ist keine Oper in Reinform, sondern eine Kombination aus mehreren Genres wie Ballett, Erzählung, Pantomime, Drama und der eigentlichen Oper. In diesem Bühnenwerk soll ich, auf dem Eis tanzend, die Nachtigall darstellen.

globe-M: Ist Eiskunstlaufen etwas, was man nie verlernt?

Marika Kilius: Oh, doch. Das ist nicht wie Radfahren.

globe-M: Aber Ihnen kann das nicht passieren!

Marika Kilius: Nein, mir wohl nicht.

globe-M: Davon bin ich fest überzeugt. Herzlichen Dank für das Gespräch.

 

Weitere Informationen
Marika Kilius ist eine der erfolgreichsten Sportlerinnen Deutschlands, die als Eiskunstläuferin bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie bei den Olympischen Winterspielen im Paarlauf zahlreiche Medaillen gewonnen hat. Im vergangenen Jahr legte sie ihre Autobiografie vor: „Pirouetten des Lebens. Erinnerungen“  (ISBN: 978-3-7787-9243-8).
Website von Marika Kilius 

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