Was ist Humor?

Sonsee Neu, Foto: Hannes Caspar

Sonsee Neu ist den meisten Zuschauern als „Anne“ aus der Erfolgsserie „Pastewka“ bekannt. Kürzlich gewann „Pastewka“ den „Comedy Preis“ – ein weiterer Beweis für die anhaltende Qualität der Serie und deren Besetzung. Außerdem hat Neu gerade eine Hauptrolle neben Oliver Pocher in dem Film „Der Weihnachtskrieg“ gespielt. Mit globe-M sprach sie über ihre aktuelle Arbeit, ihre Sehnsucht nach New York und die Seltenheit guter Seriendrehbücher.

globe-M: Sie haben zehn Jahre in New York gelebt, dort Ihre Ausbildung gemacht und gearbeitet. Wie kamen Sie dazu?

Sonsee Neu: Ich wusste mit zwölf Jahren schon, dass ich Schauspielerin werden muss. Da lief abends im Fernsehen, zu einer Zeit, zu der ich schon lange nicht mehr gucken durfte, eine Dokumentation über „The Actors Studio“. So lernte ich das Konzept einer amerikanischen Schauspielschule kennen und alles daran gefiel mir. Mein Vater war Flugkapitän, also bin ich schon immer hin und her gehopst. Die USA waren mir auch dadurch nah.

globe-M: Haben Sie auch heute noch diese Sehnsucht nach New York?

Sonsee Neu: Ja, die habe ich tatsächlich noch. Als Mutter bin ich froh, nicht dort zu leben, trotzdem spüre ich die Magie dieser Stadt. Ich habe noch einen Manager dort und wir merken immer, dass wir zwei und die Stadt zusammen gut funktionieren.

globe-M: Möchten Sie Ihre Schauspielerfahrungen, die Sie in Deutschland gemacht haben, dort einbringen?

Sonsee Neu: Ich spreche mit meinem Manager darüber, dass ich nun ein paar Mal im Jahr nach New York fliege. Ich möchte dort langsam ein paar Termine wahrnehmen, es geht mir schon auch um die Stadt. Ich möchte nicht unbedingt warten bis amerikanische Produktionen in Deutschland gedreht werden, sondern mich selbst dort herantasten. Ich merke auch, dass ich mich in der Sprache sehr wohl fühle und mich nochmal ganz anders ausdrücken kann.

globe-M: Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit dort verändert?

Sonsee Neu: Es ist überall das Gleiche. Ich habe auch drei Jahre in Hollywood gelebt und wir haben einfach alle nur eine Dispo (Tagesdisposition für einen Drehtag, Anm. d. Red.). Alle müssen in die Maske, alle sind mal gelangweilt und dann mal sehr herausgefordert. Da gibt es gar nicht so große Unterschiede. Die Departments sind größer dort, der Fuhrpark ist größer, da sind die Deutschen etwas kleiner und effizienter.

globe-M: Auch wenn die Dispo die gleiche ist, hat man das Gefühl, dass in Amerika die Vorbereitung eine ganz andere ist?

Sonsee Neu: Das stimmt. Das Fernsehen ist durchdachter und größer. Sie sind für Möglichkeiten offener, das zieht mich auch wieder hin. Darauf habe ich Lust.

globe-M: Das deutsche Fernsehen hat nicht sehr viele gelungene Serien und schon gar nicht viele gelungene Comedy-Formate. „Pastewka“, wo Sie die weibliche Hauptrolle spielen, ist eine Ausnahme. Was ist so schwierig daran, eine gute Comedy-Serie zu machen und warum gelingt es „Pastewka“ seit Jahren die Qualität zu halten?

Sonsee Neu: Die Serie zeigt verschiedene Ebenen, es geht nicht immer nur in eine Richtung und nicht notgedrungen unter die Gürtellinie. Die Serie ist für einen Acht- genauso interessant wie für einen Hundertjährigen. Ich merke, die Kinder verstehen den Humor. Da frage ich mich, was ist Humor? Ist es wie Liebe und für alle erfassbar, oder gibt es verschiedene Geschmäcker. Ich glaube, es gibt Humor und es gibt guten Humor, den hat „Pastewka“ und der ist nicht einfach einzufangen. Ein gutes Ensemble ist auch wichtig, eine One-Man-Show hält sich nicht über viele Staffeln.

globe-M: Was ist für Sie persönlich der Ansporn? Haben Sie bei jeder Staffel ein neues Ziel und das Bedürfnis „Anne“ in eine bestimmte Richtung zu entwickeln?

Sonsee Neu: Das machen die Drehbücher, die sind für Comedy sehr wichtig. Comedy erfordert bessere Drehbücher. Es ist wie bei einem Orchester, man hört sofort den falschen Ton. Beim Drama hat man mehr Möglichkeiten, bei Comedy muss die Pointe schon im Drehbuch feststehen. Da freue ich mich, denn bis jetzt muss ich noch immer laut auflachen, wenn ich die „Pastewka“-Bücher aufschlage. Mein Mann kommt dann immer ins Zimmer und sagt „Pssstttt, die Kinder schlafen doch!“.

globe-M: Gibt es eine Rolle, die sie gerne mal spielen wollen?

Sonsee Neu: Ich finde Drama richtig hart. Wenn Drama, dann würde ich gerne etwas wie „Effi Briest“ spielen, dafür ist es jetzt zu spät, aber so was in dieser Richtung. Ich hätte auch Lust auf eine amerikanische Kommissarin, eine physisch richtig taffe Rolle. Das ist doch das Tolle an meinem Beruf! Als Kind haben mich so viele verschiedene Dinge begeistert und nun habe ich einen Beruf, bei dem ich überall mal reinschnuppern darf.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.

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