„Wir lieben das Risiko, zu scheitern“

Das Portrait ist ein Teil des Gob Squad-Gruppenfotos mit Sharon Smith, Berit Stumpf, Sean Patten, Sarah Thom, Johanna Freiburg, Bastian Trost und Simon Will © Garrett Davis/Capture Imaging.

Wie skriptet man Spontaneität? Bei Gob Squads „Super Night Shot“ ist alles echt. Vier Protagonisten begeben sich auf die Mission im Kampf gegen die Anonymität der Großstadt. Dazu haben sie exakt eine Stunde Zeit. „Super Night Shot“ ist zwar schon zehn Jahre alt, gilt aber als Vorbote des 20. Geburtstags des englisch-deutschen Künstlerkollektivs Gob Squad, Gründungsmitglied Sarah Thom verrät globe-M, warum.

globe-M: Bei „Super Night Shot“ darf die Kamera nicht ausgeschaltet werden. Sie filmt jeden eurer Schritte. Schnitte gibt es keine, trotzdem ist das Video ist so perfekt, dass einige zweifeln, ob alles echt ist. Wie viel davon ist geskriptet, wie viel spontan?

Sarah Thom: Es gibt eine sehr strenge Struktur. Das ist bei vielen unserer Shows so. Es geht von A nach B und dazwischen ist viel Freiheit. Dieses riskante Element ist sehr wichtig, um Spannung zu erzeugen und natürlich auch Realität. Und darum geht es uns - dieses Risiko, in jedem Moment scheitern zu können, und wir begrüßen das. „Super Night Shot“ ist das freieste und gefährlichste unserer Stücke. Da kann so viel schief gehen.

globe-M: Was zum Beispiel?

Sarah Thom: Du kannst nicht ahnen, was passieren wird, vielleicht wirst du aus einem Restaurant geworfen, weil du dort eine Rede halten willst. Dann zeigst du, wie sie dich herauswerfen und kommentierst das. Dann baut das Publikum eine Beziehung zu dir auf.

globe-M: Das Video entsteht innerhalb einer vorgegebenen Zeit. Während des Videos gebt ihr dem Zuschauer das Gefühl, euch interessiere der Zeitplan nicht, aber dann seid ihr doch pünktlich…

Sarah Thom: Mich überrascht immer, dass mich das die Leute immer wieder fragen. Eine der ersten Szenen ist die, in der wir unsere synchronisierten Uhren den Kameras zeigen und sagen: „Synchronisiert eure Uhren.“ Darauf beziehen wir uns während des Films drei oder vier Mal. Jeder von uns hat zwei synchronisierte Uhren ‑ an jedem Handgelenk eine ‑ und die Kamerauhr.

Bin ich auf der Straße unterwegs, dann weiß ich: „In der 25. Minute muss ich meinen Schirm nehmen, um damit zu tanzen.“ So synchronisieren wir uns. Bis dahin kann ich mir einen schönen Platz aussuchen. Vielleicht steht dort eine Horde Touristen und ich kann dort gar nicht mit dem Schirm tanzen, aber ich muss irgendwie damit umgehen. Vielleicht tanze ich mit einem Touristen? Für so etwas muss ich stets offen sein, das ist sehr anstrengend (lacht).

globe-M: Was gibt Dir die Sicherheit, dass alles gut geht?

Sarah Thom: Diese strukturierten Momente sind die Trittsteine und der schnell laufende Fluss ist das Risiko der Realität. Nach einer Weile kann ich wieder auf die Struktur springen und dann springe ich wieder zurück auf die Straße ins Ungewisse, aber ich weiß, dass bald wieder ein Trittstein kommt. Also kein Grund zur Panik. So lange wir eine rigorose Struktur in allen unseren Shows haben, können wir uns die Freiheit nehmen, es fließen zu lassen, zu improvisieren, Neues auszuprobieren, weil wir uns immer wieder auf die Struktur verlassen können.

globe-M: Ist es Dein Lieblingsstück?

Sarah Thom: Aus bestimmten Gründen liebe ich „Super Night Shot“ wegen der Angst, die ich habe, bevor es beginnt. Jedes Mal, bevor ich das Stück spiele. Bevor ich bei der Kamera auf „Aufnahme“ drücke, bin ich nervös. Ich habe jedes Mal einen Haufen Angst und ich liebe es.


Weitere Informationen

Neben Sarah Thom sind Sharon Smith, Berit Stumpf, Sean Patten, Johanna Freiburg, Bastian Trost und Simon Will Teil des Künstlerkollektivs. Jeder ist gleichberechtigt. Ein weiterer Teil des Interviews wird im Mai erscheinen.

„Super Night Shot“ wurde zuletzt im März dieses Jahres im „Hebbel am Ufer“ aufgeführt.

Aktuell im Programm:

„Western Society“ am 26. und 27. April 2014 im Berliner Hebbel am Ufer
„Dancing About“ am 10. Mai 2014 in der Berliner Volksbühne

Tourtermine von Gob Squad

Im zweiten Teil des Interviews spricht Sarah Thom über Abschied und Wiederentdeckung von alten Stücken. Außerdem spielt ein Ravekostüm eine große Rolle. 

 

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11.Aug.2013Kunst ohne Imagepflege
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02.Aug.2013 Illusion im Dienste der Wahrheit
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21.Jun.20132500 Quadratmeter Glitzerwelt
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18.Mai.2013Himmel und Wasser
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08.Mai.2013Produktion und Verwertung
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