Zwischen Sorbonne und Depardieu

Ramph Amoussou Foto © Fanny Latour-Lambert

Cesar-Nominierung, Literaturstudium an der Sorbonne, drei unterzeichnete Kinoprojekte für 2014: Der 24-jährige französische Schauspieler Ralph Amoussou scheint ein Wunderkind zu sein. Mit globe-M sprach der gebürtige Nigerianer über seine Karriere, seine Vorfreude auf eine Hauptrolle neben Gerard Depardieu und über Vorurteile im französischen Kino.

globe-M: Mit Neunzehn wurden sie als bester Nachwuchsschaupieler für den Film „Aide-toi le ciel t'aidera“ für einen Cesar nominiert. Wie kamen sie so früh zum Film?

Ralph Amoussou: Ich bin in Nigeria geboren und aufgewachsen. Als ich mit Dreizehn nach Paris zog, sprach ich nur gebrochen Französisch. Zudem war ich noch sehr schüchtern. Also steckten mich meine Eltern in den Schauspielunterricht. Sie wollten, dass ich schnell die Sprache lerne und auch, dass sich mein Selbstbewusstsein steigert. Ich hatte nämlich große Angst, vor anderen Menschen Französisch zu sprechen. Der Schauspiellehrer empfahl mich dann einem Agenten, und so bekam ich mit Fünfzehn meine erste Rolle in einem Film von Michel Serrault. Danach folgte eine regelmäßige Rolle in einer Serie von Canal Plus, und so ging es weiter.

globe-M: Wann haben sie sich entschieden, die Schauspielerei zu ihrem Beruf zu machen?

Ralph Amoussou: Als ich für den Cesar nominiert wurde, dachte ich mir: geil, Schule schmeissen und Schauspieler werden!

globe-M: Sie haben keinen Abschluss?

Ralph Amoussou: Machen sie Witze? Ich habe Englische Literatur an der Sorbonne studiert. Danach bin ich nach New York und habe mir ein Schauspielstudium bei Black Nexxus finanziert und weil ich noch Zeit übrig hatte, habe ich dort zusätzlich Kriminologie studiert. Sehen Sie, ich liebe Krimis!

globe-M: In den nächsten Monaten drehen sie drei große Kinofilme. Sie spielen einen Bankräuber, einen Vergewaltiger und einen Prinzen neben Depardieu. Drei Großprojekte auf einmal?

Ralph Amoussou: Momentan kellnere ich. Ich drehe viel, aber es gibt immer Monate, in denen ich nichts zu tun habe und Geld brauche. Paris ist sehr teuer. Ich freue mich aber auf die Filme und bin schon sehr aufgeregt mit Depardieu zu arbeiten, das wird nämlich immer schwieriger, da er ja wirklich in Russland lebt. Wir drehen ein Märchen über einen afrikanischen Prinzen, der sich in eine französische Prinzessin verliebt, deren Vater Depardieu spielt. Regie führt der Nachwuchsregisseur Slony Sow. Im Herbst fliege ich dann zum TIFF Festival nach Toronto um den Film „Under a Starry Sky“ von Dyana Gaye zu promoten. Ich habe selten eine so begabte Regisseurin erlebt und bin gespannt auf die Reaktionen.

globe-M: Haben sie das Gefühl, dass es für sie auf Grund ihrer Hautfarbe schwieriger ist, besetzt zu werden?

Ralph Amoussou: Ich habe irgendwie das Gefühl, dass es in Frankreich immer schwieriger wird. Deswegen drehe ich auch gar kein Fernsehen. Ich würde es gern tun, aber im Fernsehen müssen die Protagonisten blond und blauäugig sein. Aber auch im Kino wird noch sehr nach Stereotypen besetzt. Die meisten schwarzen Rollen handeln von Drogendealern und Gangstern.

globe-M: Hat Frankreich nicht aus dem Beispiel „Ziemlich beste Freunde“ gelernt, dass ein schwarzer Held, Omar Sy, ein Kassenmagnet sein kann? Dadurch müsste sich die Situation für schwarze Schauspieler doch verbessern.

Ralph Amoussou: Das könnte man meinen. Das bedeutet einfach nur: Es gibt nun mehr Rollen für Omar Sy, das ändert nichts Grundsätzliches. Ich wette mit ihnen, sollte Omar Sy ein Projekt absagen, wird die Rolle nicht mit einem anderen schwarzen Schauspieler besetzt, sondern sie schreiben die Rolle für einen weißen um. So läuft das. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung von Sy. Ganz Frankreich wartet auf seinen nächsten Film, um zu sehen, ob er ein One-Hit-Wonder war, oder ob er auch unterschiedliche Rollen spielen kann.

globe-M: Sie wurden jahrelang von der wichtigsten Agentur Frankreichs vertreten. Sie waren in einer Agentur mit Marion Cotillard und Vincent Cassel, nun wechselten sie zu einer viel kleineren. Ein mutiger Schritt, wie kam es dazu?

Ralph Amoussou: Meine alte Agentur ist großartig und hat viele Stars. Ich habe mich aber nach einer persönlichen Betreuung gesehnt und wollte einen Agenten, der mit mir zu Filmsets, Premieren und Festivals fliegt. Deswegen bin ich nun in einer zehn Personen Agentur und fühle mich da richtig gut.

globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.

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